Portrait Călin Georgescu: Kandidat für das Amt des rumänischen Premierminister – neue Hoffnung für Rumänien (Teil 1/3)

6. November 2016 von QUERDENKEN-REDAKTION
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06. November 2016 (Redaktion) Rumänien ist kein kleines Land. Mit etwa 250.000 Quadratkilometern hat es zwei Drittel der Fläche Deutschlands. Mit nicht ganz 20 Millionen Einwohnern ist es aber sehr dünn besiedelt. Wir hören hier nicht viel von diesem eher bäuerlich geprägten Land im Südosten Europas. Seit dem 01. Januar 2007 ist es Mitglied der Europäischen Union. Der Normaldeutsche weiß vielleicht, daß es dort berühmte Kloster gibt und die berühmten, wilden Karpaten, in denen einst der sagenumwobene Fürst Vlad Dracul lebte, den der Schriftsteller Bram Stoker in seinem schaurigen Roman „Dracula“ zum blutrünstigen Vampirfürsten Dracula machte.

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Die Altstadt von Sibiu in Siebenbürgenm Rumänien

Dabei ist Rumänien sonnendurchflutet und wunderschön. Die Moldaukloster, die Kirchenburgen aus Siebenbürgen und die alten Holzkirchen aus Maramures zeugen von dem tiefen, christlichen Glauben der Rumänen. Die mittelalterlichen Städte Sibiu, das deutsch geprägte Hermannstadt, Sighisoara/Schäßburg oder Brasov/Kronstadt, zeugen noch von einer lebhaften, blühenden deutschen Kultur der Siebenbürger Sachsen. Es gibt viele deutschstämmige Rumänen dort. Die wunderschönen Barockstädte Timisoara/Temeschwar und Cluj Napoca/Klausenburg ziehen heute bereits wieder viele Touristen an. Die Kloster in Nord-Oltenien, oder die Hauptstadt Bucuresti/Bukarest sind Menschheits-Kultur-Erbe.

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Eine der alten Holzkirchen in Cucuceni, Siebenbürgen Rumänien

Doch, so schön das Land auch ist, es gärt und kriselt in Rumänien, und das Volk ist unzufrieden. Der 2014 ins Amt gewählte Präsident Klaus Johannis brachte Aufbruchstimmung ins Land. Er wollte Rumänien in eine Zukunft als modernes, aufstrebendes, europäisches Land führen. Doch er war zu zurückhaltend und es änderte sich im Grunde nichts. Die Begeisterung ist längst verflogen. Rumänien leidet weiter am Parteienklüngel und ächzt unter der alles erstickenden Korruption im Lande.  Das Volk murrt, und die Nomenklatura mauert. Trotz zahlloser Korruptionsskandale, strafrechtlicher Ermittlungen und wütender Proteste der Öffentlichkeit, wurden dennoch die alten Kader wie Bürgermeister, Kreisratsvorsitzende und Parlamentarier wieder in die alten Posten installiert. Im November 2015 mußte der Ministerpräsident Victor Ponta und sein gesamtes Kabinett wegen schwerer Korruptionsvorwürfe zurücktreten.

Doch es gibt auch Nachdenklichkeit in der Politik. Die nun bald anstehenden Neuwahlen fordern von der Politik eine überzeugende Antwort auf die Proteste im Volk. Man wird einen echten Neuanfang wagen müssen und ein entschiedenes Einschreiten gegen die Seuche der Korruption zeigen, wenn man wieder Vertrauen im Volk schaffen will. Vor diesem Hintergrund haben sich verschiedene Parteien an einen Mann gewandt, dem sie zutrauen, die Visionen, die er schon in einem Papier ausgearbeitet hat, das er „Die Nachhaltigkeits-Revolution“ („LANDESPROJEKT Nahrungsmittel, Wasser, Energie – Die rumänische Nachhaltigkeitsrevolution“) genannt hat, umzusetzen. Einer der wichtigsten Punkte dabei ist der Kampf gegen die Korruption. Die zweite Säule ist die ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Die Wahl ist am 11. Dezember. Der Mann und Kandidat für das Amt des Premierministers: Călin Georgescu.

c-lin-georgescuCălin Georgescu ist ein hochgebildeter Mann mit Erfahrung in der Politik, auf dem internationalen Parkett und in der UN. Zur Zeit bekleidet er den Posten des Executive Director (geschäftsführender Direktor) des United Nations Global Sustainable Index Institute in Genf/Vaduz. Er ist Doktor der Philosophie und der Agrarwissenschaften, sammelte darin Erfahrungen im Vereinigten Königreich und in den USA. Er hat sich einen internationalen Namen als Berater in Umweltfragen gemacht. Bereits davor,  am „Nationalen Zentrum für nachhaltige Entwicklung“ in Budapest bekleidete er von 2000 bis 2013 die Stelle des Geschäftsführers. Er erwarb sich den Ruf einer Autorität auf dem Gebiet der strategischen Planung und des Neuentwurfs der öffentlichen Ordnung, so, daß er 1999 und 2008 von der Rumänischen Regierung damit betraut wurde, die Entwicklung zweier aufeinander aufbauenden Versionen der nationalen Nachhaltigkeits-Entwicklungs-Strategien in Übereinstimmung mit den EU-vorgaben zu koordinieren.

