Morbus Alzheimer – die Herausforderung im Informationszeitalter (Teil 1/3)

19. Juni 2017 von Gastautor: Dr. med Ulrich Werth
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19. Juni 2017  (von Dr. med. Ulrich Werth) Morbus Alzheimer ist eine in der Moderne pandemisch auftretende Erkrankung. Sie ist durch fortschreitende Abnahme der Gedächtnisfunktionen und dem Abbau der Hirnstrukturen gekennzeichnet die für das Gedächtnis zuständig sind. Die zentrale Bedeutung dafür besitzt der Hippocampus. Er ist der Ort der größten ‚Neuroplastizität‘. Das heißt, daß dort die größte Veränderlichkeit der Verschaltung vorliegt. Sie ist der Code für sämtliche täglich stattfindenden Ereignisse. Der Hippocampus kann dieser Funktion, die Vielfalt des Erlebten widerzuspiegeln, nur durch ständige Veränderung von Struktur und Funktion durch Ein- und Abbau von neuronalen und synaptosomalen Schaltelementen realisieren. Überwiegt der Abbau, das Sterben von Nervenzellen und Synapsen, gegenüber dem Aufbau schrumpft der Hippocampus und damit das Kurzzeitgedächtnis aber auch die Überführung ins Langzeitgedächtnis. Das übrige Gehirn ist von diesem ‚trophotropen‘ Einfluß des Hippocampus abhängig und degeneriert sekundär, das heißt infolge dieses Abbaus ebenfalls. Dieses Fortschreiten wird schließlich zum eigenständigen, normalerweise unaufhaltsamen „Alzheimer-Prozeß“. Der Autor vertritt die Hypothese: Wenn Auf- und Abbau von Struktur und Funktion in so großem Ausmaß täglich stattfinden, muß die Möglichkeit das Gleichgewicht zu Gunsten des Aufbaus zu verschieben zur Heilung führen können.

In den drei Teilen dieser Publikation werden die Möglichkeiten, das Gleichgewicht zu Gunsten der Regenerationsprozesse zu verschieben, ebenso wie die Entstehung degenerativer Vorgänge besprochen.

Im ersten Teil wird erklärt, was Morbus Alzheimer ist. Dabei soll neben einer Definition von Lernen und Gedächtnis die Neurobiologie auf Neuropathobiologie und – Biochemie und Pathohistologie des Morbus Alzheimer eingegangen werden.

Im Weiteren soll die Frage beantwortet werden, ob Alzheimer vermeidbar ist, und warum diese scheinbar fatale Krankheit heutzutage so explodiert. Evolutionsbiologische Aspekte und Einflüsse des Lebensstils der heutigen Zeit werden anschließend betrachtet und zur Diskussion gestellt.

Zum Schluß gibt es Hinweise, wie man dem Ausbruch der Krankheit durch „Anti-Alzheimer-Lebensstil“ vorbeugen kann.

Aus der Neuropathologie ergeben sich die bisherigen Denkansätze der pharmakologischen Forschung – und deren kritische Wertungen. Außerdem werden erste Heilerfolge physiologischerer Therapiemöglichkeiten mit ersten Heilerfolgen als Fallbeispiele dargestellt, unter anderem mit einem völlig neuorientierten Behandlungsansatz: der „Regenerativen Alzheimer-Therapie nach Werth“ (RAT). Anschließend werden die Ergebnisse diskutiert.

Teil 1: Was ist Morbus Alzheimer? Zunehmende Vergeßlichkeit, nachlassen der Orientierungsfähigkeit, Wortfindungsstörungen und Minderung anderer kognitiver Leistungen und neuropsychologischer Symptome kennzeichnen den Beginn der Alzheimer-Demenz (AD).

Lernen und Gedächtnis „Als Lernen bezeichnen wir die Fähigkeit von lebenden Organismen, erfahrungsbedingt ihr Gesamtverhalten zu modifizieren. Auf die gleiche Umweltsituation antwortet der Organismus, nach dem er gelernt hat, mit einem anderen Handlungsprogramm. Das bedeutet, das entsprechende, in den Rezeptoren gebildete afferente, räumlich-zeitliche Erregungsmuster erfährt nach dem Lernprozeß eine andere Informationsverarbeitung mit dem Resultat der Bildung eines anderen efferenten Erregungsmusters. Es kommt also zu einer Änderung der Erregungsausbreitung im neuronalen Netz und demzufolge zur Änderung der Erregungsabläufe an den in diesen Prozeß mit einbezogenen zentralen Neuronen“(5). Also kommt es zu geänderter Informationsverarbeitung und damit anders ablaufenden Denk- und Verhaltensvorgängen.

Nervenzelle

Die Nervenzellen des Gehirns, die die Reize verarbeiten und „archivieren“ arbeiten nur oberflächlich betrachtet, wie ein Computer. Sie kennen wesentlich mehr Zustäde als 1 und 0. Und sie können sich verändern, abbauen, neu bilden, umstrukturieren.

Stark vereinfacht würde man, heute verglichen mit dem Computer, von einer Veränderung der „Verschaltung“ sprechen. Der Vergleich hinkt nur insofern, als daß man berücksichtigen sollte, daß die logischen Elemente des Computers nur Ja- oder Nein-Antworten kennen. Der Computer ist nur digital.

Im Nervensystem spielen aber außer der digitalen Informationsverarbeitung noch analoge bzw. stetige Vorgänge eine Rolle.

Digitale Vorgänge sind das Alles-oder Nichts-Gesetz des Aktionspotenzials, dem Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein eines Neurons oder einer synaptischen Verknüpfung. Analoge bzw. stetige Vorgänge sind: Ein mehr oder weniger starkes Absinken des Membranpotenzials beim EPSP (exitatorisches postsynaptisches Potenzial), ein mehr oder weniger das Membranpotenzial erhöhendes IPSP (Inhibitorisches postsynaptisches Potenzial ), eine Steigerung oder Senkung der ausgeschütteten Transmittermenge pro präsynaptischen Eingang, also eine Änderung im Input-Output-Verhältnis oder auch Änderung der synaptischen Effizienz genannt. Das sind stetige Größen. Solch eine Vielfalt an Erfahrungen zu speichern und abzurufen, wie es das menschliche Gehirn vermag, bleibt somit für technische Simulation bis auf weiteres ein Traum. Zahlreiche miteinander kausal und kreiskausal gekoppelte Vorgänge (5), wie Änderung der mittleren Entladungsrate pro Zeit, Änderung der Transmitterausschüttung, daraus folgende Änderung der Syntheserate, Bildung neuer synaptischer Verbindungen und schließlich Neurogenese durch Einbau und Differenzierung von Stammzellen finden ständig im Gehirn statt. So sind diese interneuronalen und intraneuronalen Vorgänge die Grundlage von Lernen, Gedächtnis und Denken, von Informationsverarbeitung und Erinnern.

Nichts im Gehirn ist also starr wie beim Computer. Alles ist in ständiger Veränderung begriffen. Das Gehirn verfügt über „Plastizität“. Dieses Kennzeichen des Lebens ist im Gehirn mehr als man früher annahm zu erkennen. Bildgebende Verfahren beweisen das.

Das Ultra-Kurzzeit-Gedächtnis besteht schon in den Veränderungen synaptischer Effizienz an den Projektionsfeldern der Sinnesorgane (5).

Der Kurz-Zeit-Speicher, Hippocampus (Abb.1), bekommt Parallelinformationen sämtlicher ins Bewusstsein vorgedrungenen Erlebnisse. Der Hippocampus gehört zum Archi-Kortex, dem phylogenetisch ältesten Teil des Kortex. Er besitzt im Vergleich zum Neokortex nur 3 Neuronenschichten. Diese sind in der Regel undifferenzierter aber plastischer.

Werth Hippocampus

Abbildung 1: Form und Lage des Hippocampus (gelb-orange) im Archikortex

Der Hippocampus ist der Hirnteil, in dem bereits vor mehreren Jahrzehnten eine außergewöhnlich hohe Plastizität beobachtet wurde (6). Inzwischen sind extrem hohe Neubildungsraten von Nervenzellen, tausende pro Tag, und eine in noch größeren Dimensionen stattfindende Synaptogenese nachgewiesen wurden (7).

