Indische Behörden: Die US-Bombe tötete 500 pakistanische Soldaten, die den IS beschützten

16. April 2017 von Niki Vogt
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16. April 2017 (von Niki Vogt) Wie das indische Onlineportal „Oneindia“ berichtet, haben indische Behörden bestätigt, daß die pakistanische Armee die IS-Kämpfer in dem Tunnelsystem, das die Amerikaner mit ihrer MOAB-Bombe zerstörten, unterstützte und beschützt habe. Bei dem US-Angriff mit der größten, nicht-atomaren Bombe auf den unterirdischen Stützpunkt in der Provinz Nangarhar, Afghanistan, sollen indischen Behörden zufolge 500 pakistanische Soldaten und ebensoviele IS-Kämpfer getötet worden sein. Zivilisten leben nicht in dieser Gegend.

MOAB-Bombe

Ein Prototyp der lenkbaren MOAB-Bombe, einen Moment vor dem Aufprall. Foto: Wikimedia Commons

Es gebe aber, so der Bericht, dort sehr viele Handlanger des pakistanischen Geheimdienstes ISI, die den IS tatkräftig unterstützten und die Aktivitäten des IS in der Gegend deckten. Der amerikanische Angriff sei jetzt gerade zu einem Zeitpunkt gekommen, als ein gewaltiger Aufbau an IS-Kräften dort stattfand. Indische staatliche Stellen sagen, daß die pakistanische Armee und der Geheimdienst ISI diese Aktivitäten unterstützten und förderten. Das gesamte Terrain, das die Amerikaner zerstört haben, stand unter der Kontrolle des ISI, dessen Agenten für den IS im Einsatz waren. Die Zerstörungskraft der Megabombe sei so groß gewesen, daß sie mindestens 500 Pakistanis und eine ebenso große Zahl von IS-Kämpfern getötet habe.

Die Menschen, die in der weiteren Umgebung leben, sollen froh über die Vernichtung des IS-Stützpunktes in ihrer Nähe sein, auch Indien äußerte sich zufrieden über den Einsatz gegen den IS. Es gibt aber auch heftige Kritik.

Der ehemalige afghanische Präsident Hamid Karzai erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen Amtsnachfolger, Präsident Ashraf Ghani. Dieser hatte bekannt gegeben, daß der Bombenabwurf  der USA in enger Abstimmung zwischen der afghanischen Armee und der US-Armee durchgeführt wurde. Karzai, der Widerstand gegen den amerikanischen Einfluß auf Afghanistan fordert, genießt großen Rückhalt unter den Paschtunen Afghanistans. Karzai bezeichnete diese Zusammenarbeit Präsident Ghanis und der afghanischen Armee mit den USA als „Landesverrat“:

„How could you permit Americans to bomb your country with a device equal to an atom bomb?“ Karzai said at a public event in Kabul, questioning Ghani’s decision. „If the government has permitted them to do this, that was wrong and it has committed a national treason. I decided to get America off my soil,“ he said. „This bomb wasn’t only a violation of our sovereignty and a disrespect to our soil and environment, but will have bad effects for years.“

„Wie konnten Sie nur zulassen, daß die Amerikaner Ihr Land mit einem Gerät bombardieren, daß einer Atombombe gleichkommt?“, sagte Karzai bei einer öffentlichen Veranstaltung in Kabul, womit er Ghanis Entscheidung in Frage stellte. „Wenn die Regierung Ihnen erlaubt hat, das zu tun, dann war das falsch und sie hat Landesverrat begangen. Ich beschloß, Amerika von meinem Boden wegzubekommen“, sagte er. „Diese Bombe war nicht nur eine Verletzung unserer Souveränität und eine Respektlosigkeit unserem Grund und Boden und unserer Umwelt gegenüber, sie wird auch jahrelang schlimme Auswirkungen mit sich bringen.“

Wikileaks und Edward Snowden kommentierten das US-amerikanische Bombardement in Afghanistan mit den Worten: „Die Tunnel, die die USA in Afghanistan bombardiert haben? Sie waren von der CIA gebaut“

