Kann Methadon helfen, Krebs zu heilen? – Interessen der Pharmaindustrie contra heilende Ärzte

6. Juli 2017 von QUERDENKEN-REDAKTION
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06. Juli 2017 (Redaktion) Seit einigen Tagen hält das Thema „Methadon gegen Krebs“ die Medien in Atem und weckt bei vielen verzweifelten, oft schon todgeweihten Krebspatienten neue Hoffnung.Diesmal ist es nicht ein Thema, das in den Alternativen Blogs diskutiert, und von der Pharmaindustrie mit einem spöttischen Lächeln wegignoriert werden kann. Es hat anscheinend schneller, als die Pharma aktiv werden konnte, den Weg in die Mainstreammedien geschafft. Und nun hat die Pharmalobby ein Problem.

Das ARD-Magazin „plusminus“ widmete der medizinischen Sensation einen kurzen, aber wirkungsvollen Bericht. Die Ulmer Chemikerin Dr. Claudia Friesen vom Universitätsklinikum Ulm hat mit ihrer Entdeckung, daß Krebszellen unter der Einwirkung der Kombination von Methadon und Chemotherapie hundertprozentig absterben, bereits 2007 eine Sensation gefunden. Dabei war dieser Fund eine Zufallsentdeckung: „Wir wollten ursprünglich die molekularen Mechanismen von Opioiden weiter aufklären. Und zu unserer Verwunderung sind die Tumorzellen mit Methadon gestorben.“ Weitere Versuche mit Krebspatienten in den Folgejahren bestätigten, daß auch hoffnungslose Fälle mit dieser Mischung geheilt wurden. Mehr als 350 Krebspatienten hat Frau Dr. Friesen in ihren Patientendatei, deren Tumore und Metastasen deutlich verringert wurden, zum Teil sogar vollkommen verschwunden sind.

Dazu kommt noch, so Dr. Friesen im SternTV-Gespräch, daß selbst bettlägerige Patienten unter der Behandlung mit Methadon plötzlich wieder aufstehen, im Haushalt arbeiten, ihren Wunschurlaub machen und ein normales Leben führen. Schon allein die plötzlich wieder erreichbare Lebensqualität rechtfertigt den Einsatz von Methadon. Der Palliativmediziner und Hausarzt Hans-Jörg Hilscher behandelt seine Patienten bereits mit Methadon. Seine Praxis kann sich kaum des Ansturms von Krebskranken erwehren.

Der Supergau für die Hersteller unglaublich teurer Krebspharmazeutika: Patienten beschreiben mit erschütternder Eindringlichkeit ihre Verzweiflung, ihr Leiden und ihre Todesangst und wie dankbar und glücklich sie sind, durch diese Pionier-Behandlung geheilt worden zu sein. Dagegen wirken die Einwände der Institutionen – man habe es hier eher mit nicht aussagefähigen Einzelergebnissen zu tun, die keinerlei wissenschaftliche Beweiskraft haben – bürokratisch und wenig überzeugend. Zumal, wie plusminus am Rande süffisant anmerkt, Kritiker und Bedenkenträger gegen die Methadonkombination nicht selten auf der Honorarliste genau der Pharmahersteller stehen, die unglaublich teure Krebstherapeutika erfolgreich auf dem Markt plaziert haben. Diese Firmen haben ein sehr reduziertes Interesse am Siegeszug einer erstaunlich billigen, nebenwirkungsarmen und möglicherweise auch noch erfolgreicheren Therapie mit Methadon. Zum Vergleich: Die Methadon-Behandlung kostet pro Monat etwa 20 Euro, die teuren Krebstherapeutika leicht 20.000-25.000 Euro. Da winken ganz andere Gewinnspannen.

Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) warnte sogar in einem Rundschreiben vor den Gefahren einer Methadon-Therapie. Dabei beruft sie sich auf eine Studie aus den USA, die belegen soll, daß Methadon die Sterblichkeit um 46 Prozent erhöhe. Dr. Hilscher bringt das in Harnisch. Er hält diese Studie für auf dieses Thema unzutreffend, weil sie garnicht an Krebskranken durchgeführt wurde und darüber hinaus auch noch sehr schlecht gemacht worden sei. Gleichzeitig sei eine andere, im Zusammenhang mit Krebs viel aussagekräftigere Studie überhaupt nicht erwähnt worden. Eine weitere Studie aus Kanada, die die Ergebnisse von Dr. Friese bestätigen, sei ebenfalls gar nicht beachtet worden.

Nicht genug damit, daß plusminus mit seinem kleinen Beitrag auf große Resonanz stieß, SternTV widmete sich ebenfalls dem Thema. Dr. Claudia Friesen kritisiert in der Sendung, das Schmerzmittel Methadon werde trotz verblüffender Forschungsergebnisse nicht als Krebsmedikament eingesetzt. „Ich kenne Patienten, bei denen ein Chemotherapeutikum nicht gewirkt hat. Erst als sie es mit Methadon bekommen haben, sprach es wieder an“. In den zehn Jahren seit ihrer Zufallsentdeckung von 2007 hat Dr. Friesen herausgefunden und bewiesen, wie das Methadon den Widerstand der Tumorzellen – deren Hartnäckigkeit oft den aggressivsten Krebstherapien widersteht – brechen kann und dem Chemotherapeutikum den Weg in die Tumorzellen und damit auch Wirksamkeit ermöglicht.

Die große Aufmerksamkeit für diesen neuen Therapieweg hat Wirkung gezeigt: Es ist nun doch möglich, die geforderten Studien zu der Wirksamkeit von Methadon bei Chemotherapien machen zu können. Die Fördermittel sind bei der Deutschen Krebshilfe beantragt worden. Zuerst allerdings nur für die Erforschung bei Hirntumoren. Der Experte Wolfgang Wick verkündete das während des SternTV-Gespräches und nannte auch gleich den Grund: Wegen des großen, öffentlichen Drucks. Sollte die Studie bewilligt werden, würden innerhalb von drei Jahren seriöse Daten vorliegen.