Die damit einhergehende schnelle Variabilität der Verschaltung entspricht den Spuren, die sämtliche Erlebnisse des Tages hinterlassen. Insbesondere im Nachtschlaf werden die Informationen in den nahezu unendlichen Langzeitspeicher Neokortex über das Fasziculum perforans übertragen (8). Dabei bleibt im Hippocampus nur eine Information zum Abrufen aus dem Langzeitspeicher, analog einem „Link“, zurück.

Die Realisierung dieser Vorgänge erfolgt über zahlreiche afferente, efferente, kreiskausale, Konvergenz-,Divergenz- und Parallelschaltungen unter Einbeziehung des limbischen, besser des mesolimbischen Systems nach neueren Erkenntnissen, mit dem Nc. amygdala und dem sogenannten „Belohnungssystem“ mit dem Nc. accumbens und Verschaltungen mit der Area 10.

Panik Angst unheimlich

Erfahrungen, die mit Emotionen einhergehen, werden höchst unterschiedlich vom Gehirn bewertet und verarbeitet.

So richtet sich unsere Aufmerksamkeit in puncto Lernen und Gedächtnis nicht nur auf den Hippocampus. Von Papez wurde der Papez-Kreis (34), dem in etwa das limbische System entspricht, mehr in den Vordergrund gerückt (35). Er verstand darunter eine kreiskausale Verschaltung, die emotionalen Schwingungen realisiert. Die Rolle der Emotionen wurde in früheren Auffassungen teilweise eher nachteilig für Lernprozesse gesehen, was Psychiater für Panik-Attacken natürlich mit Recht behaupten. Entscheidend ist offensichtlich das Ausmaß emotionaler Reaktionen. Weitere Studien ergaben, daß sich emotional positiv besetzte Informationen leichter erinnern lassen als emotional negativ assoziierte Informationen (31). Bei Informationen, die im positiven emotionalen Kontext gespeichert wurden, kommt es zu einer Aktivierung des Parahippocampus. Negativ emotional Besetztes aktiviert dagegen den Mandelkern. Nucleus amygdala (31). „Eine dritte Neuroplastizitätsdeterminante“ für die Motivation und die Abspeicherung interessanter positiver Reize ist die Aktivierung des Nucleus accumbens und die dort ausgelöste Freisetzung von Dopamin und die Aktivierung der frontalen Area 10 mit Ausschüttung von Endorphinen (16, 31). Damit wird die Betrachtung von früher nun auf das mesolimbische System erweitert. Der Hippocampus bleibt dabei allerdings nach der gängigen Auffassung weiter die Region größter Neuroplastizität. Schlussfolgerung ist unter Einbeziehung des mesolimbischen Systems einschließlich Nukleus accumbens und Area 10 : „Lernen macht glücklich. Und glücklich lernt es sich besser…“. Soweit sinngemäß nach Manfred Spitzer (31). Dieser emotionale Aspekt aus den Erkenntnissen der Neurobiologie sollte auch bei der Behandlung der Patienten mit Gedächtnisproblemen berücksichtigt werden.

Nochmals sehen wir auch, dass das Gedächtnis kein starrer Speicher sein kann. Im Gegenteil die Informationen werden ständig kreiskausal verarbeitet und gleichzeitig gespeichert, weil jede neuronale und synaptische Aktivität Veränderungen, wie Spuren, in der Effizienz des Systems hinterlässt (5). Dabei spielt die emotionale Tönung eine große Rolle.

Beschreibung der Alzheimer-Demenz (AD) Epidemiologie: Bei nachlassendem Kurzzeitgedächtnis und sinkender Erinnerungsfähigkeit denkt der Mensch der heutigen Industriegesellschaft mit Besorgnis an Alzheimer – die Pandemie des 21. Jahrhunderts. Mit der Diagnosestellung beginnt ein langer Leidensweg für Betroffene und Angehörige. Gleichzeitig gilt Alzheimer gemeinhin als unheilbar. Alzheimer ist nicht ohne Grund ein großes Thema unseres Zeitalters.

Als Alois Alzheimer 1907 erstmals in der Allgemeinen Zeitschrift für Psychiatrie und psychisch-gerichtliche Medizin (9) einen Artikel „Über eine eigenartige Erkrankung der Hirnrinde“ veröffentlichte, war diese Krankheit weitgehend unbekannt und wurde auch in den folgenden Jahrzehnten nicht einmal in den Pathologiebüchern erwähnt. Das hat sich dramatisch geändert. Die Schätzungen der Neuerkrankungen pro Jahr betrug laut Alzheimers Disease International 9,9 Mio. Neuerkrankungen für das Jahr 2015 (Alzheimer’s Disease Inernational, 2015). Morbus Alzheimer ist die Pandemie des 21. Jahrhunderts (10). Hochgerechnet leben heute ca. 50 Millionen Menschen weltweit mit dieser Erkrankung.

