Unabhängig leben: Stromausfall im Winter? Wie man trotzdem beleuchten, heizen und kochen kann

22. Dezember 2016 von Niki Vogt
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22. Dezember 2016 (von Niki Vogt) Wir alle spüren, daß einiges auf uns zu kommt. Die Notfallbroschüre, die die Bundesrepublik neu aufgelegt und wärmstens empfahl, hat manche aufhorchen lassen. Viele unserer Leser schreiben uns, daß sie überlegen, wie sie sich darauf vorbereiten können, zumindest einige Zeit auf sich selbst gestellt überstehen zu können. Die Kunst eilt ja den tatsächlichen Geschehnissen immer voraus. Daher wurde das Buch „Blackout“  mit einiger Nervosität zur Kenntnis genommen. Was da in Romanform so düster verarbeitet wurde, kann man auch von berufenem Munde als Studie nachlesen: stromausfall-inst-f-technikfolgenabschaetzung

Ich kann nur empfehlen, das einmal durchzulesen. Dabei sind solche Katastrophen, die zum Beispiel in der Landwirtschaft entstehen können, wenn solche Tierfleischfabriken über Tage keinen Strom mehr haben, gar nicht enthalten. Diese Riesenställe haben eine Klimaanlage, die ständige Frischluftzufuhr gewährleistet. Bei Stromausfall haben diese Betriebe für maximal 48 Stunden Treibstoff, um ihre Dieselgeneratoren arbeiten zu lassen. Da man bei einem Blackout auch keine funktionsfähige Tankstelle mehr findet (auch die Zapfsäulen arbeiten mit elektrischen Pumpen), ist danach Ende. Weder könnten die Tausenden Tiere mit Frischlusft versorgt werden, noch gefüttert, noch getränkt und würden elend verrecken, noch würden die hochgezüchteten Tiere draußen auf einer Weide überleben – wenn überhaupt eine da ist. 

Die Gefahr, daß Deutschland im Winter mit großflächigen Stromausfällen zu kämpfen hat, steigt seit der Energiewende stetig. Der hektische Umstieg von Atomstrom auf Ökostrom funktioniert nicht so, wie uns das die Politik glauben machen wollte. Überall entstehen zwar neue Wind- und Solarparks zur Stromerzeugung. Darauf ist das Netz aber gar nicht eingerichtet. Es war vor zwanzig Jahren daraufhin gebaut und ausgerichtet worden, von wenigen großen Kraftwerken aus die Elektrizität im Land zu verteilen. Heute funktioniert nicht nur die Energieerzeugung ganz anders. Darüber hinaus sind auch noch die Leitungen und Masten in die Jahre gekommen und der Wartungsaufwand wird zudem noch reduziert. Experten halten es geradezu für ein Wunder, daß unser Stromnetz überhaupt noch so gut funktioniert.  

Dazu kommt, daß  die viel gepriesenen erneuerbaren Energien nicht zuverläßig sind. Geht eine Windfront quer über Deutschland, entstehen da, wo sie hinkommt, Überkapazitäten, die das Netz belasten. Wo der Wind abflaut, fehlt Windstrom. Das Netz kann diese Extreme kaum adäquat verteilen. Die Solarenergie produziert naturgemäß dann am allerwenigsten, wenn es am meisten gebraucht wird: Wenn es dunkel ist und kalt.

In den Empfehlungen zur Notfallvorsorge der Bundesregierung wurde daher großes Gewicht auf die Bevorratung von Batterien und Akkus, Taschenlampen und anderen Utensilien gelegt, die bei einem längeren Stromausfall wenigstens die schlimmsten Folgen abwenden könnten. Immer öfter werden Noteingriffe seitens der Stromerzeuger nötig, um das Netz vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Ein tagelanger Blackout ist nur noch eine Frage der Zeit. Besonders jetzt, wo es richtig kalt wird, steigt die Gefahr. Von einem möglichen Terroranschlag wollen wir gar nicht reden.