MOAB wikileaks

Der darunter eingefügte Text des Wikileak-Tweets ist ein Zitat aus einem Artikel der New York Times aus 2005, der beschreibt, wie vor Jahrzehnten die CIA und später Osama Bin Laden die unterirdische Festung Tora Bora erbauten und erweiterten. Um 2001 herum sollen sich etwa 2.000 islamische Mudschaheddin-Kämpfer dort aufgehalten haben. Tora Bora liegt nur 19 Kilometer von dem Tunnelsystem entfernt, das die Megabombe der Amerikaner zermalmte, und man geht davon aus, daß es mit Tora Bora verbunden war. Übersetzung des Wikileaks-Textstückes aus dem New York Times Artikel:

Als Bin Laden das erste Mal die Tora Bora-Höhlen sah, war er ein junger Mudschaheddin-Kämpfer, der gerade ein Studium in Bauingenieurswissenschaften absolviert hatte. Das war vor etwa 20 Jahren [1985], während Washingtons erstem Krieg in Afghanistan, dem Jahrzehnte langen, von der CIA finanzierten Heiligen Krieg in den 1980er gegen die sowjetische Besatzung. Auf mehr als 4.000 Meter Höhe ansteigend, 55 Kilometer südwestlich der Provinzhauptstadt Jalalabad gelegen, war Tora Bora eine Festung mit schneebedeckten Gipfeln, steilen Tälern und befestigten Höhlen. Ihre meilenlangen Tunnel, Bunker und Basislager, tief in die steilen Felswände gegraben, waren Teil eines von der CIA finanzierten Komplexes, gebaut für die Muschaheddin. Bin Laden hatte Dutzende Bulldozer und anderes schweres Gerät des Bau-Imperium seines Vaters eingeflogen – die saudische Bin-Ladin-Gruppe war eines der prosperierendsten Bauunternehmen Saudi-Arabiens und des gesamten Persischen Golfes. Einer oft erzählten Geschichte zufolge sei Bin Laden selbst mit einem Bulldozer über die steilen Berggipfel gefahren und habe dort Verteidigungstunnel und Lagerdepots gebaut.“

In dem besagten Artikel der New York Times aus 2005 gibt es einen aus heutiger Sicht besonders interessanten Absatz. Die Rede ist hier von Brigadegeneral James N. Mattis, der zu dieser Zeit mit 4.000 Marines in Afghanistan eingetroffen war: „Mattis, along with another officer with whom I spoke, was convinced that with these numbers he could have surrounded and sealed off bin Laden’s lair, as well as deployed troops to the most sensitive portions of the largely unpatrolled border with Pakistan. He argued strongly that he should be permitted to proceed to the Tora Bora caves. The general was turned down.“

Übersetzung: „Mattis und auch ein anderer Offizier, mit dem ich sprach, war davon überzeugt, daß er mit dieser Anzahl [Marines] den Schlupfwinkel Bin Ladens hätte umzingeln und abriegeln, und darüberhinaus auch Truppen an den empfindlichsten Abschnitten der weitgehend unbewachten Grenze mit Pakistan hätte einsetzen können. Er argumentierte hart dafür, die Erlaubnis zu bekommen, auf die Tora Bora Höhlen vorrücken zu dürfen. Der General wurde abgewiesen.“

Heute ist ebenjener Brigadegeneral Mattis, der damals die Festung Bin Ladens auf Anordnung des Präsidenten George W. Bush nicht zerstören durfte, Verteidigungsminister unter Präsident Donald Trump.

Laut Wikipedia kostet diese Bombe 16 Millionen Dollar. Die USA soll noch mehr als ein Dutzend dieser Bomben haben. Die jetzt eingesetzte 11-Tonnen-TNT-Äquivalent-Megabombe hat, wenn die unterirdischen Anlagen tatsächlich mit der 19 Kilometer entfernten Felsenfestung Tora Bora verbunden sein sollten, nur einen Teil der Gesamtanlage zerstört.

Offizielle Luftaufnahme des Bombardements:

Pressemitteilung der US-Regierung: