Portrait Călin Georgescu: Kandidat für das Amt des rumänischen Premierministers – neue Hoffnung für Rumänien (Teil 3/3)

8. November 2016 von QUERDENKEN-REDAKTION
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08. November 2016 (Redaktion) Fortsetzung des Interviews mit dem Premierministerkandidaten Călin Georgescu, dessen erster Teil hier zu lesen ist, der zweite hier. Die nun in Rumänien bald anstehenden Neuwahlen fordern von der Politik eine überzeugende Antwort auf die Proteste im Volk gegen die überbordende Korruption. Man wird einen echten Neuanfang wagen müssen und ein entschiedenes Einschreiten gegen die Seuche der Korruption zeigen, wenn man wieder Vertrauen im Volk schaffen will. Vor diesem Hintergrund haben sich verschiedene Parteien an einen Mann gewandt, dem sie zutrauen, die Visionen, die er schon in einem Papier ausgearbeitet hat, das er „Die Nachhaltigkeits-Revolution“ („LANDESPROJEKT Nahrungsmittel, Wasser, Energie – Die rumänische Nachhaltigkeitsrevolution“) genannt hat, umzusetzen. Einer der wichtigsten Punkte dabei ist der Kampf gegen die Korruption. Die zweite Säule ist die ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Die Wahl ist am 11. Dezember. Der Mann: Călin Georgescu.

c-lin-georgescuCălin Georgescu ist ein hochgebildeter Mann mit Erfahrung in der Politik, auf dem internationalen Parkett und in der UN. Zur Zeit bekleidet er den Posten des Executive Director (geschäftsführender Direktor) des United Nations Global Sustainable Index Institute in Genf/Vaduz. Er ist Doktor der Philosophie und der Agrarwissenschaften, sammelte darin Erfahrungen im Vereinigten Königreich und in den USA. Er hat sich einen internationalen Namen als Berater in Umweltfragen gemacht. Bereits davor,  am „Nationalen Zentrum für nachhaltige Entwicklung“ in Budapest bekleidete er von 2000 bis 2013 die Stelle des Geschäftsführers. Er erwarb sich den Ruf einer Autorität auf dem Gebiet der strategischen Planung und des Neuentwurfs der öffentlichen Ordnung, so, daß er 1999 und 2008 von der Rumänischen Regierung damit betraut wurde, die Entwicklung zweier aufeinander aufbauenden Versionen der nationalen Nachhaltigkeits-Entwicklungs-Strategien in Übereinstimmung mit den EU-vorgaben zu koordinieren.

Fortsetzung des Interviews:

Zitat: „Den Angestellten die Übernahme des Eigentums eines privaten, von den Inhabern zum Zwecke der Erzielung ungerechter Vorteile ins Bankrott gestürzten Unternehmens zu ermöglichen.
“ Möchten Sie Unternehmen im Arbeiterbesitz erschaffen?

Eine ideale Gesellschaft ist die, in welcher die gewöhnlichen Menschen den Besitz der sie beschäftigenden Unternehmen teilen. Unmittelbares Eigentum führt zur Verantwortung und schließt die Korruption aus. Der Kapitalismus ist für die Kapitalschöpfung gut, jedoch will er nicht zu viele Kapitalisten erschaffen. Beim dem Distributismus handelt es sich vollumfänglich um das geteilte Eigentum, um geteilte Gewinne und um geteilte Information. Der Distributismus ist das einzige wirtschaftliche Modell, welches einen tatsächlich freien Markt fördert, und wir müssen neue Wege finden, um sich im Besitz der Angestellten befindende Unternehmen, Genossenschaften, Kreditgenossenschaften usw. zu finanzieren. Ermutigen Sozialismus und Kapitalismus eine Kultur der Knechtschaft, entwickelt der Distributismus eine Kultur der Partnerschaft und der persönlichen Würde. Eine derartige Kultur steht auch im krassen Gegensatz zu der Top-Down Unternehmenskultur.

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Die Perle der Moldau-Klöster: Kloster Sihastria Putnei in Rumänien

 

Sie schreiben: „Die Jugendlichen und die Menschen im Alter zwischen 50 bis 65 Jahren, welche sich für einen Umzug in ein entvölkertes Dorf entscheiden und den Beweis der Entwicklung einer Produktionstätigkeit erbringen, werden auf die Dauer von 10 Jahren von der Zahlung sämtlicher Staatsschulden befreit.“ Wie ist es um die Neubesiedelung entvölkerter Dörfer bestellt?

Die Familie und die Jugendlichen haben absoluten Vorrang. Die Familie ist die Säule der Gesellschaft. Die Familie ist das nationale Gewissen, sie erbaut den Altar für ein würdiges und heiliges Leben. Die Jugend verdient den ersten Platz.

 

Sie sagen: „Die Verbesserung der demographischen Lage, welche eine Tendenz zur Katastrophe aufweist, ist ebenfalls zwingend erforderlich, ihr Ansatz sollte ein Langzeitnationalprogramm einschließen.“ Welche sind die Ursachen dieses Problems und wie kann es gelöst werden?

Der Staat wird bestohlen, wenn jemand die Intelligenz der Menschen stiehlt. Die Gesellschaft konzentriert sich nur auf den Verbrauch und der Staat wurde durch die Körperschaften ersetzt. Über 4 Millionen Rumänen haben das Land verlassen, da es ihnen keine Arbeitsplätze mehr anbietet, weil es unter der Belagerung der Körperschaften lebt. Rumänien wurde noch vor der wirtschaftlichen Zerstörung biologisch dezimiert.

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Der Innenhof des Klosters Negru Voda, Campulung, Rumänien

 

Zitat: „Die im Ausland lebenden Rumänen, welche sich für eine Rückkehr in das Vaterland entscheiden, werden sich der finanziellen Unterstützung und der Vergünstigungen erfreuen, um ein Geschäft auf die Beine zu stellen.
” Denken Sie, es werden viele Rumänen in Ihr Land zurückkehren?

Natürlich. Wenn man die Flagge der Würde und der nationalen Souveränität wehen sieht, wird jedermann zu seinen Wurzeln zurückkehren wollen.

 

Welchen Wert hat für Sie der Nationalstaat in einer globalisierten Welt?

Ich bin gegen die Globalisierung der Wirtschaft mittels Radierung der nationalen wirtschaftlichen Grenzen durch freien Handel, freie Beweglichkeit des Kapitals und unkontrollierte Einwanderung. Wenn die Nationen keine Kontrolle über ihre Grenzen haben, sind sie in einer schwachen Stellung, um internationale Verträge durchzusetzen, einschließlich der Umweltschutzverträge. Das Modell der internationalen Gemeinschaft, auf welches sich die Bretton-Woods-Institutionen stützen, ist das Modell der nationalen Gemeinschaften, welche zusammenarbeiten, um globale Probleme gemäß dem Subsidiaritätsgrundsatz zu lösen. Der Globalismus schwächt die Macht der nationalen und lokalen Gemeinschaften, wobei er die Macht länderübergreifender Körperschaften stärkt.

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Weite, fast unberührte Landschaften. Rumänien ist nur dünn besiedelt und ein sonniges, fruchtbares Land voller NAturschätze. die es vorsichtig zu nutzen und zu bewahren gilt.

 

Was denken Sie von der Europäischen Union?

Sie ist eine Fiktion. Die EU ist bereits Geschichte. Sie überlebt noch in einem Zombiezustand.

 

Sie schreiben: „Es ist für unser Land unverzichtbar, seinen wohlbekannten Aktivismus im Rahmen internationaler Regierungs- oder Nichtregierungsorganisationen, vor allem aus dem UN-System, wieder aufzunehmen.“ Was meinen Sie mit dem UN-System und wie wollen Sie Rumänien die Macht wiedergeben?

Die UN wurde erschaffen, um eigentlich vor der Friedenserhaltung die Friedensstiftung zu sichern. Das internationale System sollte dies verstehen: die Liebe ist die Beziehung zwischen uns und den Völkern der Welt. Um die Welt wird es ohne Kriege und Konflikte besser bestellt sein. Es liegt in unserem Gewissen, eines jeden von uns, diese positive Welle zu übertragen.

Übersetzung des Interviews: Edmond Nawrotzky-Török

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Ein abgelegenes Dorf in Rumänien. Die Menschen haben nicht viel, aber ein funktionierendes Dorfleben, Ruhe und Natur. Leider mußten viele Rumänen auf der Suche nach Arbeit und Einkommen das Land verlassen. Vier Millionen Rumänen wanderten aus. Ein schmerzhafter Aderlaß für ein Volk von nur 20 Millionen Einwohnern. Das Kaputtwirtschaften und die Korruption haben dem Land schwer zugesetzt.