Klinisches Erscheinungsbild: Morbus Alzheimer ist eine fortschreitende neurodegenerative (nervenzerstörende) Erkrankung, bei der die zerebralen Funktionen (Hirnfunktionen) von Lernen und Gedächtnis anfangs relativ unauffällig, später zunehmend auffällig abnehmen. Die visuell-räumliche Wahrnehmung ist ebenso, wie das Schreiben und Uhrenlesen und die Orientierung beeinträchtigt. Die zunehmende Unfähigkeit, sich zu erinnern und Neues zu lernen bzw. zu speichern, wird den Betroffenen zu Anfang noch bewußt. Zu dieser Zeit spricht man von subjektiver kognitiver Beeinträchtigung (SKB). Betroffene klagen, daß ihnen sonst für das tägliche Leben Notwendige entfallen ist, wichtige Aktivitäten des Alltagslebens oder bei der Arbeit dadurch nicht mehr gelingen. Bei weiterem Fortschreiten können die Patienten auch nicht mehr selbständig leben und bedürfen der Pflege. Nach und nach geht der Vergessensprozeß weiter bis nicht einmal mehr nahestehende Personen erkannt werden. Der Patient ist bald weder räumlich noch zeitlich noch zur Person, noch zur Situation orientiert.

Eine ausgeprägte Depression tritt mit dem Krankheits-Bewußtsein auf, manchmal auch schon vor der Erkrankung, und ist dann mit auslösend. Der Verlauf ist individuell sehr unterschiedlich. Beispielsweise können auch Gangstörungen und Wahrnehmungsstörungen früher oder später auftreten. Es kommen weitere neuropsychiatrische Symptome einschließlich von Störungen motorischer Abläufe hinzu. Die Statistiken sprechen von einer Lebenserwartung von sieben Jahren nach Diagnosestellung, jedoch ist die Streuung sehr groß, da das Fortschreiten der Krankheit und die Lebenserwartung überhaupt von sehr vielen Faktoren abhängen.

Pathologisch-anatomisch: Makroskopisch besteht eine zunehmende Hirnatrophie, beginnend im Temporalhirn, besonders medio-temporal, aber später auch anderer Teile der Großhirnrinde sowie des Marklagers, gekennzeichnet durch Erweiterung der inneren Liquor-Räume.

Histologisch liegen Fibrillen-Veränderungen, sogenannte intrazelluläre TAU-Fibrillen und Alzheimer-Plaques, aus Beta-Amyloid-Polymeren bestehend, und Neuronen-Verluste des Hippocampus, Nc. Coeruleus und des Neokortex vor.

Pathophysiologie, Patobiochemie und Pathogenese: Man findet einen Mangel an Cholin-Azetyl-Transferase (CAT) und somit eine mangelnde Azetylcholin-Synthese. Ein verminderter Glucose-Stoffwechsel (Zuckerstoffwechsel) infolge Insulinresistenz. Die Insulin-Resistenz mit verminderter Glucose-Utilisation (Zucker-Verwertung) führen zu einem Energie-Defizit der Neuronen und dadurch zu einer höheren Sterblichkeit der Nervenzellen.

Während die mangelnde Azetylcholin-Synthese nur ein sekundärer Effekt sein kann, liegt der Focus der Aufmerksamkeit seit dem neurochirurgischen Zwischenfall 1953 bei dem Patienten Henry Gustav Molaison, kurz Patient HM, infolge Durchtrennung des Fasziculus perforans auf dem Hippocampus und dieser seiner Verbindung zum Neokortex. Hier ist nicht Azetylcholin, sondern Glutamat der Transmitter.