Nur ein Beispiel: Am 15. November 2012, morgens um viertel nach sieben, gab es ein Donnern im Heizkraftwerk Föhring (München). Weißer Qualm stieg auf und in großen Teilen Münchens fiel der Strom aus. Um kurz nach acht Uhr morgens zeigte sich, dass die Innenstadt Münchens und die Stadtteile Schwabing, Laim, Pasing, Lehel, Giesing, Sendling, Riem und Solln ohne Elektrizitätsversorgung waren. Tausende Fahrgäste warten ratlos in U-Bahnhöfen und am Hauptbahnhof. Lautsprecher funktionieren nicht. Aus den dunklen, nur mit Notbeleuchtung spärlich erhellten U-Bahnstationen fliehen die Leute ängstlich ins Freie. Der Verkehr ist chaotisch, weil die Ampeln ausgefallen sind, die Polizei kommt endlich und regelt große Kreuzungen per Hand. Die Feuerwehren sind im Dauereinsatz, um Menschen aus steckengebliebenen Aufzügen zu befreien. In der Notrufzentrale gehen allein zwischen 7 und 9 Uhr morgens 1000 Notrufe ein. Zahlreiche Fehlalarme von Juweliergeschäften und Banken überfordern die Besatzungsstärken der Polizeikräfte. Erst gegen 14 Uhr normalisiert sich die Lage wieder. Was sich im öffentlichen Leben als spektakulärer Ausnahmezustand zeigte, war auch in den eigenen vier Wänden sehr unangenehm: Heizung und Licht funktionierte nicht, es gab kein warmes Wasser zum Duschen und der Wasserkocher für den Kaffee machte keinen Mucks. Glück im Unglück: Am Nachmittag kam der Strom wieder, die Heizungen sprangen wieder an und auch alle anderen Annehmlichkeiten des Lebens, die am Strom hängen, arbeiteten wieder.

Glücklicherweise war es Anfang November noch nicht so kalt und am Abend war der Schrecken schon fast wieder vergessen. Wenn die Befürchtungen der Experten stimmen, stehen uns aber gerade in der Zeit der höchsten Strombelastung, also im tiefen Winter, Blackouts von mehreren Tagen bevor. Dem erhöhten Verbrauch steht nämlich eine verringerte Strommenge gegenüber. Gerade die gepriesenen Solarpaneele erzeugen in der dunklen Jahreszeit viel weniger Elektrizität. Starke mechanische Belastungen durch Schnee und Eis setzen den alt gewordenen Oberleitungen sehr zu. Wir erinnern uns nur an das Schneechaos von 2005 im Münsterland.

Wer im Winter unversehens vom Strom abgeschnitten wird, gerät bereits innerhalb eines Tages in Probleme. Denn auch eine Ölheizung oder Gasheizung braucht Strom, um den Brenner und die Ölpumpe und die Pumpe für den Heizkreislauf zu betreiben. Wer Kaminöfen hat, kann sich helfen. Kerzen sind zwar eine romantische Beleuchtung, aber dennoch eine Notlösung und schnell verbraucht. Richtig hell wird es damit nicht, und warm auch nicht, es sei denn, man stellt das ganze Zimmer damit voll (Das sollte man allerdings keinesfalls machen, dann ist der Zimmerbrand schon garantiert!).

Die Küchenhexe – ein Arbeitstier In den meisten Stadtwohnungen gibt es aber keine Kaminöfen. Wer in einer Altbauwohnung wohnt, kann wahrscheinlich sogar einen Anschluß zu einem noch vorhandenen Kamin legen und einen Holzofen installieren. Dem muß der Hausbesitzer aber zustimmen. Viele Hauseigentümer wollen das wegen der Feuergefahr nicht. In Neubauten gibt es meistens gar keine Kamine – und damit überhaupt keine Möglichkeit mehr, einen solchen Ofen zu installieren.

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Die gute, alte Küchenhexe. Der absolute Lebensretter uns Spitzenreiter bei Stromausfall. Heizung, Kochherd und Backofen in einem. Außerdem gemütlich und ein Sparfuchs: Im Herbst kann man die Küche schön gemütlich warm haben, wenn es abends schon unangenehm kühl ist und man die Zentralheizung nicht anwerfen möchte. Das spart Heizöl.

Wem es aber möglich ist, sich einen Holz- und Kohleofen zu installieren, sollte das unbedingt tun. Das Non-plus-Ultra ist eine so genannte „Küchenhexe“. Dieser Ur-Oma-Herd ist ein Multitalent. Man kann mit Papier, Pappe, Holz, Holzbriketts, Braunkohlebriketts und Holzkohle heizen. Eine Ascheschublade macht es leicht, die Brennabfälle einfach zu entsorgen (Vorsicht! Niemals heiße Asche in die Kunststoffmülltonne! Die zerschmilzt. Immer erst in einem Metalleimer komplett auskühlen lassen). Man kann auf der großen Eisenplatte wunderbar kochen und die meisten Öfen haben auch eine Backröhre mit dabei, in der man auch backen kann. Außerdem sorgt die große Oberfläche dieser Herdplatte dafür, daß der Raum schnell auf gemütliche Zimmertemperatur kommt. Und hübsch ist die Küchenhexe auch noch anzusehen.

Man kann sehr schöne Öfen neu kaufen oder auch beim Antiquitätenhändler. Nicht selten gibt es alte Stückchen auf dem Trödelmarkt. Die sollte man sich gut ansehen, ob sie auch dicht sind, und der Qualm des Feuers nicht durch Rostlöcher an den Ecken und Kanten des Blechgehäuses aus dem Brennraum entweichen kann.

Manchmal findet man solche Uroma-Schätzchen noch vereinsamt und ungeliebt auf irgendwelchen Scheunenböden oder Abstellkammern. Auch hier: Genau anschaun, ob sie noch in Ordnung sind. Spätestens der Schornsteinfeger, der den angeschlossenen Ofen abnehmen muß, sieht die Mängel.

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Kein Kaminanschluß möglich – was nun?

Gehört man aber zu den Zeitgenossen, die keine Möglichkeit haben, einen Ofen an einen Kamin anzuschließen, gibt es auch gute Lösungen: Öfen und Lampen, die mit Petroleum betrieben werden.   Alkan als Brennstoff Benutzt man statt normalem Petroleum ein hochreines Paraffinöl, das Alkan, entsteht dabei weder Ruß noch eine Geruchsbelästigung. Während Petroleum nach einer Weile verschlammt, ist dieses Alkanöl ist extrem lange – nahezu unbegrenzt – haltbar. Dieser Brennstoff von höchster Qualität schont außerdem die Geräte, in denen es verwendet wird.  Man sollte nur darauf achten, daß die Flaschen lichtundurchlässig sind. Solche Flaschen schützen den Inhalt vor dem zersetzenden Sonnenlicht. Das Alkan muß dann auch nicht in einem dunklen Raum untergebracht werden. Es ist meist in stapelfähigen Kartons abgepack und kann daher auch in einer Wohnung einigermaßen platzsparend auf Vorrat gehalten werden. Gerade für Stadtwohnungen sind Petroleumgeräte ideal. Wer möchte schon zentnerweise Brennholz in den 4. Stock schleppen und die Asche nachher wieder hinunter tragen? Das Alkan verbrennt vollständig und rückstandsfrei, schmutzt nicht und die leeren Flaschen gibt man in den Plastikmüll.

Petroleumofen Für den Fall eines Stromausfalls in einer Stadtwohnung ist ein Petroleumofen eine gute Lösung – bei einem durchaus bezahlbaren Preis. Aufbau und Bedienung sind unkompliziert. Im Gegensatz zu einer Campinggasheizung mit Parabolbrenner muß man keine schweren Metallkartouschen die Treppe hochschleppen, und beim Aufschrauben der Brenneinheit darauf achten, daß kein Gas austritt.  Der Petroleumofen ist auch weniger brandgefährlich, da der Brand in einem Spezialglaszylinder eingeschlossen stattfindet. So kann auch nicht ein zufällig am Ofen entlangstreifender Rock oder ein wehender Vorhang einfach in Brand geraten. Weiterer Vorteil: Die Petroleumöfen verfügen über eine automatische Abschaltung, wenn der Sauerstoffgehalt des Raumes eine Schwelle unterschreitet, die noch nicht gefährlich ist. So kann es nicht dazu kommen, daß die Menschen, die sich im Raum aufhalten, wegen Sauerstoffmangels in eine Ohnmacht gleiten und ersticken. Camping-Gasheizungen haben solche Sicherheitsmerkmale nicht. Sie sind für luftdurchlässige Zelte gedacht, nicht für geschlossene Räume. petroleumofen-1aHier ist ein Modell, auf dem man sogar auch noch kochen kann: Als Sicherheitsmerkmale verfügt auch dieser Ofen über eine automatische Notabschaltung, falls er zu heiß wird sowie eine Kipp- und Stoßsicherung. Natürlich auch über den beschriebenen CO2-Sensor, falls zu wenig Sauerstoff im Raum ist. Dann schaltet sich der Ofen automatisch aus – lange, bevor die Gefahr eines Sauerstoffmangels gegeben ist. In seinen Tank passen 4 Liter Brennstoff, was eine Betriebsdauer von 16-20 Stunden ermöglicht. Anhand eines Sichtfensters am Tank kann man den Füllstand prüfen. Als besonderes Plus bietet der Ofen auch die Möglichkeit, darauf zu kochen. Gerade, wenn es kalt ist draußen, wenn man mit Behelfsbeleuchtung arbeitet, wenn die Laune im Haus nicht die Beste ist gilt: Essen hält Leib und Leben zusammen. Mut und Zuversicht steigen beträchtlich mit einer warmen Mahlzeit in einem angenehm beheizten Raum. Wenn Sie Kinder haben, werden Sie sehr froh sein, daß sie keine jammernden, frierenden, verängstigten Kinder haben, die sich schlimm erkälten und das eiskalte Essen, was da ist, nicht anrühren wollen. Und die Bedienung ist, wie gesagt, leicht: Petroleum in den herausnehmbaren Brennstofftank einfüllen, einsetzen, auf den Starterknopf drücken – und der Ofen heizt. Diese Geräte brauchen keinen Kaminabzug und keinen besonderen Untergrund. Innerhalb von Minuten verbreitet er wohlige Wärme. In einer Stunde ist ein Raum von 40 Quadratmetern wohlig warm mit 23 °C. Einen Raum von bis zu 40 Quadratmetern wärmt dieser Ofen in einer Stunde auf angenehme 23 °C. Im Notfall und bei maximaler Einstellung kann man bis zu 120 Quadratmeter damit heizen. Der Ofen läuft geräuschfrei, wenn der Brenner richtig eingestellt ist. Damit ist der Ofen ein wirklich gutes, wirkungsvolles und sehr bequemes Gerät, mit dem man ganz einfach und sicher eine Wohnung im Winter und bei längerem Stromausfall wohlig warm beheizen kann.

Wer es eine Nummer kleiner haben will, und nur einen kleinen Raum beheizen will, bekommt für das halbe Geld auch einen kleineren Ofen. Diese Not-Heizung ist ideal für kleine Wohnungen oder als Ergänzung zu anderen Geräten, falls eine weitere Wärmequelle notwendig ist. Er wiegt nur fünf Kilogramm und kann daher mühelos in der Wohnung in verschiedene Räume getragen werden. Die Wärme wird durch den runden, nach allen Seiten freien Brenner gleichmäߟig in alle Richtungen abgegeben. Das kleine, aber leistungsstarke Gerät entwickelt genug Hitze, um einen kleinen Raum innerhalb weniger Minuten zu erwärmen – oder bei ungenügender Heizung die nötige Zusatzhitze zu erbringen. Die obere Platte kann zum Aufwärmen und Kochen von Speisen verwendet werden. Der Tank faßt 5,3 Liter. Bei einem Verbrauch von 0,25 Litern pro Stunde heizt er bei einer Tankfüllung etwa 20 Stunden. Der kleine Ofen hat eine Tankfüllstandanzeige und doppelte Tankwände.

Mit dem Alkan als Brennstoff lassen sich auch wunderbar Petroleumlampen befüllen, die ein warmes, gemütliches Licht verbreiten. Mit einer warmen Mahlzeit im Bauch in einem angenehm warmen Zimmer bei heimeliger Beleuchtung zusammenzusitzen, vielleicht endlich einmal wieder zusammen Mensch-ärgere Dich nicht zu spielen oder zu lesen, ist dann schon fast wieder romantisches  Abenteuer und so kann man die Zeit, bis der Strom wieder einsetzt, sehr kommod verbringen. Kerzen sind zwar auch als Beleuchtung möglich und sehr romantisch, sie haben aber den Nachteil weit weniger hell zu sein und die Brandgefahr bei Kerzen ist deutlich höher. Es gerät viel leichter etwas in die offene Flamme und fängt Feuer, als bei der Sturmlaterne, die durch ein feuerfestes Glas geschützt ist. Dennoch sollte man unbedingt auch Kerzen im Haus haben.

Diese einfache Petroleum-Sturmlaterne (Bild unten), der Klassiker unter den Petroleumlampen, den man sowohl zur Beleuchtung im Haus, aber auch draußen verwenden kann ist in verschiedenen VAriationen und von verschiedenen Herstellern für wenig Geld zu haben. Sie ist die uralte Version dieser Lampenart und nicht mehr zu verbessern. Die Lichtausbeute ist gut und in den kleinen Tank passen meist 150 ml Brennstoff. Damit kommt die Lampe etwa 20 Stunden aus. Und das reicht für drei bis vier Abende. Sie bietet eine sehr gute Lichtausbeute bei einfachster Bedienung. Die Lampen bekommt man für wenig Geld in fast jedem Baumarkt. Diese Laterne höchst robust, meist vernickelt oder lackiert und mit einem feuerfesten Glaszylinder ausgestattet. Man ist damit vollkommen unabhängig von Strom und Batterien, egal, wo man sich befindet. Nicht ohne Grund wird diese Lampe weltweit bei Militär, Hilfsorganisationen, an Baustellen und Sicherheitsvorkehrungen genutzt. Sie ist so gut wie unverwüstlich und sparsam im Verbrauch.

Es braucht also nicht allzuviel, um einen – vielleicht längeren – Stromausfall auch bei Kälte gut zu überstehen. Man muß nur vorausdenken und vorbereitet sein.

petroleumlampe

Die gute, alte Sturmlaterne. So, wie sie seit hundert Jahren in Gebrauch ist. Man bekommt sie für kleines GEld in Outdoorläden oder Baumärkten. Sie brennen mit Petroleum oder Alkan und verbreiten ein gemütliches, anheimelndes Licht.