Călin Georgescu ist Autor vieler Bücher, die sich hauptsächlich mit der Entwicklung Rumäniens und dem Wohlergehen des rumänischen Volkes beschäftigen, sowohl aus gesellschaftlicger und  staatsphilosophischer, als auch aus ökologischer und ökonomischer Sicht. Georgescu vereint Wissen und Können, das ihm die Eignung für das Amt des Präsidenten in einer kritischen Zeit verleiht, denken diejenigen, die ihn um seine Kandidatur gebeten haben. Seine exzellente Bildung, seine Liebe zu seinem Land, seine Sorge um das Volk und sein Wohlergehen einerseits, aber auch seine erworbenen praktischen Kenntnisse, was Prinzipien und praktische Erfahrungen in der Entwicklung einer nachhaltigen, ökologischen Volkswirtschaft betrifft. Er arbeitete direkt und sehr erfolgreich in und mit Gemeinden und Kommunen in Rumänien.

Michael Friedrich Vogt hatte die Ehre und Gelegenheit, ein Interview mit ihm zu führen, das in dieser Woche ausgestrahlt werden wird.

Vorerst möchten wir einige Auszüge aus einem schriftlichen Interview mit Călin Georgescu veröffentlichen.

In Ihrer Erklärung „LANDESPROJEKT Nahrungsmittel, Wasser, Energie – Die rumänische Nachhaltigkeitsrevolution“ schreiben Sie: „Dieses Ziel kann in dem von dem aktuellen, nichtnachhaltigen wirtschaftlichen und sozialen System gebotenen Rahmen nicht erreicht werden, da es das Land in eine Ruine verwandelt hat.“ Glauben Sie, Sie können das aktuelle System überwinden? Wir müssen verstehen: die rumänische Wirtschaft ist keine Ausnahme von der Regel. Sie ist nur eine rohe, unfeine Form von Vetternwirtschaft, die überall in der Welt von dem Neoliberalismus aufgezwungen wird. Sie kann nicht auf eine Weise reformiert werden, die die Wirtschaft mit Freiheit und Moralität unter einen Hut bringt. Der einzige Ausweg ist der völlige Verzicht auf das neoliberale Modell. Dies setzt eine radikale und grundlegende Änderung der Art und Weise voraus, auf welche wir unsere täglichen Geschäfte führen, sowie eine vollständige Umgestaltung unserer Institutionen. Ohne eine Änderung des Wirtschaftssystems wird es unmöglich sein, das politische System zu reformieren.

Was für ein politisches System möchten Sie für Rumänien? Ich denke, wir müssen nicht unbedingt nach einem gewissen politischen System suchen, sondern nach einem neuen Weg dessen, wie wir das Leben verstehen. Aktuell leben wir in überkomplizierten, nicht-nachhaltigen Gesellschaften und wir versuchen, auf diese Überkomplexität zu antworten, indem wir die Probleme noch mehr komplizieren (mehr Bürokratie, mehr Industriewachstum, teurere Techniken usw.) Das könnte für den Augenblick einige Probleme lösen, ist jedoch auf Dauer ein Unheilrezept. Daher ist die Lösung für Rumänien auf seiner Suche nach einem System, genauso für die gesamte Welt, eine Rückkehr zur Einfachheit – Wohlstand durch Schlichtheit, das in einem einfachen System einfach ist. Dies ist keine Utopie. Zum Beispiel bietet der Distributismus ein auf Einfachheit beruhendes, konkretes wirtschaftliches Modell. So wie ich das verstehe ist der Distributismus ein soziales und wirtschaftliches System, welches Sekundärwert oder Mehrwert mit Mindestverbrauch schafft, regelt und vertreibt. Die neoliberalen Wirtschaften beruhendie – und Plünderung und der Invasion in die Natur und ihr Ideal ist der Höchstgewinn ohne jedwelche Verantwortung. Anders als der Neoliberalismus ist der Distributismus eine angemessen skalierte Wirtschaft, welche für das lokale Ökosystem und für die lokale menschliche Gemeinschaft die kleinstmöglichste Störung verursacht. Zugleich ist er darum bemüht, eine Gesellschaft von Eigentümern durch die Erhaltung der wirtschaftlichen Demokratie und des Privateigentumrechtes aufzubauen.