Patient HM hatte ein „Modell-Alzheimer-Syndrom“. Die Überführung der Inhalte des Kurzzeitgedächtnisses in das Langzeitgedächtnis funktionierte nicht mehr. Für die Pathogenese der Alzheimer-Erkrankung gilt inzwischen folgende ziemlich gesicherte Hypothese:

Die Ausschüttung des Alarm-Hormons „Cortisol“ bewirkt das für den Alarm-Zustand Sinnvolle: Erregung der Neuronen am Hippocampus über die Stimulierung des am meisten erregenden Transmitters Glutamat. Cortisol bewirkt auch eine vermehrte Bildung des Beta-Amyloids als Schutz gegen Übererregung (8,31).

Glutamat als erregender Transmitter öffnet an den Zellmembranen die Ionenkanäle so, daß ein sehr starker Natrium-Einstrom und Kaliumausstrom die Energielieferung mit ATP durch die Natrium-Kalium-ATPase überfordern und so der osmotische Druck in der Nervenzelle bis zu ihrem Platzen steigt.

Eine weitere Wirkung des Cortisols besteht im Stoppen der Neurogenese. Das heißt, es werden keine neuen Nervenzellen im Hippocampus aus Stammzellen gebildet.

Folge ist die Abnahme des Hippocampus-Volumens, welches durch die 3-D-MRT-Hippocampus-Volumetrie nachweisbar ist.

Mit der Verminderung der Neuronen im Hippocampus ist auch der Untergang deren Fortsätze die den Fasziculus perforans bilden verbunden.

Das Beta-Amyloid ist ein Schutzmechanismus gegen die Übererregung und damit Zerstörung der Hippocampus-Neurone. Es bremst die Erregung. Bei stärkerer Erregung durch erhöhte Ausschüttung von Glutamat infolge erhöhter Ausschüttung von Cortisol wird mehr Beta-Amyloid aus APP (Amyloid-Vorläufer-Protein) unter Einfluß von Gamma-Sekretase gebildet. Wird mehr Beta-Amyloid gebildet, kann sich dieses ansammeln. Das Wort Amyloid stammt aus dem Griechischen und heißt übersetzt: „Zusammenkleben“. Wird es zu Polymeren, also zu sehr vielen Molekülen, zusammengeklebt, entstehen daraus die „Alzheimer-Plaques“, also im Mikroskop sichtbare Ablagerungen. Diese sind auch bei sehr alten geistig gesunden Personen vorhanden. Also haben sie keine pathologische Bedeutung. Es gibt auch Meinungen, daß sie das Fortschreiten der Erkrankung sogar hemmen (8).

Pathologische Bedeutung haben nur die Beta-Amyloid-Oligomere (11). Oligo heißt „wenig“. Das ist das eigentliche Alzheimer-Toxin. Es führt zu einer Kettenreaktion des Zusammenklebens der Beta-Amyloid-Moleküle und damit zur Beseitigung des natürlichen Schutzes gegen die Übererregung. Dadurch fehlt der Übererregung die Bremse und die Neuronen können bei weiterem Cortisol- und dadurch Glutamat-Einfluß leichter Absterben.

Im weiteren Verlauf sterben andere Neuronen anderer Hirnregionen ab, weil der trophotrope (wachstumsfördernde) Einfluß der Hippocampus-Neuronen fehlt. Das führt dann zu der makroskopisch im MRT sichtbaren Hirnatrophie. Diese führt dann zu weiteren neurologischen Ausfällen.

Diagnostik: Psychologische Tests, wie MMST (Minimal-Mental-Status-Test) mit einfachen Fragen zu Orientierung und Kurzzeit-Gedächtnis, Uhrentest (Aufmalen einer Uhr) sind einfach durchzuführen und geben einen Hinweis auf eine Demenz-Erkrankung. Mit einer CAT-Senkung und der Feststellung des cholinergen Defizits hat man ebenfalls, wie mit einem PET zu Beurteilung des Glucose-Stoffwechsels weitere Hinweise.

Gehirn MRT

Die Grenzen zwischen Vergeßlichkeit, Altersdemenz und Alzheimer können unscharf sein. Wirklich Aufschluß gibt nur das Bild einer Magnet-Resonanz-Tomographie

Man kann im Liquor eine Erhöhung des TAU-Proteins und eine Erhöhung des Beta-Amyloids finden. Im EEG ist der Grundrhythmus verlangsamt. Aussagekräftiger ist aber das MRT. Dort sieht man eine medio-temporale Hirnatrophie. Eine genaue Aussage erlaubt erst die mit Hilfe 3-D-MRT durchgeführte und möglichst mit Computer objektiv ausgewertete Hippocampus-Volumetrie.

Nachtrag: Das Beta-Amyloid entsteht durch Spaltung des sogenannten APP (Amyloid-Precursor-Proteins), welches bei Mutation an dem Gen des APP verändert ist. Menschen mit dieser Mutation bekommen schneller Alzheimer, wenn sie eine Alzheimer begünstigende Lebensweise führen.

Nicht unerwähnt bleiben sollte ein ebenfalls pathogenetischer Faktor: die Insulinresistenz bei Diabetes 2 oder 3.

So lange die Neuronen des Kortex und damit des Archikortex, Hipocampus, an den Energie-Lieferanten „Glukose“ gewöhnt sind, wirkt sich eine Insulinresistenz an den kortikalen Neuronen als Energie- ATP- Mangel und damit zur erleichterten Sterblichkeit der Neuronen aus. Diese Erkenntnis wurde bereits therapeutisch ausgenutzt (siehe Teil 3).

Schlußfolgerungen, Bewertungen und neue Fragen Aus diesen Ableitungen und Erkenntnissen geht hervor, dass Morbus Alzheimer nicht mehr eine völlige „Black Box“ ist. Lernen und Gedächtnis werden immer mehr verständlich. Zahlreiche Mechanismen auf sozialer, ganzheitlich-körperlicher, makroskopischer und mikroskopischer, aber auch auf zell- und molekularbiologischer Ebene sind bekannt. Die biologischen Mechanismen wurden beschrieben. Daraus geht hervor, daß es sich um feinabgestimmte biologische Regelvorgänge handelt, die mit einfachen pharmakologischen Beeinflussungen nicht ohne weiteres verbessert werden können, wenn sie einmal aus dem Gleichgewicht geraten sind. In den folgenden Teilen sollen Fragen beantwortet werden, wie: Ist Alzheimer Vermeidbar? Wo sind die Wurzeln der pandemischen Explosion in diesem Jahrhundert? Was können wir heute tun, um Alzheimer zu vermeiden? Was versteht man unter „Anti-Alzheimer-Lebensweise“? Welche therapeutischen Ansätze mußten scheitern? Was bleiben uns für Möglichkeiten zu therapieren? Welche Ergebnisse gibt es bereits? Wie sind diese zu interpretieren?

Kontakt und V.i.S.d.P: Dr. med. Ulrich Werth, CMN, C. general elio 4,1 E-46010 Valencia -Spanien- dr.werth@weracu.org www.weracu.org

Quellen:

1 Gehirn&Geist 1/2017 „ Land oder Meer?“ S. 52

2 Kang JX1, Gleason ED. Kang JX1, Omega-3 Fatty acids and hippocampal neurogenesis in depression. CNS Neurol Disord Drug Targets. 2013 Jun;12(4):460-5.

3 Lin,T.W.et al., “Running exercise delays neurodeneration in amygdala and hippocampus of Alzheimer`s disease (APP/Pst) transgenetic mice.“ Neurobiol learn Mem V. 118,2015

4 Csernansky,J.G. et al.:“Plasma cortisol and progression of dementia in subjects with Alzheimer-type dementia“ Am J Psychiatry V.163,2006

5 Werth, U. „Die Beeinflussung konditionierungsbedingter Veränderungen von Reizantworten kortikaler Neuronen”, Dissertation, Med. Akademie Magdeburg 1975

6 Matthies,H.,Rüthrich H., Ott T.,Matthies H.K. and Matthie R., “ Low Frequency Perforant Path Stimulation as a Conditioned Stimulus Demonstrates Correlations Between Long-Term Synaptic Potentiation and Learning”, Physiology & Behavior, 36 (1986) 811-821

7 Bruel-Jungerman E.1, Rampon C., Laroche S.

Adult hippocampal neurogenesis, synaptic plasticity and memory: facts and hypotheses. Rev Neurosci. 2007;18(2):93-114.

8 Nehls, M. „Alzheimer ist heilbar“, Heyne 2015

9 Alzheimer, A. Über eine eigenartige Erkrankung der Hirnrinde. In: Allgemeine Zeitschrift für Psychiatrie. Band 64 (1907), S. 146–148.

