Dr. Dominique Görlitz, «Unerwünschte Archäologie»

5. August 2017 von Michael Friedrich Vogt
(59 votes, average: 3,58 out of 5)
Loading...

Dr. Dominique Görlitz im Gespräch mit Michael Friedrich Vogt auf dem 3. Quer-Denken.TV Kongreß 2016 in Bergheim

Seit den Tagen von Thor Heyerdahl (1914-2002) hat die Experimentelle Archäologie nichts an Faszination eingebüßt. Thor Heyerdahl hatte zwar unter Millionen Menschen viel Begeisterung, aber unter Wissenschaftlern nur wenig Umdenken ausgelöst. Das lag daran, dass er mit seinen Experimentalflößen nur vor dem Wind von A nach B driften, aber nicht gegen den Wind von B nach A zurücksegeln konnte.

Genau hier setzt das ABORA-Projekt an!

Es geht um empirisch beweisbare Tatsachen, dass frühe Gesellschaften sehr viel leistungsfähiger waren, ob in Technik, Seefahrt, Kartographie, Medizin etc., als wir es allgemeinhin glauben. Archäologen diskutieren dies seit mehr als 200 Jahren, aber sobald es Menschen, wie Thor Heyerdahl oder ich in der Praxis zu erforschen versuchen, sind sich alle Gelehrte sofort einig, dass dies der unwissenschaftlichste Weg ist, neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Ein erstes Beispiel – das Cheops-Projekt

Eigentlich bestand die Grundidee darin, um wichtige Fragen zum Bau und der Funktion der Großen Pyramide von Gizeh zu klären.  Doch dann kam die große Überraschung: Der ex-Antikenminister Zahi Hawass beschuldigte uns, der Zerstörung der Cheops-Kartusche (Inschrift von Pharao Cheops). Ein weltweiter Aufschrei ging nicht nur durch die Reihen der Ägyptologen, sondern auch durch die Weltpresse. Es folgten: Anklage in Deutschland und Ägypten, ein internationaler Strafbefehl über Interpol, einschließlich Hausdurchsuchung…

Während Stefan Erdmann und ich uns in Deutschland außergerichtlich einigen konnten, wurden wir in Ägypten zu 5 Jahren Haft verurteilt. Es dauerte fast 3 Jahre, um bei Interpol die Aufhebung zu erlangen. Heute haben unser Buch und unser Film tausende Menschen überzeugt, dass die ganze Angelegenheit eine Diffamierung und Inszenierung war, um die freie Bürgerforschung einzuschränken. Immerhin kommen jetzt auch die ersten deutschen Ägyptologen auf den Plan, um sich meiner Entdeckung von Eisenoxid an der Decke der Königskammer zu zuwenden!!!

Ein nächstes Beispiel – Nikotin & Cocain in ägyptischen Mumien

Parallel zu meinen ABORA Expeditionen führte ich immer auch Hochseedrift-Experimente auf den Weltmeeren durch. Ich wollte demonstrieren, dass sich Kulturpflanzen nicht unbegrenzt ohne Hilfe des Menschen ausbreiten über die Weltmeer ausbreiten konnten. In meiner Promotion habe ich vier Sippen untersucht, die diesen Sachverhalt im besonderen Maße zeigen. Das sind aus der Alten Welt – Baumwolle und afrikanische Flaschenkürbisse – und aus der Neuen Welt – Tabak und Cocain.

Diese beiden letzten Arten liefern ein sicheres Signal, dass auch in umgekehrter Richtung ein Signal in die Alte Welt zurückkam! Damit waren die großen Weltkulturen in der Alten Welt nicht nur Sender, sondern auch Empfänger wichtiger kultureller Stimulierungen. Dies wird in den Altertumswissenschaften so überhaupt nicht reflektiert! Zudem interessiert sich weder die Ägyptologie noch die Amerikanistik für diese gut fundierten Forschungsergebnisse, die ein völlig neues Licht auf die weitreichenden Handelsbeziehungen der alten Hochkulturen werfen.

 ÄHNLICH WIE BEIM CHEOPS-PROJEKT WERDEN DIESE BEFUNDE IGNORIERT ODER SOGAR TOTGESCHWIEGEN!

Das dritte Beispiel – Die Frühkartographie

Seit 2013 arbeite ich als post-doc an der TU Dresden zur Thematik früher Weltkarten. Dabei geht es um rätselhafte Karten und Globen aus der Zeit zwischen dem Ende des 15. Bis frühen 16. Jh. n.Chr. (frühe Neuzeit). Es gibt bestimmte kartographische Werke, die es eigentlich nicht geben dürfte! Sie zeigen die Westküsten von Südamerika, Jahrzehnte  bevor sie durch die Europäer überhaupt entdeckt wurden. Noch spektakulärer sind bestimmte Karten und Globen, welche die Antarktis küstengetreu 400 Jahre vor ihrer Entdeckung zeigen. Diese Werke können gegenwärtig nicht erklärt werden. Erste Ergebnisse liegen vor und zeigen, dass es sich dabei nicht um >>Phantasie-Kartographie<<, sondern um authentische Abbildungen dieser beiden Kontinente handelt.

Doch auch hier herrscht Stillschweigen unter den Forschungsgelehrten, für die diese Erkenntnisse eigentlich von größter Bedeutung sein müssten.

Warum dieses Verhalten seitens der Etablierten?

Neues hat schon immer den Argwohn von Menschen geweckt. Wissenschaftler sind in erster Linie Menschen, die ihre Arbeit und ihr Werk schützen wollen. Auch Wissenschaftler verwechseln mitunter, dass Wissenschaft keine echte Abbildung der objektiven Realität ist, sondern nur Modelle und subjektive Wiederspiegelungen. Damit ist sie keine Wahrheit -> Wissenschaft ist immer nur der aktuellste Stand des Irrtums!

Daher reagiert man wohl immer mit Argwohn und Misstrauen, wenn man etablierte Wissenschaftler mit neuen, avantgardistischen Theorien konfrontiert. Man muss wohl noch lernen, dass es sich lohnt, auch in der Forschung neue Themenfelder zu erobern Fehler zu machen.

Relevanz der ABORA Forschungen

Die ABORA-Expeditionen sind somit in erster Linie interdisziplinäre  Experimente, die die grundsätzlichen Zusammenhänge im menschlichen Verhalten erforschen. Mit der Seereise soll nicht allein die Frage beantwortet werden, wer der wahre Entdecker Amerikas war, sondern vielmehr sollen aktuelle gesellschaftliche Themen exemplarisch an Entwicklungen der frühen Hochkulturen abgearbeitet werden.

Die Zukunft ist komplex, dynamisch und schwer vorhersagbar. Wie geht unsere Gesellschaft mit diesen Herausforderungen um? Die Beantwortung dieser Frage benötigt, die richtigen Schlussfolgerungen und Erkenntnisse aus der Geschichte der Menschheit zu ziehen.

Mein Motto: Vergangenheit begreifen – Gegenwart gestalten – und in die Zukunft führen!!!

Diesen Beitrag als mp3 zum Anhören herunterladen