Welche spezifischen Lösungen beinhaltet Ihre Nachhaltigkeitsrevolution? Die Schlüsselaufgabe ist es, in die lokale Wirtschaft zu investieren und die natürlichen Ressourcen des Landes vollumfänglich zu schützen. Den Staat erneut zu verstaatlichen und das rumänische Kapital zurückzubringen. Die Rekapitalisierung der Armen, der Bauern, der Kleinunternehmer, des Dorfes und der Stadt als ein grundlegender Teil der Nationsentwicklung. Die Rückverlagerung der Wirtschaft. Die erneute Moralisierung der Gesellschaft und der Märkte. (Es gibt keine sogenannte „Marktgesellschaft“, es gibt nur eine Marktwirtschaft). Die Sicherung der Staatskontrolle mittels einer anderen gesellschaftlichen Macht oder Elite als die, welche aktuell die Kontrolle unserer Institutionen innehat. Wie können wir eine Nachhaltigkeitsrevolution haben, ohne die alten Eliten zu ersetzen? Die heutigen Eliten sind sie selbst der wahre Feind des Nationalstaates. Der neoliberale Staat ist nur ihr Instrument. Die Konzentration des Kapitals an der Spitze, welche von dem unterwürfigen, neoliberalen Staat gefördert wird, bietet sehr wenig Raum für kommunale Investitionen, für die Verteilung des Vermögens und des Unternehmungsgeistes in den verschiedenen, einer Nation angehörenden Gemeinschaften.

 

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Die Altstadt von Oradea, Rumänien

Sie schreiben: „Das neue Kabinett sollte unbestechlich und ein persönliches Beispiel von Moralität, Aufopferung und Patriotismus sein.“ Wie wichtig ist Patriotismus für Sie? Würden Sie Patriotismus auf eine ethnische Weise oder auf eine juristische Weise der Staatsangehörigkeit definieren? Ich verwende Patriotismus als ein Synonym für Nationalismus. Die Menschen von heute sind politisch zu korrekt, um den Begriff Nationalismus zu gebrauchen. Daher verwenden sie stattdessen den Begriff „Patriotismus“. Ich bin politisch nicht korrekt und ein freier Mensch. Also müssen wir den Nationalismus wirklich richtig definieren. Der Nationalismus hat nichts Extremistisches an sich. Grundsätzlich bedeutet Nationalismus den Schutz des nationalen Interesses. Es gibt Länder in der Welt wie Rumänien wo der Staat das nationale Interesse nicht mehr schützt. Für mich sind das „gescheiterte Staaten“, selbst wenn die staatlichen Institutionen noch funktionieren. Ich stelle mir einen neuen Nationalismus vor, welcher die besten Eigenschaften des ethnischen, staatsbürgerlichen und wirtschaftlichen Nationalismus harmonisch integrieren sollte. Eine Art von wohlanständigem Nationalismus, so wie das von Petre Țuțea, einem berühmten rumänischen Denker, bezeichnet wurde. So ein Nationalismus sollte im Sinne nationaler Identität und nationaler Interessen und nicht im Sinne von natürlichen Rechten oder Menschenrechten oder im Sinne der Interessen einer fiktiven „globalen Gemeinschaft“ definiert werden.

Wie sehen Sie die fortwährende Masseneinwanderung nach Europa? Meinen Sie, es gibt Zusammenhänge zwischen dem globalen Kapitalismus und der Migration? Die aktuelle Einwanderungskrise in Europa ist nichts als eine grobe Manipulation, eine niemals endende Spiegelfechterei auf der offenen Szene der versklavten Gesellschaften. Die zur Unterkunftsstellung Gezwungenen werden verletzt, genau wie die Unterkunftssuchenden, nachdem sie ihre Heime verlassen, um sich im Westen wieder anzusiedeln. Gesellschaften sind flüssige Gebilde, aber letzten Endes kann man nie Wasser mit Öl vermischen …