10 Carrillo, M. C. (2013), “Leveraging global resources to end the Alzheimer’s pandemic. Alzheimers Dement”, 9(4), 363-365.

11 Tu,S. et al, “Oligometric A-Beta-induced synaptic dysfunction in Alzheimer`s disease”, Mol Neurodegener 2014

12 Nehls,M., Methusalem-Strategie”, mental Enterprises, 2. Auflage,2012

13 Klein, T., “Das Geheimnis des langen und gesunden Lebens-Was uns die Hundertjährigen auf Okinawa lehren”, Hygeya-Verlag

14 Spitzer,M. Cyberkrank, „Wie das digitale Leben unsere Gesundheit ruiniert.“ Croe Mer ,2015

15 Stenger,C., „Lassen Sie Ihr Hirn nicht unbeaufsichtigt!” Campus ,2014

16 Spitzer,M., https://www.humboldt-foundation.de/web/newsletter-5-2011-5.html.

17 Newport,M., „Alzheimer vorbeugen und behandeln. Die Ketonkur: Wie ein natürliches Fett die Erkrankung aufhält.” VAK Verlag GmbH, 2. Aufl. ,2013

18 Wang,H. et al.,”Consequences if inhibiting amyloid precursor protein enzyms on synaptic function and plasticity.”Neurol Plasticity 2012

19 Bredesen, D.E., “Reserval of cognitive decline: a novel therapeutic program Aging” V.6,2014,S.707-717

20 Schmidt, K. et al., „Frühzeitige gesundheits- ökonomische Evaluation“, Gesundh. ökon. Qual. Manag., 2009, 14:204-212

21 Werth, U., „Die Entdeckung der Implantat- Akupunktur”, Vortrag, 17. Juni 2001 in Berlin, ICMART

22 Werth, U., „Möglichkeiten und Grenzen der Akupunktur mit implantierten Dauernadeln”, Vortrag, 17.10.2001, Garmisch-Partenkirchen, Kongress der Europäische Akademie für Aurikulomedizin

23 Werth U., „Hirnregeneration durch Auricular brain stimulation (ABS) am Beispiel des Morbus Parkinson (MP).“ PM 3/2013.

24 Werth, U. „Hirnregeneration durch Auricular brain Stimulation am Beispiel des Morbus Parkinson. Teil 2-Biometrische Resultate.“ PM 4/2013

25 Werth, U.,: Wirksamkeitsnachweis der Regenerativen Auriculo-Therapie nach Werth, Ergebnisse einer Doppelblindstudie, bisher unveröffentlicht

26 Werth, U,: 6th international Symposium of Auriculotherapy and Auriculomedicine, Bolgna,October 9-10, 2009;. “The influence of auricular microimplants on Parkinson`s syndrome.”

27 Bahr, F., Einleitung zum Vortrag von U.Werth:” Möglichkeiten und Grenzen der Akupunktur mit implantierten Dauernadeln”, Vortrag, 17.10.2001, Garmisch-Partenkirchen, Kongress der Europäische Akademie für Aurikulomedizin

28 Werth, U. ,“Heilende Hände und technische Medizin” PM 11/2013

29 Kim Bong Han: https://www.youtube.com/watch?v=xjX0BYDf8Rc

30 Oschman J. L., „Energiemedizin – Konzepte und ihre wissenschaftliche Basis.“ Urban & Fischer München, 2009

31 Spitzer, M., „Nervensachen- Geschichten vom Gehirn”, Suhrkamp taschenbuch , 6. Auflage 2014

32 Nehls, M., „Die Alzheimer-Lüge” Heyne, 2014

33 Spitzer, M., Bertram, W. “Braintertainment”, Suhrkamp, 2012

34 Mark F., Bear, Michael A. Paradiso, Barry W. Connors, “Neuroscience: Exploring the Brain” 2006, Lippincott Williams & Wilkins, S. 569

35 Martin Trepel: Neuroanatomie. 5. Auflage (2012). Urban & Fischer Verlag.

36 Matthies, H. „Die Bedeutung von Orotsäure „ ,Magdeburger Kolloquium über Orotsäure und Magnesium, März 1990. Hrsg. von H. Matthies

37 Werth, U.,Forschungsprojekt an der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg.