Geheimnisvolle, riesige, prähistorische Gangsysteme in der Steiermark

23. April 2016 von Niki Vogt
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23. April 2016  Einer der absoluten Highlights der Vortragsreihe MysterienZyklus in Bichwil im Hause der Fostac AG. Ohne das Engagement und die generöse Förderung durch die Fostac AG wäre diese wirklich herausragende Reihe an Vorträgen niemals zustande gekommen, wir möchten uns noch einmal ganz besonders herzlich dafür bei Fostac bedanken. Besonders der Idealismus der Mitarbeiter und der Leitung für all diese interessanten Themen ist beispielhaft, sind doch die allerwenigsten Themen für die Fostac AG von finanziellem Interesse gewesen. Hier ging es ausnahmsweise einmal wirklich um große Begeisterung und nicht kommerzielles Interesse an all diesen faszinierenden Themn und hervorragenden Referenten. Die gesamte Internetgemeinde  hat Fostac mit dieser, nun zu Ende gehenden Vortragsreihe viel zu verdanken. Alle Vorträge sind bei der Fostac AG auf DVD zu erhalten. Wir können diese hochwertigen Vorträge nur jedem empfehlen.

Heinrich und Ingrid Kusch sind Archäospeleologen (das sind Archäologen, die sich auf das Erforschen von Höhlen und den Spuren frühzeitlichen, menschlichen Lebens darin spezialisieren). Dr. Heinrich Kusch, Prähistoriker und Lehrbeauftragter an der Karl-Franzens-Universität in Graz. Durch einen Zufall kamen die beiden zu DEM Forschungsprojekt ihres Lebens: Bei Umbauarbeiten wird im Dachstuhl eines Bauernhofs eine Jahrhundertalte Kanonenkugel gefunden. Darin entdeckt man einen Plan, der auf ein Labyrinth von unterirdischen Gängen verweist – das ist nicht der Beginn eines Thrillers, sondern hat sich in der oststeirischen Gemeinde Vorau wirklich zugetragen. Und es war der Ausgangspunkt von einer Reihe schier unglaublicher Entdeckungen. Die Höhlenforscher Ingrid und Heinrich Kusch machten sich an die Erforschung des viele Kilometer langen und offenbar in größere Tiefe führenden Gangsystems und stießen dabei immer wieder auf Einzelheiten, für die es keine Erklärung gibt. So sind die meisten dieser Gänge nach einer gewissen Strecke nicht nur zugemauert, sondern meterdick mit tonnenschwerem Gestein verschlossen.

Abb. 36 Kandelhofer Erdstall Das Gangsystem unter ser Steiermark ist weit ausgedehnt und wahrscheinlich noch sehr viel größer als die Gänge, die heute noch bekannt und zugänglich sind.

Ein weiteres Rätsel der unterirdischen Gangsysteme besteht darin, daß viele Zugänge in einer unbekannten, vermutlich im Mittelalter liegenden Zeitepoche absichtlich und mit gewaltigem Arbeitsaufwand verschlossen wurden. Dabei mauerte man die Einstiege nicht einfach nur zu, sondern verschloß die Gänge teilweise mit vielen Tonnen Gestein und Erde. Wollte man das Wissen um eine unbekannte vorchristliche Kultur ein für allemal aus dem Bewußtsein der Menschen löschen? Oder fürchtete man sich gar vor etwas aus den Tiefen der Erde? Irgend etwas muß damals passiert sein, denn sonst hätte man sich diese Arbeit wohl kaum gemacht.

Daß dieses Gangsystem unglaublich alt sein muß, ergibt sich schon aus der Tatsache, daß an den Eingängen zur Oberwelt der Fels, in den die Gänge gefräst worden sind im Laufe der vielen Jahrzehntausende so verwittert waren, daß sie ausgebessert werden mußten. Und hier bleibt einem der Atem weg: Diese Ausbesserungen sind eindeutig steinzeitlich. Das belegt die Bauweise und der Verwitterungsgrad der großen Steine, mit denen die Menschen die Eingänge in die Unterwelt renovierten. Die Gänge selber sind mit einer Präzision aus dem gewachsenen Bergfelsen herausgefräst worden, die gerade erst heute wieder mit modernsten Maschinen möglich ist. Die Wände sind perfekt – und sind von Tunnelbauingenieuren als hochmoderne Glanzleistung eingestuft worden … und sind doch älter als die Steinzeit. Durch ein ausgeklügeltes Belüftungssystem ist die Luft darin immer frisch. Wer hat sie geschaffe? Und zu welchem Zweck? Warum finden sich keinerlei Zeichnungen? Keine Rußspuren von Fackeln oder Feuern? Keine Rückstände einer alten Zivilisation?