Der globale Kapitalismus ist ein kräftiger Unterstützer der Migration, im Namen der globalen Wirtschaftsintegration. Globalisten wie George Soros fördern die Vermischung der Nationen und Völker in eine globale homogene Gesellschaft mittels Duldung der Masseneinwanderung, Aufzwingung des „Multikulturalismus“ in den Lehrplänen und des niemals endenden Kreuzzuges gegen „Rassismus“, „Homophobie“, „Xenophobie“ und „Chauvinismus“. Die Frage ist: was sind die Langzeitauswirkungen der Einwanderung auf unsere kulturelle Identität, einschließlich unserer wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Kultur? Und auch: welche Schritte müssen wir jetzt unternehmen? Die Einwanderung von Menschen, derer kultureller, aber auch wirtschaftlicher Hintergrund ihre Integration in die europäische Kernkultur sehr erschwert, sollte keineswegs erlaubt, geschweige denn ermutigt werden. Um klar zu sein: ich rede hier nicht von einer gewissen Religion, sondern beziehe mich schlicht und einfach auf Menschen, denen wir nichts bieten und von denen wir nichts bekommen können, grundsätzlich auf nichteuropäische Migranten. Die derzeitigen Grenzkontrollen sollten streng durchgesetzt werden und den sich bereits hier befindenden illegalen Einwanderern sollte zur Kenntnis gebracht werden, unabhängig dessen, was ihnen von denen gesagt wird, die sie anregen oder ihnen sogar helfen, nach Europa zu kommen: Letzendlich wird man sie ergreifen und aus unserem Staatsgebiet beseitigen, wobei es für sie und ihre Familien ernsthafte Folgen geben wird. Wir sollten der unsinnigen Lockerheit der letzten Jahrzehnte (z.B.: „Familienzusammenführung“, „Regulierung“) einen Riegel vorschieben und gegenüber illegale Einwanderer einstellenden Arbeitgebern gnadenlos verfahren. Sie sollten strafrechtlich verfolgt und streng bestraft werden (man sollte ihnen also nicht bloß symbolische Geldstrafen auferlegen). Warum brauchen sie illegale Einwanderer anzustellen, wo doch die Jugendarbeitslosigkeit, besonders in Westeuropa, so hoch ist? Warum müssen sie so viel Geld verdienen, indem sie den illegalen Einwanderern Niedriglöhne zahlen? Und für den jungen, arbeitslosen Europäer – was ist schlimmer, etwas für wenig Geld zu arbeiten, oder keine Arbeit und kein Geld zu haben? Jeder denkt an diese Lösungen, aber keiner hat den Mut, sie durchzusetzen.

Sie schreiben: „Rumänien ist noch ein energieverbrauchendes Land“. Möchten Sie sich auf die wirtschaftliche Unabhängigkeit oder auf die Senkung des Energieverbrauchs konzentrieren, um dieses Problem zu lösen? Wenn man zu Hause einen kaputten Heizköper und ein kaputtes Fenster hat, was wird man wohl zuerst reparieren? Das Fenster natürlich. So auch hier. Das Problem des Energieüberverbrauchs kann nur im Rahmen einer distributistischen Wirtschaft gelöst werden. Nur eine distributistische Wirtschaft wird sich bemühen, die nachhaltigen natürlichen Systeme zu verstehen und nachzuahmen, indem sie eine florierende wirtschaftliche und soziale Agenda unterstützen wird. Rumänien ist ein energieverbrauchendes Land, weil es weder die ortsspezifischen Bedingungen, noch die ortsansässigen Menschen beachtet. Stattdessen beachtet es viel zu viel Brüssel, mit seinem kurzsichtigen Ansatz, oder „Wunderlösungen“ von Fremden mit eigennützigen Interessen.

Wie wichtig ist das Bildungswesen für Sie? Am allerwichtigsten. Es ist die Säule der menschlichen Gesellschaft. Die richtige Bildung bedeutet den Weg zur Freiheit, zur inneren Freiheit eines jeden einzelnen Kindes auf diesem Planeten. Es bedeutet, alles mit Freude zu tun, um glücklich zu sein. Und glücklich zu sein bedeutet, am Leben Interesse zu haben. Denn das Leben bedeutet die Große Freude.

Die globalen Eliten von heute benützen das Bildungswesen, um die Bevölkerung zu zähmen und sie in die Werkzeuge des Systems zu verwandeln. Die Manipulation eines Kindes, um es dem System anzupassen, wird als „gesund“ und als „Behandlung“ einer Krankheit betrachtet. Jeder, der politisch nicht korrekt ist, das heißt, jedwelche Art des gegenüber dem System nicht gefälligen Denkens oder Betragens wird als „Krankheit“ betrachtet. Dennoch hat das manipulative Sozialsystem seine eigenen Schranken. Die globalen Eliten, wie die sowjetischen, sind absolut ahnungslos bezüglich der Art der ihnen begegnenden Krisen. Es ist jetzt an der Zeit, ein Bildungssystem für freie Menschen auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zu organisieren. Dies ist eines der Hauptziele der Nachhaltigkeitsrevolution.

Welche Pläne haben Sie, um die Migration aus Rumänien zu stoppen? Einen starken und souveränen Staat, einen Staat mit Würde und Freiheit, welcher einer solchen Manipulation nicht verfällt.

Fortsetzung folgt Übersetzung des Interviews: Edmond Nawrotzky-Török

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Kloster Barsana, Rumänien