Die Stromrebellen: EWS – Das Schönauer Gefühl

4. Dezember 2016 von Gastautor: Marion Schumann
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04. Dezember 2016 Ein neuer Beitrag von Marion Schumann und ihrem ent-decke.net, dem online-Marktplatz für ganz besondere, kleine Unternehmer und Firmen, Bastler und  Erfinder, die neue Produkte oder Dienstleistungen für die neue Zeit für Euch haben. Diesmal ist geht es um eine Genossenschaft in Bürgerhand – die Elektrizitätswerke Schönau – die Stromrebellen. Bei den Elektrizitätswerken Schönau ist die gesamte Geschichte ein wirtschaftliches und sehr politisches Thema. Nicht jeder weiß genau was in der Vergangenheit passiert ist. Deshalb fängt das heutige Interview mit einem Rückblick auf die Geschichte der EWS an.  

Die Geschichte der EWS – Das Schönauer Gefühl 1986 kurz nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wurde in Schönau die Bürgerinitiative – „Eltern für eine atomfreie Zukunft“ gegründet. Schönau liegt im Schwarzwald und hat ca. 2.500 Einwohner. Maßgebend beeinflusst wurde die Bürgerinitiative von Ursula und Michael Sladek. 2.000 km ist keine große Entfernung für Radioaktivitat. Da lag es nahe, nach anderen Lösungen zu  suchen. Die Schönauer Bürger gründeten eine Firma, um ökologischen Strom zu fördern. Es ging um kleine Wasserkraftwerke, Blockheizkraftwerke und Photovoltaikanlagen. Der Strommonopolist, KWR – Kraftübertragungswerke Rheinfelden – hat diese Initiative nicht unterstützt und der Stadt Schönau 100.000 DM angeboten, wenn der Versorgungsvertrag vorzeitig, für 20 Jahre verlängert wird. Ökologische Forderungen der Bürger blieben vollkommen unberücksichtigt. Die Bürger stellten fest, daß es eine ökologische Stromversorgung nur geben kann, wenn Schönau das örtliche Netz übernimmt. Die Bürgerinitiative bietet der Stadt Schönau ebenfalls 100.000 DM, wenn die Stadt den Vertrag nicht vorzeitig verlängert. 1991 lehnte der Gemeinderat die Bürgerinitiative ab und eine Verlängerung mit den KWR wurde beschlossen.

Die Bürgerinitiative kündigte einen Bürgerentscheid an und gewann die Abstimmung im Oktober 1991. Im Januar 1994 wurde die EWS gegründet. 650 Bürger sind daran beteiligt. Es fehlte allerdings die Konzession, zum Betrieb des Stromnetzes. Am 20.11.1995 vergibt der Stadtrat die Konzession an die EWS. Die Zusammensetzung des Stadtrates hatte sich durch Wahlen, im Jahr zuvor verändert, und diese Entscheidung wurde zugunsten der EWS getroffen. Die Gegner der EWS bewirkten einen zweiten Bürgerentscheid. 1996 gewannen die Bürger zum zweiten Mal. Die Wahlbeteiligung lag bei 85%. Die EWS sind jetzt offizieller Energieversorger, wahrscheinlich der einzig demokratisch gewählte, allerdings ohne Versorgungsnetz.

Die KWR verlangte 8,7 Millionen DM. Doppelt so viel wie ein Gutachter errechnet hat.
Schönau hat sich für die Strategie, erst Zahlen dann Klagen, entschieden.
4 Millionen konnte die EWS aufbringen, der Rest mußte durch Spenden finanziert werden. Eine große deutsche Werbeagentur entwarf kostenlos die Störfall-Kampagne und nach einigen Monaten war das Geld eingesammelt.

Ab Juli 1997 sind die EWS in Schönau Energieversorger und beliefern inzwischen 160.000 Haushalte. Das ist eine kurze Zusammenfassung aus der DVD: Das Schönauer Gefühl. Die Reportage geht ca. eine Stunde und kann auf der EWS Website kostenlos bestellt werden. Diese Reportage ist so interessant und spannend, daß man dafür den Sonntags-Tatort eintauschen kann.

Es ist ein erheblicher Aufwand und geballter Wille notwendig um die Konzerne zu stoppen. Alle angstmachenden Prophezeiungen der Konzerne sind nicht eingetroffen und die Stromversorgung ist stabil, ökologisch und in genossenschaftlicher Hand. Schönau will Mut machen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, zu verändern und zu gestalten.
Tanja Gaudian erkärt in unserem Interview das es keine sichere Lagermöglichkeit für Atommüll gibt, wir aber weiterhin Atommüll produzieren und auch noch indirekt am Bau weiterer Atomkraftwerke beteiligt sind z.B. Hinckley Point an der Südwestküste Englands. Die Atomkraft kann ohne Subventionen vom Staat nicht gewinnbringend für die Konzerne Energie produzieren. Warum also ist der Staat an dieser Energieform so interessiert?
Es geht um den Ausstieg aus der Atomkraft, um die Kosten von 169 Milliarden EUR bis zu Jahr 2100 und darum, wer das alles finanziert. Noch nie ist ein Kernkraftwerk vollständig zurückgebaut worden und es dauert auch ca. 120 Jahre. Auch die Gewinne der Stromkonzerne werden angesprochen sowie weitere Subventionen, wie die geplante Abschaffung der Brennelemente Steuer. Natürlich geht es auch um die Arbeit der EWS Schönau selbst. Es gibt viele interessante Informationen über Stromproduzenten oder Händler, was ist ein Netzbetreiber und wie wichtig sind die Stromnetze, was kommt aus der Steckdose und wie sieht die finanzielle Situation im Hintergrund aus. Auch die alternativen Energien haben Vor- und Nachteile. Die EWS Schönau unterstützt andere Gemeinden bei der Rückführung der Stromversorgung von den Konzernen in die Kommunen.

 

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