Du brauchst einen Job? Wie wär’s mit Rollenspieler als Russe für NATO-Kriegseinsätze?

29. März 2017 von QUERDENKEN-REDAKTION
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29. März 2017 (Redaktion) Das „offizielle Hauptstadtportal“ Berlin.de veröffentlicht unter der Rubrik „Jobs & Ausbildung > Stellenangebote“ ein Stellenangebot für Helfer/Helferin im Veranstaltungsservice. Was die Details dieser Veranstaltung betrifft, ist zu lesen, daß ab 26. April Russisch-Rollenspieler gesucht werden für Trainingseinsätze der US-Army. Der Job: Man stellt die russische Zivilbevölkerung in Krisengebieten dar. Dadurch, so die Arbeitsplatzbeschreibung, werde ein realitätsnahes Übungsszenario für die US-Soldaten uns somit eine optimale Vorbereitung für deren Auslandsmission erreicht. Gesucht werden insbesondere Mitarbeiter mit Deutsch- und Englischkenntnissen.

Unter „Tätigkeitsbeschreibung“ ist zu lesen: Die Teilnehmer spielen kleine Statistenrollen wie z. B. ein Viehzüchter, Ladenbesitzer oder auch der Bürgermeister eines Dorfes in Afghanistan der hin und wieder auch mit den anwesenden U.S. Streitkräften vermittelt und verhandelt. Auf dem Übungsgelände sind bis zu 10 Dörfer künstlich angelegt die jeweils aus 10 bis 30 Häusern bestehen.

russische Rollenspiele NATO

Es ist unklar, warum deutsche Darsteller und die anderer Nationalitäten gute Russischkenntnisse mitbringen sollen und Russen darstellen sollen (Russisch – Rollenspieler /innen für NATO Übungen gesucht), wenn es um ein Dörfchen in Afghanistan gehen soll. Die USA-Army hat mehr als genügend Gelegenheiten in den Trockengebieten der USA für Afghanistan zu üben. In Afghanistan sprechen die Leute kein Russisch, und es gibt dort auch so gut wie keine Russen. Ebenfalls unerklärlich, warum kleine Dörfchen mit – wie es in der Beschreibung steht – Wasseranschlüssen, Toiletten, Elektrizität und Heizung ausgestattet werden, wenn es sich um die Simulation eines afghanische  Dorfes handelt, was zumeist nicht über solche Einrichtungen verfügt. („Die Häuser in den Dörfern sind mit Heizung und Elektrizität und meist auch mit Wasseranschluss (Toiletten, Waschmöglichkeit) ausgestattet.“) Auch die Umgebung paßt ganz und gar nicht zum trockenen, wüstenähnlichen, oder hochgebirgigen Afghanistan: „Die Einsätze finden durchgehend (inkl. Wochenende) auf dem Truppenübungsgelände Hohenfels (zwischen Nürnberg und Regensburg) statt.“ 

Der Truppenübungsplatz Hohenfels ist mit 160 km2 sehr groß. Der Hauptstützpunkt befindet sich im Albertshof.

Hohenfels Albertshof

Eine grüne, waldreiche Gegend, in der man sich wunderbar im Wald verstecken kann. Ganz anders, als in Afghanistan. Nördlich vom Hauptsitz Albertshof schließt sich ein großes Waldgelände mit vielen Wegen und Straßen an und einigen „Übungsdörfchen“.

Wikipedia schreibt in seinem Beitrag hierzu:

„Seit 1999 finden in Hohenfels auch komplexe Übungen mit zivilen Komparsen („Civilians on the Battlefield“, COB) für jeweils ungefähr drei Wochen statt. Während dieser Zeit halten sich die Statisten durchgehend auf dem Truppenübungsplatz auf, um die Zivilbevölkerung eines Krisengebietes (vom einfachen Farmer über geschulte Übersetzer bis hin zum hohen Regierungsbeamten) darzustellen. Durch dieses möglichst realitätsnahe Szenario üben Soldaten die interkulturelle, teils mehrsprachige Kommunikation und soziale Interaktion mit lokalen Einwohnern eines Einsatzgebietes, um so Eigenheiten und Problematiken des simulierten Landes kennenzulernen. Hierdurch werden die Soldaten für orts- und landesspezifische Probleme, Engpässe und Konflikte sensibilisiert, trainieren die Unterscheidung militärischer Ziele bzw. Bedrohungen von zivilen Personen/Angelegenheiten und üben den Umgang sowie die Zusammenarbeit mit anderen Sicherheitskräften und Hilfsorganisationen vor Ort. Die Arbeits- und Lebensbedingungen wurden von manchen Teilnehmern als inakzeptabel geschildert. Der Arbeitsrechtler Peter Wedde kennzeichnet die Arbeitsverhältnisse als „Ausbeutung pur“ und beurteilt die Entlohnung (ca. 90 Euro am Tag bei 24 Stunden Bereitschaft) als sittenwidrig.“

Übungen mit Zivilistendarstellern sind hier also gängige Praxis.

Stutzig macht dennoch die Tatsache, daß hier „russische Darsteller“ gefragt sind. Das ganze Szenario erlaubt die Vermutung, daß es sich möglicherweise um das Üben eines Einsatzes in der Ukraine oder im Donbass handeln könnte.

Galileo hat einen Beitrag über einen solchen Komparsen und die Übungen auf Hohenfels gedreht. Sehr interessant, sich das anzusehen.

US army Afghanistan

US-amerikanische Soldaten in Afghanistan