Schneller, als die Polizei erlaubt: Vorverurteilung im ZDF

20. Februar 2017 von QUERDENKEN-REDAKTION
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20. Februar 2017 (Redaktion, Artikelbild: Kim-Jong Nam und Kim-Jong Un, Montage aus User P388388 on Wikimedia Commons und Hyundai News Wikipedia ) Kim-Jong Nam, der älteste Halbbruder von Nordkoreas Staatsoberhaupt Kim-Jong Un bricht auf dem Flughafen von Kuala Lumpur, Malaysia, zusammen. Ihm ist schwindelig, auf dem Weg ins Krankenhaus stirbt der 46jährige. Eine Überwachungskamera soll Aufnahmen von zwei Frauen gemacht haben, die Kim-Jong Nam angegriffen haben. Aufnahmen von dem Angriff selbst sind bisher nicht in den Medien zu sehen. Die Darstellungen reichen von einer Spritze oder einem befeuchteten Taschentuch auf’s Gesicht bis zu einem direkten Besprühen des Gesichtes des Opfers. Die Polizei vermutet, bei der Flüssigkeit könne es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Gift gehandelt haben. Trotz einer Obduktion ist bisher jedoch noch kein Nachweis für eine giftige Substanz erbracht worden. Das Problem, bei einer Obduktion Gift zu entdecken liegt allerdings immer darin, daß man nur nachweisen kann, was man auch mit spezifischen Methoden und Reagenzien gezielt sucht. Weitere Untersuchungen und Analysen können also durchaus noch die Anwendung eines Giftes beweisen.

Wenige Tage nach dem Tode Kim-Jong Nams präsentierte die Malaysische Polizei die beiden festgenommenen Frauen, die aussagten, sie hätten die ganze Aktion für einen Streich gehalten. Eine dritte Person, ein Mann, der mit den beiden Frauen in Verbindung steht, soll ebenfalls verhaftet worden sein. Die beiden Frauen haben angegeben, sich vorher nicht gekannt zu haben. Eine der beiden ist Vietnamesin, die andere hat einen indonesischen Paß. Ein vierter verhafteter Mann habe Papiere als malaysischer Gastarbeiter bei sich gehabt, soll aber sehr wahrscheinlich ein Nordkoreaner sein. Eine der Frauen soll nach Informationen der malaysischen Behörden ausgesagt haben, tatsächlich an einen Streich geglaubt zu haben, der in einer „versteckte Kamera“-Sendung ausgestralt werden sollte. Nach Darstellung ist malaysischen Behörden ist diese Behauptung der Frau sogar glaubwürdig, da die Videoaufzeichnungen keinerlei Vorsichtsmaßnahmen und keine anschließende Flucht zeigen.

Südkorea beschuldigt nun Nordkorea, hinter diesem mutmaßlichen Giftanschlag zu stecken. Es gibt bisher zwar weder Beweise für einen Giftanschlag noch dafür, daß es Nordkorea war – beziehungsweise dessen Geheimdienst – da der nordkoreanische Herrscher Kim-Jong Un allerdings schon einen Onkel und diverse enge Vertraute hat töten lassen, spricht einiges dafür, daß er auch hinter diesem Todesfall seines Halbbruders stecken könnte.

Malaysia möchte vorsichtigerweise noch keine Aussagen zu dem Vorfall machen, sondern weist nur daraufhin, daß weitere Untersuchungen angestellt werden müssen, um einen Giftmord zu beweisen und ob die beiden Frauen diesen tatsächlich begangen haben. In der Tat wäre es denkbar, daß der „Versteckte-Kamera-Scherz“ nur eine Aufführung für die Überwachungsvideos war, und die Giftbeibringung unbemerkt danach stattfand. Es ist allerdings auch immer noch möglich, daß die erste Diagnose, ein Herzinfarkt, zutreffend ist. Von dieser Erstdiagnose erfahren wir in den Medien nichts, sie kommt nur zufällig und nebenbei in einer Stellungnahme des nordkoreanischen Botschafters Kang Chol vor der Kamera an die Öffentlichkeit. In diesem Bericht des ZDFs bei Minute 01:56.

Der Korrespondent des ZDFs in Macau/China, Thomas Reichart, wußte dagegen schon Stunden nach dem Tod Kim-Jong Nams, daß es der nordkoreanische Machthaber Kim-Jong Un gewesen war, der seinen Halbbruder „hinrichten“ ließ. Eine Hinrichtung und ein Mord sind zwei verschiedene Sachverhalte. Einer Hinrichtung geht eine Verhaftung voraus und eine offizielle Verurteilung zum Tode, die dann vollstreckt wird, ob dies nun gerecht und legal ist, oder nicht. Es kann hier also nur um einen Mord gehen. Die Täterschaft Kim-Jong Uns äußerte Herr Reichart nicht als Verdacht, sondern als Fakt:

In einer langen Reihe von Hinrichtungen ist Kim Jong Nam bislang das letzte Opfer. Seine Ermordung in Malaysia zeigt zwei Dinge: erstens, mit welcher Brutalität sein Halbbruder Kim Jong Un die Herrschaft in Pjöngjang absichert und wie wenig Einfluß China noch auf Nordkorea hat, obwohl das Land wirtschaftlich eigentlich völlig abhängig ist von Peking.

Entweder verfügt Herr Reichart in Macau über Quellen und Informationen, die die malaysischen Behörden und die Polizei nicht haben, dann sollte er die immer noch ermittelnde, malaysischen Polizei darüber informieren, oder wir erleben hier wieder einmal eine der unbelegten Behauptungen im Stil von „Assads Giftgaseinsätzen gegen das eigene Volk“.

Der Beitrag vom 16. Februar hierzu ist auf der Webseite des ZDF verschwunden, der alte Link hierzu leider nicht mehr zu öffnen. Sucht man auf der ZDF-Webseite nach einem Beitrag über den Mord an Kim-Jong Nam erscheint nur noch dieser neuere Beitrag, in dem korrekt berichtet wird.