Gang Steiermark Ströbl

Ganz deutlich kann man die Frässpuren an den Gangwänden erkennen und die Perfektion der Verarbeitung. Wer hat diese Gänge vor -zigtausenden von Jahren geschaffen – und wozu?

Mikroskopaufnahme Streblgang

 

Bild oben: Aufnahme mittels eines Rasterelektronenmikroskops der Karl-Franzens-Universität Graz: Zu sehen ist hier eine Probe, die von der Wand des sogenannten „Streblgangs“ (Bild darüber) entnommen wurde. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um einen von einer Werkzeugspitze abgeriebenen „Eisen“-Span, der ungewöhnlicherweise in verglastem bzw. versintertem Gestein eingeschlossen ist. Laut Materialanalyse hat man es hierbei keinesfalls mit natürlich vorkommendem Eisenoxyd zu tun, sondern mit einer Stahllegierung, die Eisen, Sauerstoff, Mangan, Aluminium, Silicium, Kalium, Calcium, Titan und Chrom enthält. In einer weiteren Probe wurde zusätzlich Molybden festgestellt.

 

Unter dem alten Kloster Vorau fanden die beiden Archäospeleologen (Altertums-Höhlenforscher) mit einem Bodenradar ein riesige, über mehrere Etagen in den Boden reichendes Gangnetz aus ältester Zeit. Hier muß eine Art „Zentrale“ gewesen sein. Die Forschungen gehen weiter, sind aber aufgrund der Tiefe, Weitläufigkeit und wegen der zugeschütteten Zugänge langwierig und kostspielig.

Unter dem Kloster Vorau scheint die „Zentrale“ dieses riesigen Gangsystems zu liegen. In mehreren Etagen verlaufen die Tunnels, die das Bodenradar ausmache konnte. Was liegt unter dem Kloster verborgen?

Sehr viele Gänge dieses riesigen Systems sind zugeschüttet, verbarrikadiert oder zerstört worden. Wer hatte beim Zuschütten der Gänge in die Unterwelt Angst vor einer Gefahr aus der Tiefe? In welcher unbekannten Bearbeitungstechnik wurden Teile der Gänge, die tiefer liegen als die mittelalterlichen Bereiche, so präzise oft durch blanken Fels geschnitten? Und warum sind diese Gänge so niedrig und schmal? Eine mögliche Antwort: Die Gänge gehen auf prähistorische Zeiten zurück, und es besteht ein Zusammenhang mit anderen ungeklärten Rätseln der Vorzeit: den Erdställen, die von Frankreich bis Tschechien zu finden sind, oder den Tausenden Menhiren, die in der Steiermark Verlauf und Zugänge des unterirdischen Gangsystems zu markieren scheinen. Muß die europäische Vorgeschichte neu geschrieben werden?

Website: http://www.tropfstein.de/kusch/_anfang.htm

Publikation: Heinrich und Ingrid Kusch, Tore zur Unterwelt: Das Geheimnis der unterirdischen Gänge aus uralter Zeit …, Stocker Verlag

Unsere Dokumentation „Tore zur Unterwelt“ könnt Ihr hier anschauen: http://quer-denken.tv/776-tore-zur-unterwelt/

Die Dokumentation kann man als DVD bestellen beim Schild-Verlag, Telefon: 06435 408 760 E-Mail: info@schild-verlag.de

Plan Stift Vorau Tore Unterwelt

Oben: Der Alte Plan, in den die Kanonenkugel eingewickelt war – und der Anfang eines unglaublichen Abenteuers …

Die uralten Lochsteine übersäen die Landschaft der Steiermark und sind oft Wegweiser für Einstiege in die Unterwelt.