Syrien: „Der Westen“ ist blamiert und die USA müssen draußen bleiben

22. Dezember 2016 von Niki Vogt
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21. Dezember 2016 (von Niki Vogt, Bild: Shutterstock, Luftschlag auf Kobane, Orlok) Während die deutsche Regierung sich moralisch echauffiert über sogenannte „Fake News“ und über neuen Gesetzen mit drakonischen Strafen für Falschmeldungen auf Sozialen Medien und Blogs brütet, erlebt sie als Verbündeter der USA und NATO-Mitglied gerade selbst ihr moralisches Waterloo.

Als sich abzeichnete, daß die Allianz von Rußland, Syrien, Türkei und Iran sich daranmachte, auch die letzten Terroristennester in Aleppo auszuheben, konnte man in den USA und in der EU das Aufkommen von Panik beobachten. Hinter wenig überzeugenden Anschuldigungen gegen die verbündeten Truppen der Allianz und pathetisch vorgetragener Besorgnis um die Zivilbevölkerung in Aleppo und Alarm wegen der sich verschlechternden, humanitären Lage, versteckte sich die Nervosität davor, daß herauskommen würde, was nun herausgekommen ist: Im letzten Bunker des IS in Aleppo, sozusagen in der „Wolfsschanze des islamistischen Terrors“ stießen syrische und russische Soldaten auf Militärs der NATO und Saudi Arabiens. Die Namen wurden heute bekanntgegeben.

Ein hektisches Treffen des UN-Sicherheitsrates am vergangenen Montag erbrachte nach Stunden die Resolution 2328, derzufolge die UN mit 100 Mitarbeitern, der syrischen Hilfsorganisation „Roter Halbmond“ und dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes für die Evakuierung Sorge tragen wird. Die Rettungsaktion der westlichen Terror-Söldner und ihrer NATO-Befehlshaber läuft also an.

Es sei nach den schweren Vorwürfen, die von der EU und den USA gegen Rußland erhoben wurden, daß die syrisch-russisch-türkisch-iranische Allianz in Aleppo eingeschlossene Zivilisten erbarmungslos bombardiere, ihnen die Flucht aus den umkämpften Stadtgebieten schwer mache und an der desaströsen, humanitären Lage und am Tode unzähliger Kinder schuld sei, nur am Rande angemerkt, daß die Vereinten Nationen in einer Pressemitteilung den Einsatz der Russen ausdrücklich lobten. Rußland habe, zusammen mit der syrischen Armee, über 100.000 Zivilisten, davon 40.000 Kinder geholfen, Ost-Aleppo unter ihrem Schutz zu verlassen. Rußland stellte dabei 78 Tonnen an humanitärer Hilfe zur Verfügung. Außerdem hat die russische Armee mehr als 31 Hektar der Stadt von Minen freigeräumt. Minen, die die Russen weder gelegt, noch an den IS geliefert hatte.

Nicht Rußland hat eine Evakuierung der Zivilisten unterbunden, sondern die Terroristen, die die Bewohner als Geiseln und Schutzschilde benutzten. Nach russischen Berichten waren die Einwohner Aleppos in den umkämpften Gebieten mit Schikanen, Folter und Hinrichtungen durch die Terroristen gequält worden.

Auf diesem Hintergrund erscheint die Gleichgültigkeit des Westens gegenüber diesen Grausamkeiten in der Zeit vor der Befreiung Aleppos erklärungsbedürftig. Die brennende Sorge des Westens erwachte erst, als die endgültige Einnahme Aleppos „unausweichlich“ wurde, und Söldner und westliche Offiziere ins Fadenkreuz gerieten.

