USA: Trump bestellt einen Impfkritiker als Vorsitzenden der staatlichen Impfkommission

17. Januar 2017 von Niki Vogt
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17. Januar 2017 (von Niki Vogt) Der designierte Präsident Trump ist berühmt-berüchtigt für seine Tweets. Er twittert aber nicht erst, seit er sich für das Präsidentenamt beworben hat. Schon im März des Jahres 2014 machte er mit einem ganz besonderen Tweet auf sich aufmerksam:

Trump_impfen

Übersetzung: Ein gesundes, kleines Kind geht zum Arzt, wird vollgepumpt mit einer massiven Injektion verschiedenster Impfungen, fühlt sich nicht gut und verändert sich – AUTISMUS. Viele solche Fälle!

Donald Trump ist kein „Impfgegner“, er befürwortet sogar Impfungen, sagt er. Aber er nimmt Auffälligkeiten zur Kenntnis und bildet sich unvoreingenommen seine Meinung, die er auch aller PC zum Trotz laut sagt. Bei einer Diskussion mit dem Arzt Ben Carson, einem republikanischen Politiker, im Herbst 2015, rechnete Trump dem Mediziner vor, daß die Anzahl von Autismus-Fällen enorm angestiegen sei: „Autism has become an epidemic“. Er selbst habe direkte Erfahrungen mit dem Thema gemacht, sagt Trump. Ein Mitarbeiter habe ein kleines, gesundes Baby zum Impfen gebracht, eine Woche später hatte es hohes Fieber und danach wurde es autistisch. Es werde viel zu viel, zu oft und zu zu kleine Kinder geimpft, was sehr wahrscheinlich zum Anstieg von autistischen Kindern führe. Er sagt, er habe es bei seinen Kindern gesehen: Die Spritze mit Vakzinen, die die Kleinen bekommen haben war so riesig, daß er dachte, das müsse mindestens für ein Pferd sein. Dr. Carson streitet zwar ab, daß Impfungen zu Autismus führen können, gibt aber zu, daß viel zu viel in zu kurzer Zeit geimpft wird, und daß man diese Praxis überdenken solle.

Am 10. Januar veröffentlichten die Medien in den USA, daß der designierte Präsident Donald Trump einen der prominentesten Kritiker gegen Impfungen im Kindesalter, Robert F. Kennedy Jr., gebeten hat, den Vorsitz der neuen Regierungskommission  für Impfsicherheit und wissenschaftliche Integrität (new government commission on vaccine safety and scientific integrity) zu übernehmen. Robert Kennedy ist ein Neffe von John F. Kennedy und bekannt als scharfer Kritiker von Impfungen, in den Medien wird er bisweilen als „Kreuzzügler gegen das Impfen“ (anti-vaccine crusader) bezeichnet. Trump öffne mit der Wahl dieses Mannes widerlegten Verschwörungestheorien über die Gefahren der Immunisierung (Impfung) den Weg ins Weiße Haus, schreibt die New York Times.

Die Ernennung von Robert Kennedy, so fährt die New York Times fort, habe bei der Gemeinschaft der Mediziner Alarm ausgelöst. Seit Jahren werden Behauptungen zurückgewiesen, daß Impfungen im Kindesalter zu Autismus und ähnlichem führen können. Medizin-Experten, so die NYT weiter, warnten davor, daß die Pläne von Donald Trump Kinder in Gefahr bringen. Eltern würden in Bezug auf die Notwendigkeit von Impfungen verunsichert:

“It gives it a quasi-legitimacy that I frankly find frightening,” said William Schaffner, a professor of preventive medicine and infectious diseases at Vanderbilt University. He said Mr. Trump and Mr. Kennedy were being fooled by “long-discredited” theories about vaccines. “This is going to be a sad struggle as we try to protect as many children as possible,” Mr. Schaffner said.

Übersetzung: „Das gibt ihm (dem nicht-impfen) eine Quasi-Legitimität, die ich, offen gesagt, erschreckend finde“, sagte William Schaffner, Professor für präventive Medizin und Infektionskrankeiten an der Vanderbilt-Universität. Er sagte, Herr Trump und Herr Kennedy seien von „längst unglaubwürdigen“ Theorien über Impfungen in die Irre geführt worden. „Das wird ein trauriger Kampf, wenn wir dann versuchen, so viele Kinder wie möglich zu schützen“, sagte Herr Schaffner.

Donald Trump beschäftigt sich mit dem Impfthema schon seit längerer Zeit. Wir können gespannt sein, welche Auswirkung ein ausgewiesener Impfkritiker in der Regierungskommission für Impfsicherheit haben wird – der auch noch Rückendeckung vom Präsidenten persönlich hat. Vielleicht werden bald echte und unabhängige Untersuchungen zu Impfung und Autismus gemacht und auch veröffentlicht werden? Wahrscheinlich wird dieser neue Kurs auch Auswirkungen auf die europäischen Impfkommissionen und die Impfpraxis haben. Zumindest können Eltern vielleicht bald offener mit den Ärzten über ihre Impfbedenken sprechen und müssen sich nicht mehr als Mörder ihrer Kinder beleidigen lassen. Wir werden sehen.

Einige von Trumps ersten Tweets zu Autismus und Impfen stammen aus 2012:

Trump impfen 2

Unterer Tweet aus dem März 2012: Eine Studie besagt, daß der Autismus außer Kontrolle geraten ist – 78% Zunahme in 10 Jahren. Schluß mit mönströsen kombinierten Impfungen. Darüber der Tweet aus dem  Juni 2012: Ich habe viele Dankesnachrichten bekommen von den Leuten zu meinem Kommentaren über Impfungen und Autismus.