„Bis zu meinem letzten Atemzug werde ich Bäume pflanzen“

22. Februar 2017 von QUERDENKEN-REDAKTION
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22. Februar 2017 (Redaktion) Dies ist die Geschichte eines Mannes, den man belächelt hat, und der sich ganz allein eine Aufgabe gestellt hat, von der niemand glaubte, daß es zu irgendetwas führen könnte. Die meisten von uns kennen das Gefühl. Man wird belächlet oder schlicht für nicht ganz gescheit erklärt. Aber diese Geschichte gibt Mut und macht Freude.

Sie beginnt in der Stadt Jorhat im Nordosten Indiens. Sie unterscheidet sich kaum von anderen indischen Städten. Weiter flußaufwärts am großen indischen Fluß Brahmaputra liegt die Flußinsel Majuli, eine der größten Flußinseln der Welt. Rund 150.000 Menschen leben auf dieser Insel. Die einst grüne Insel verlor seit 1970 große Flächen ihrer Landmasse wegen Bodenerosion. Wissenschaftlichen Hochrechnungen zufolge, würde in 20 Jahren die Insel Majuli vollkommen weggewaschen und verschwunden sein. Dort, am Brahmaputra, liegt mitten in kahlen Schlamm- und Sandbänken ein Wald.

Der Erzähler dieses Films ist Hobbyfotograph Jitu und er stieß ganz zufällig auf den Schöpfer dieses Waldes, Jadav Payeng. Der war erst mißtrausch und dachte, der Fremde sei Reporter und wolle in seinem Wald herumstöbern, wilde Tiere aufscheuchen und filmen oder fotografieren. Doch mit der Zeit wurden die beiden Männer Freunde. Jitu schrieb einen Artikel über Jadav Payeng und den Wald, den er seit 1979 täglich gepflanzt hat. Der Artikel machte Jadav berühmt und brachte ihm den Titel Wald-Mann ein. Sogar hochgestellte Politiker besuchten ihn.

Seit 1979 pflanzt Jadav Payeng nämlich jeden Tag Bäume. Mittlerweile ist die Fläche größer als die des Central Parks in New York. Der gelernte Baumpfleger hat es tatsächlich geschafft, die toten Flußbäke in ein grünendes, lebendiges Paradis zu verwandeln. Auch die Tiere sind zurückgekommen und haben ein Heim im Wald gefunden: 115 Tiere, Elefanten, Nashörner, Rehe und Tiger sind jetzt in dem 550 Hektar großen Wald daheim.

Heute noch geht er jeden Tag zu seinem Wald und pflanzt neue Büsche und Bäume. Er weiß genau, welche Pflanzen er auf die noch verödeten Flächen setzen muß, damit die ersten Pflanzenpioniere überleben und dann weiteren Pflanzen beim Besiedeln helfen. Doch Payeng muß auch seinen Wald beschützen, denn der schlimmste Feind sind die anderen Menschen. Sie fällen Bäume, um damit Geld zu machen, und schnell wäre der wunderbare, große Wald wieder totes Land. „Menschen nehmen sich und verbrauchen alles, bis nichts mehr übrig ist“ sagt er. „Nicht einmal die Tiger und Elefanten sind vor den Menschen sicher.“

Payengs Traum ist es, seine Heimat, die Insel Majuli und das benachbarte Jorhat wieder mit den Wäldern zu bestücken, die sie früher einmal hatten. Und er hat Ideen, wie man zum Beispiel mit Kokospalmen an den Ufern das Land befestigen könnte, so daß die schöne Insel Majuli nicht weiter abgetragen wird – und gleichzeitig die Kokosnüsse für das Einkommen der Inselbewohner sorgen könnten und Nahrung bieten würden. Schon in fünf bis sieben Jahren würde man die Ergebnisse dieser Mühe sehen und ernten können. Sogar Fachleute bescheinigen Payeng, daß seine Idee realistisch ist, und daß diese Methode den ganzen Fluß Brahmaputra entlang zu einer Wiederaufforstung, gesunder Natur und zur Enrährung und Einkommen der Anrainer beitragen würde.

Landwirtschaft und menschlicher Einfluß zerstörten die einstige natürliche Schönheit seines Zuhauses. Payeng möchte seinen Beitrag leisten und das Ökosystem wieder herstellen. Er hat eine Mission und beweist jeden Tag, daß kleine Taten über die Zeit hinweg zu etwas Großem werden können. Dieser einfache Mann sitzt vor seiner Hütte und sagt: „Schneidet nicht die Bäume ab. Es bringt Euch nicht viel, aber es stiftet großen Schaden. Ich tue, was ich kann, um Majuli zu retten.“ Er wird einfach weitermachen. „Bis zu meinem letzten Atemzug werde ich Bäume pflanzen.“