Im Vorfeld der Einnahme der hart umkämpften, syrischen Großstadt wurde von vielen westlichen Medien der Vorwurf gegen die syrische Armee erhoben, Giftgas (Chlorgas) eingesetzt zu haben.Wie sich herausstellte, war der Bericht vom Einsatz von Giftgas zwar zutreffend, nur hatten die westlichen Medien ‚versehentlich‘ die Seiten verwechselt, wie das auch bei Bombardierungen durch US-Kampfflieger bisweilen vorkommt: Nicht die syrische Arme verwendete Giftgas gegen die Zivilbevölkerung von Aleppo, sondern die in Aleppo verschanzten Rebellen griffen mehrfach die syrische Armee mit Giftgas an, wobei auch Zivilisten verletzt und getötet wurden. Die Besorgnis der EU und der deutschen Regierung wegen des Überhandnehmens gefährlicher Falschmeldungen, die geeignet sind, großen Schaden anzurichten, ist also nicht unbegründet, wie sich hier zeigt.

14. 11. 2016: Rebellen haben am Sonntag Regierungstruppen mit Giftgas angegriffen, erklärte das Generalkommando der syrischen Armee. Der Angriff war eine Reaktion der Rebellen auf den Vormarsch der Regierungstruppen in Aleppo. Mindestens 28 Soldaten wurden verletzt. RT-Reporter Murat Gazdiew berichtet aus Aleppo vom Zwischenfall und besucht ein Krankenhaus, in dem die Soldaten behandelt werden.
Seit die Syrisch-russisch-türkisch-iranische Allianz die beiden großen Städte und „Kalifatsgebiete“ des IS, Mossul und Aleppo, zurückerobert haben, steht die Westliche Allianz blamiert da. Selbst in den Formulierungen normalerweise zurückhaltende, objektive Medien wie die Deutschen Wirtschaftsnachrichten titeln: „Wer in Syrien wirklich kämpft: Die schwarze Liste der Schande des Westens“.
Tatsächlich und ohne daß die westlichen Mainstreammedien das thematisierten, sind die mehr oder weniger bis gar nicht „moderaten Rebellen“ nichts anderes, als „Söldner-Trupps, die vom Westen und seinen Verbündeten finanziert werden. Ohne sie hätte es in Syrien keinen Krieg gegeben.“ schreiben die Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Die Aufzählung der verschiedenen Rebellen-Truppen, die in dem Beitrag zusammengestellt ist, sollte man sich archivieren. Dabei verwertet die DWN ausschließlich westliche Mainstream-Quellen, womit auch belegt ist, daß die Qualitätsmedien sehr wohl informiert sind, aber dennoch ein vollkommen anderes Bild von den Geschehnissen in Syrien zeichnen. Die lange Liste von Kämpfern wird durchweg von den Saudis, der CIA, Großbritannien, Der EU, Frankreich und auch Deutschland rekrutiert, ausgebildet, bewaffnet und finanziert. Einige erhalten sogar Panzerwaffen aus den USA.
Exkurs: An dieser Stelle sollten wir einen Moment innehalten und uns der historischen Worte unserer geliebten Kanzlerin Dr. Angela Merkel (CDU) in ihrer viel beachteten Rede beim Nachhaltigkeitsgipfel 2015 der Vereinten Nationen in New York zur Bekämpfung der Ursachen von Flucht und Vertreibung entsinnen. In beredten Worten rief unsere allseits geliebte Kanzlerin dazu auf, die Ursachen von Flucht und Vertreibung zu bekämpfen. Gewalt treibe Millionen Menschen ins Exil, rief sie den Zuhörern in New York zu. Und sie sprach: „Wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung ist und bleibt Frieden!“ und sie fuhr fort, Worte der Weisheit zu sprechen: „Millionen sehen sich zur Flucht gezwungen, durch Krieg und Vertreibung und auch durch mangelnde Zukunftsperspektiven und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage“, so Merkel. „Es gibt dafür nur eine Lösung: Wir müssen die Ursachen von Flucht und Vertreibung bekämpfen.“
Weiter zum oben genannten Artikel:

bush-und-blair

In einem offenen Brief an den Präsidenten des internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag schreibt Jürgen Todenhöfer unter anderem: „Der mit Unwahrheiten begründete Irakkrieg war laut damaligem UN-Generalsekretär Kofi Annan ‚illegal‘, also völkerrechtswidrig. (…) Auch das deutsche Bundesverwaltungsgericht hat den Irakkrieg daher 2005 als völkerrechtswidrig eingestuft. In diesem Angriffskrieg starben bis 2006 nach Angaben der unabhängigen amerikanischen Lancet-Studie 600.000 zivile Opfer. Das ebenfalls unabhängige britische Institut ORB ermittelte 2008, daß über eine Million Menschen ums Leben kamen. Eine Million wurde verletzt, fast fünf Millionen sind auf der Flucht. Ihr Leid und Tod dürfen nicht ungesühnt bleiben. Der internationale Strafgerichtshof muss sich daher der Frage stellen, ob er ein Weltgericht sein will, dessen Gesetze für alle gelten, oder nur ein Strafgericht des Westens gegen Nicht-Westler – ein Gericht der Mächtigen gegen die Schwächeren. (…) Eine junge Muslimin fragte mich dieser Tage, wieviel Hunderttausend unschuldiger Zivilisten ein westlicher Staatschef eigentlich ungestraft töten dürfe. Was soll man als Anhänger universaler Werte wie Menschenwürde und Gerechtigkeit auf diese Frage antworten?“ DVD, ca. 60 Minuten zzgl. Bonusmaterial. Interview mit Jürgen Todenhöfer und Michael Vogt

Zählt man die in dem Artikel angegebenen Mannstärken der vielen „Rebellengruppen“ zusammen, kommt man auf rund 160.000 hochtrainierter und vom Westen gut ausgebildeter Kämpfer, die bis an die Zähne bewaffnet sind und keinerlei Skrupel kennen.

Was nun mit dieser Armee an Terroristen und abgebrühten, verrohten Söldnern nach deren Niederlage geschehen soll, ist vollkommen ungewiß.
Interessant in diesem Zusammenhang ist: Der britische „Express“ berichtete bereits im August 2015 , daß britische Elitesoldaten des SAS als Dschihadisten verkleidet im Irak gegen den IS (damals ISIS) kämpften, während andere Kameraden vom SAS als Ausbilder die Kämpfer des IS trainierten und bewaffneten und mit den Islamisten zusammen kämpften. Darunter sind auch viele britische Staatsbürger muslimischen Glaubens, die radikalisiert wurden und in Syrien und im Irak beim IS kämpften. Die Elitesoldaten des SAS haben nun, da der Plan Syrien umzustürzen schiefgegangen ist und der IS geschlagen, die Aufgabe, zu verhindern, daß die hyper-radikalisierten, britischen Islamististen wieder nach Hause auf die Insel kommen. Sie sollen noch im Nahen Osten vom SAS eliminiert werden. Derselbe MI5 und MI6, der diese Schlächter ausgebildet und bewaffnet hat, schickt nun den SAS, der sie vor Ort trainiert hat, um sie abzuknallen. Auch das berichtet der britische „Express“.
Rußland, die Türkei und der Iran haben nun beschlossen, den Konflikt in Syrien zu befrieden und als Garantiemächte aufzutreten. Man will auch mit der echten, syrischen Opposition und Assad an einem Tisch dafür sorgen, daß die Waffen niedergelegt werden und das Land nach den grausamen Kriegsjahren wieder Frieden findet. Dabei wird die USA explizit ausgeschlossen. Der Westen wird nicht mit an den Verhandlungen und Übereinkünften teilnehmen. Er wird nicht einmal gefragt oder berücksichtigt. Das ist nicht weniger als der politische Bankrott der USA als Weltmacht. Man macht eindeutig klar, daß man alle weitere Unterstützung für die Terror-Söldnerarmeen abschneiden werde, und damit ist eindeutig die Terrorfinanzierung des „Westens“ gemeint.
Die USA, die EU und ihre Verbündeten sind bloßgestellt und haben ihren Einfluß in dieser wichtigen, vor allem energiepolitischen, Region verloren. Daß Merkel und Obama jetzt noch schnell neue Sankionen gegen Rußland verhängen, macht die Situation nur noch peinlicher. Die Welt sieht nun bei klarem Tageslicht und nachdem sich der Staub des Schlachtfeldes legt, daß die EU im Gefolge der USA die Verantwortung für die ganze Tragödie im Nahen Osten trägt. Und nun darf es endlich offen gesagt werden, weil bewiesen ist, was gestern noch Russenpropaganda und oberflächlicher Antiamerikanismus war: Prof. Günter Meyer, der Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, redet in einem Interview auf ZDF Heute Klartext:
„Die Welt hat in Syrien sehr vieles falsch gemacht, aber wir müssen auch sagen, wer was falsch gemacht hat: Und hier liegt die Hauptverantwortung bei den USA. Nach Aussagen des ehemaligen Oberkommandeurs der NATO, General Wesley Clark, begann die US-Regierung bereits unmittelbar nach den Terrorschlägen am 11. September 2001 mit den Planungen des Regimewechsels in sieben Ländern, die von den USA als Gegner angesehen wurden, darunter Irak, Libyen und auch Syrien. Um dort dieses Ziel zu erreichen, haben die USA seit 2005 die Rahmenbedingungen geschaffen. Dazu gehörte neben zahllosen medialen Propagandaaktionen gegen das Assad-Regime die Finanzierung und Ausbildung einer Armee von Terroristen gemeinsam mit Israel und Saudi-Arabien. Diese Truppen sollten für den Sturz der Regierungen in Damaskus und Teheran eingesetzt werden, wie der renommierte Journalist Seymour Hersh 2007 aufdeckte. […] Der Westen, also insbesondere die USA, hat die aufständischen Dschihadisten mit Waffen versorgt und teilweise auch ausgebildet. Die materielle und personelle Logistik wurde vor allem von der Türkei abgewickelt, während die finanzielle Unterstützung zum größten Teil aus Saudi-Arabien und Katar kam. Saudi-Arabien hat dabei salafistische Extremisten gefördert, um in Syrien eine radikal-islamistische Regierung zu etablieren. Hier war die Eroberung von Aleppo 2012 für die Dschihadisten ein wichtiger Schritt.“
Auf die fast schon flehentliche Frage des „Heute“-Redakteurs „Mal abgesehen von den USA: Was muß sich Rußland an der Situation in Aleppo vorwerfen lassen?“, erwidert Prof. Günter Meyer: „Ohne die militärische Intervention Rußlands im September 2015 wäre inzwischen nicht nur Aleppo komplett von den Dschihadisten erobert worden. Auch das Assad-Regime wäre längst zusammengebrochen. Damit hätten die Assad-Gegner unter Führung der USA ihr Ziel des Regimewechsels zwar erreicht, die Macht hätten jedoch die stärksten militärischen Kräfte an sich gerissen. Und das wären die islamistischen Extremisten, wie die zum Al-Kaida-Netzwerk gehörende Nusra-Front und der von der internationalen Allianz unter US-Führung bekämpfte Islamische Staat (IS). Wem, wie israelische Politiker erklärten, eine solche Terrorherrschaft lieber ist als das Assad-Regime, der kann Putin vorwerfen, daß er dies verhindert hat.“
Für uns Alternative Medien ist das alles nicht neu. Was aber vor wenigen Wochen noch als „krude Verschwörungstheorie“ und russische Propaganda von Putin-Trollen abgekanzelt worden wäre, darf nun plötzlich als „unbequeme Wahrheit“ offenbar gesagt werden. Sogar im Mainstream. Einmaliger Ausreißer in einer kurzen Phase der Desorientierung – oder tatsächlich das langsame Dämmern von Einsicht?
Oder könnte es sein, daß man nach der Bestätigung Trumps durch die Wahlmänner (wieder einmal entgegen aller Voraussagen von „Experten“) die Fähnchen langsam und quietschend in den Wind zu drehen beginnt?