Massive Proteste vor dem SPD-Parteitag – und die Mainstream-Hofberichterstattung schweigt

3. Juli 2017 von Niki Vogt
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03. Juli 2017 (Kommentar von Niki Vogt) Die Westfalenhalle in Dortmund war dieses Wochenende Schauplatz einer Huldigung – und einer zornigen Demonstration. Die Huldigung wurde von den Hofberichterstattern, wie schon immer in der Geschichte, mit schmeichelnden Worten begleitet, der Zorn des Volkes vor den Toren der geschmückten Säle, wie immer in der Geschichte, ignoriert. Das Pack, draußen, vor der Tür, störte mit unüberhörbaren Trillerpfeifen die salbungsvolle Selbstinszenierung.

In der Westfalenhalle in Dortmund feierte sich die SPD. Eine Band spielt Pop- und Rockballaden, die Wehmut und herzergreifende Stimmung produzierten, die Genossen in den Sitzreihen klatschen rhytmisch in die Hände, die Scheinwerfer tauchen die Halle in warmes, kuschliges Rot. Jenes Rot, das auch in Amüsiervierteln Abgewirtschaftetes schöner und begehrenswerter erscheinen läßt. Es erinnert irgendwie an die letzten Selbstdarstellungs-Festivitäten der DDR, als die Altgenossen sich hochleben ließen und die „Krawallmacher“ draußen vor den Hallen als pöbelndes Pack einfach nicht zur Kenntnis nahmen.

Kanzlerkandidat Schulz zieht ein, wie ein Volkstribun. Hinter sich, wie Bugwellen hinter einem stolzen Schiff,  Parteivorstand und Jusos. Die einst Widerspenstigen und Aufmüpfigen Jusos, noch in den Siebziger Jahren in der Kult-Sendung „Ein Herz und eine Seele“ von dem jungen Dieter Krebs trefflich verkörpert, der jugendliche Revoluzzer, der gegen Arbeiter- und Spießerpapa Alfred aufbegehrte und sich herrliche Wortgefechte mit Vadder am Resopaltisch der Wohnküche leistete … diese einst Aufrechten, Widerspenstigen trotteten beseligt grinsend hinter einem Martin Schulz her, der die Ferne und Abgehobenheit der SPD gegenüber der Arbeiterschaft verkörpert, wie kein anderer vor ihm.

Aus den Höhen des EUlymp entstiegen hinab  zu den Sterblichen, wurde er als Heilsbringer gefeiert. Unter den Blinden ist der Einäugige König, so schein das Kalkül gewesen zu sein. Die ewige Kanzlerin, die zu nichts wirklich Stellung nimmt, an der jegliche Vorwürfe und Kritik abprallen, alternativlos und unbelehrbar, reue- und emotionslos, schien eine Steilvorlage für jeden SPD-Vollblut-Kanzlerkandidaten zu sein, der klare Kante zeigt und den richtigen Ton trifft. Allein, Martin Schulz ist nicht dieser Mann. Seine Zeit in Brüssel, und seine Zeit als glückloser Buchhändler wie auch Bürgermeister in Würselen, brachten der SPD kein Mannsbild, das so rechten Glanz in die ehemals stolze und kampferprobte Arbeiterpartei zurückbringt. Der aufsteigende Stern erwies sich als kurzlebige Sylvester-Rakete.

Die SPD hat die deutschen Arbeiter längst als politische Altlast entsorgt. Sie projiziert ihre sozialen Ambitionen längst auf anderes Klientel. Ihre Ideale hat sie gegen Ideologie eingetauscht. Minderheiten aller Art, Randgruppen jeglicher Couleur und Provenienz, gewalttätige Antifanten, zu resozialisierende Kriminelle, Migranten, germanophobe Künstler, Träumer, Soziologen, Flüchtlinge, akademische Visionäre und deutschfeindliche Journalisten sind heute die Hätschelkinder der Sozialdemokratie. Der Malocher ist zu deutsch. Geht gar nicht.

Die politisch heimatlos gewordenen Arbeiter und „kleinen Leute“, auch gern von SPD-Politikern „Pack“ genannt, waren ebenfalls zahlreich zum Parteitag erschienen. Allerdings nicht eingeladen und vor den verschlossenen Türen der Westfalenhalle. Sie machten ihrer Frustration lautstark Luft: Die geplante Bürgerversicherung, TTIP, CETA, die Angst um Arbeitsplätze, Raubtierkapitalismus, Rentenarmut. Selbst Gewerkschafter, einst das Kernklientel der SPD waren unter den Protestlern.

Die Parteitagsdelegierten dürften eine Ahnung davon erhascht haben, welches Ansehen die SPD unter den einfachen Leuten heute noch hat. Der Spießrutenlauf an den Pfeifenden, schimpfenden Leuten vorbei, sollte eigentlich bei ihnen Erinnerungen geweckt haben, wie es den verdienten Genossen in den letzten Tagen der DDR ergangen ist. Und, wie damals, berichtete die systemtreue Presse nicht, oder nur sehr abfällig, über den randalierenden Pöbel. In diesem Falle wurden die Proteste vor der Westfalenhalle überhaupt nicht erwähnt.

Ganz anders können die Mainstreammedien, wenn es darum geht, Randale gegen jene gekonnt in Szene zu setzen, die als politisch inkorrekt gebrandmarkt werden. Putin, Trump, die AfD … hier werden deren Gegner gefeiert, ausgiebig gefilmt, ihr Mut gelobt, man läßt die Empörten ihre Empörung ausgiebig kundtun, die Kamera hält immer drauf. Die Öffentlich-Rechtlichen berichten bei AfD-Veranstaltungen und Parteitagen sogar hauptsächlich von den Gegendemonstrationen  – und das in einer Weise, daß man den Eindruck bekommt, eigentlich erhebe sich die ganze Bundesrepublik gegen das leibhaftige Böse. Man fühlt sich geradezu aufgefordert, sich diesen Protesten anzuschließen.

Die Öffentlich-Rechtlichen berichteten ausführlich und höchst wohlwollend über den SPD-Parteitag in der Halle. Kein Wort über die Menschen vor der Halle. Quer durch die Nachrichtensendungen wie „heute„, „Tagesschau„, „Heute-Journal„, „Tagesthemen„, „Berlin direkt“  wurde vom Parteitag freundlich berichtet. In keiner einzigen dieser Sendungen auch nur ein Hinweis drauf, daß es Proteste vor der Halle gab.