Budgetkürzungen Bürgermedien am Beispiel Kanal TIDE 96.0

9. September 2016 von Gastautor: Marion Schumann
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09. September 2016 (von Marion Schumann) Dem Hamburgischen Bürger- und Ausbildungskanal TIDE 96.0 drohen 2017 massive Kürzungen. Diese entstehen erst einmal durch Mindereinnahmen für die Medienanstalt Hamburg / Schleswig-Holstein, bedingt durch den Wegfall der Anbieterabgabe für DVBT und eine eventuelle Senkung des Rundfunkbeitrags.
Die finanzielle Situation von TIDE 96.0 kann allerdings durch politische Entscheidungen entweder noch verschärft oder auch entscheidend verbessert werden.
Werden die Kürzungen wie geplant durchgeführt wird es zur Schließung des Bürgerradios TIDE 96.0 führen. Auch andere bundesweite Bürgermedien können betroffen sein.
Wir haben uns in diesem Interview mit dem Budget, den Rundfunkbeiträgen und den politischen Hintergründen beschäftigt und eine Petition geschrieben.
Im Januar 1984 ging das erste Bürgermedium in Deutschland an den Start. In den letzten 30 Jahren sind mehr als 170 Bürgermedien aus 14 Bundesländern dazugekommen. Heute werden dort jährlich 200 Ausbildungsplätze vergeben. Die Auszubildenen bekommen in den Bürgersendern das notwendige Rüstzeug, um später in nicht unerheblicher Zahl von den „großen“ Sendern mit Handkuß übernommen zu werden. Die Bürgermedien erreichen pro Tag zwischen 1 und 1,5 Millionen Hörer, sind unabhängig, senden werbefrei, sind gemeinnützig und dienen dem Allgemeinwohl. Finanziert werden die Bürgermedien mit weniger als 0,3% des Rundfunkbudgets von 9,6 Milliarden Euro pro Jahr.
Neben den privaten kommerziellen Sendern und den öffentlich rechtlichen, tragen die Bürgermedien zur Meinungsvielfalt bei. 
Allerdings wird die Finanzierung der Bürgermedien alle paar Jahre von der Politik oder politischen Interessen hinterfragt.
Hier erinnern wir noch einmal an die wichtigsten Merkmale, die die Bürgermedien auszeichnen:
* – Sie geben Bürgerinnen und Bürgern den chancengleichen und unzensierten Zugang zu Hörfunk und Fernsehen, – sie bieten gebührenfreie Seminare und Kurse an zum Erlernen der Radio- und TV-Produktion, – sie stellen die notwendigen Produktionsmittel – auch gebührenfrei – zur Verfügung, – sie beraten und unterstützen die Bürgerproduzenten bei ihren medialen Vorhaben, – sie vermitteln Medienbildung mit einer breiten Palette von Workshops, Projekten, Vorträgen und vielem mehr – meist in Kooperation mit Trägern schulischer, außerschulischer und universitärer Bildung, und – sie tragen zur lokalen Information bei. *(*Quelle: Bürgermedien in Deutschland, Bundesverband Offener Kanäle, Oktober 2015)
TIDE 96.0 hat sich zum größten Bürger-Radiosender der Bundesrepublik entwickelt. In keinem anderen Bürgersender machen Bürgerinnen und Bürger so viele Sendungen in so guter Qualität. Radiosendungen auf TIDE 96.0 liefern die Themen und Musik, die auf anderen Sendern keinen Platz finden.  TIDE 96.0 versetzt alle Bürgerinnen und Bürger in die Lage, ihre Anliegen selbstständig über ein Massenmedium zu verbreiten. 
Zur Zeit gestalten auf TIDE 96.0 mehr als 300 Bürgerinnen und Bürger über 130 verschiedene Radiosendungen.
Das TIDE-Budget ist (von Schwankungen der Beitragseinnahmen abgesehen) seit Gründung gleichgeblieben. Die Kosten in allen Bereichen steigen aber kontinuierlich. 

Die angestellten Mitarbeiter haben seit Jahren keine nennenswerten Gehaltserhöhungen bekommen, von einem regelmäßigen Inflationsausgleich ganz zu schweigen.

TIDE hält den Sendebetrieb zur Zeit auch mit unbezahlten Praktikanten aufrecht. Diese Praktikanten müssen nach 3 Monaten wieder vor die Tür gesetzt werden,

da TIDE keine finanziellen Mittel zur Verfügung hat, um den Praktikanten den Mindestlohn zu zahlen. Wenn sich keine Praktikanten finden, ist der Betrieb von TIDE 
auch heute schon nicht mehr in vollem Umfang gewährleistet. Deshalb geht es hier nicht nur um den Ausgleich einer drohenden Finanzierungslücke, 

sondern um die Aufstockung des TIDE-Budgets.

 

Wir würden uns sehr freuen wenn Ihr das Interview hört und die Petition unterzeichnet.
 

 

Marion Schumann www.Ent-Decke.net
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