Pharmazeutische Industrie: Fast alle Studien manipuliert

8. Juli 2014 von QUERDENKEN-REDAKTION
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08. Juli 2014  Daß Pharmaunternehmen Gewinn erwirtschaften wollen ist nichts Neues und auch grundsätzlich nicht falsch. Aber daß Studien über neue, im Markt einzuführende Medikamente massiv manipuliert und geschönt werden – oder, wenn das schon nicht mehr nützt, gleich  gar nicht veröffentlicht werden ist heftig. Auch das erstaunt nicht sehr. Nur: US-Amerikanische Wissenschaftler haben bei Stichproben von 96 Studien im Vergleich zu den dazugehörigen klinischen Tests festgestellt, daß 93 von den 96 in Fachmagazinen veröffentlichten Studien mit den echten klinischen Ergebnissen wenig bis gar nichts zu tun haben.

Das ist kraß. Es wäre schon bedenklich, wenn es von hundert Studien mehr als eine wäre – aber fast alle?

Genau wie in Deutschland und den meisten europäischen Ländern kann ein Medikament nur dann auf den Markt gebracht werden, wenn es nach klinischen Studien eine Zulassung erhält. Die Regeln in den USA sind streng und die Ergebnisse der klinischen Tests müssen zugänglich sein. Um die Zulassung zu bekommen, müssen alle Einzelheiten der Tests, wie sie durchgeführt wurden und an wem, an wievielen, was genau untersucht wurde und was dabei für Ergebnisse gewonnen wurden in der Datenbank „ClinicalTrials.gov“ hinterlegt werden. Und das Ganze muß in einer Studie aufgearbeitet und dargestellt werden und in einer Fachzeitschriften veröffentlicht werden.

Die prüfenden US-Wissenschaftler besorgten sich aus der Datenbank ClinicalTrials.gov die genauen Testergebnisse von klinisch erprobten Neuzulassungen zwischen 2010 und 2011 und die dazugehörigen Fachjournal-Artikel und – siehe da! – wurden 29 Prozent solcher Neu-Zulassungen gar nicht erst in der Fachpresse veröffentlicht. Und von den erfolgten Veröffentlichungen stimmten 93 von 96 Studien nicht mit den amtlich festgehaltenen Ergebnissen der klinischen Tests überein. Und es geht nicht nur um ein paar Stellen hinter dem Komma. Es geht um die Wirkungen und Nebenwirkungen der getesteten Arzneimittel. Außerdem waren fast Dreiviertel der Studien auch noch von den Pharmaunternehmen selbst durchgeführt oder gegen Geld beauftragt worden. Man darf also getrost davon ausgehen, daß die Methodik und Ergebnisermittlung, die Probanden und die Zielrichtung der klinischen Test schon von Vorneherein so ausgelegt werden, daß es möglichst kein Risiko eines Fehlschlages gibt. Und dann wird noch herumgeschönt oder glatt gelogen – oder die Studie stillschweigend verschwinden gelassen.

Das Ganze findet nicht nur in den USA statt, das passiert auch hier. Der Fernsehbeitrag unten berichtet, wie für neue Pillen mit Fugur-Plus und Smile-Faktor geworben, das doppelt so hohe Thrombosen- und Schlaganfallrisiko aber sorfältig verschwiegen wird. Die Werbekampagne für Hormoneinnahme während der Wechseljahre pries die Kunsthormoncocktails sogar als viel gesünder für die Frauen an. Diese Therapie gegen Wechseljahresbeschwerden wurde derart gepusht, daß die Frauen breitflächig von den Ärzten davon überzeugt wurden und die Mediamente einnahmen. Jahre später stellte sich heraus, welche Katastrophen die Hormone angerichtet hatten. Von Thrombosen und Schlaganfällen bis zu weit erhöhten Gerbärmutter- und Brustkrebsraten reichte das verlockende Angebot.

Empfehlung von Quer-Denken: Etwa im Sicherheitsbereich der Pille liegt bei richtiger Einnahme die Verhütungszuverlässigkeit von wilder Yamswurzel. Hier sind tatsächlich auch noch positive Wirkungen für die Gesundheit zu verzeichnen. Und bei Wechseljahresbeschwerden kann man viel erreichen mit Traubensilberkerzen- und Rotkleepräparaten und ebenfall wilder Yamswurzel. Sogar sehr gute Wirkungen, wenn man das kombiniert. Und zwar ohne Risiko! Die Sachen gibt es rezeptfrei. (Sehr gute und günstige Präparate hierzu gibt es im Internet-Versandhandel aus Großbritannien. Sind im Selbstversuch getestet und im gesamten Freundeskreis.)

Das Österreichische Fernsehmagazin „Menschen & Mächte“ hat sich mit diesem Beitrag über die Methoden der Pharmaindustrie um die Wahrheitsfindung und die Aufklärung verdient gemacht. Bei Minute 11:45 wird es auf den Punkt gebracht. Es geht um den Profit, und solange die Entschädigungen, die an die Geschädigten Patienten gezahlt werden müssen geringer sind als der Profit, wird das Medikament weiter vermarktet.

Begleittext zum Video:

Kurt Langbein, Mitautor des Bestsellers „Bittere Pillen“, auf einem aktuellen Streifzug durch die Tricks und Täuschungen der Arzneimittelhersteller mit konkreten und hochaktuellen Beispielen, Betroffenen, Pharmaverantwortlichen und Lobbyisten.

Die Pharmaindustrie erwirtschaftet die höchsten Renditen aller Branchen, sie beherrscht die medizinische Forschung, verkauft teure Medikamente, über deren Unwirksamkeit und Gefahren sie längst Bescheid weiß. Immer wieder werden negative Studienergebnisse über produzierte Medikamente verheimlicht.

Bedenkliche Antibabypillen: Tabletten sollen Schmerzen lindern und heilen, möglichst ohne Nebenwirkungen. Das tun sie auch, aber nicht immer. „Es war, als würde ein Auto auf der Brust stehen. Dann kam es zum akuten Herz-Kreislauf-Stillstand, Atemstillstand“, erzählt Dr. Felicitas Rohrer. Die 25-jährige sportliche Frau war klinisch tot, erst bei einer Notoperation am offenen Herzen konnten sie die Ärzte reanimieren. Beide Lungen waren durch Embolien verstopft. Frau Rohrer kann ihren Beruf als Tierärztin nicht mehr ausüben und hat nun den Hersteller der Antibabypille Yasminelle geklagt. Yasminelle enthält das Hormon Drospirenon, das laut Bayer AG auch Haut und Figur verschönert. Dass allerdings das Risiko, durch die „sanfte“ Pille eine Thrombose zu erleiden, mehr als doppelt so hoch ist, wie bei den anderen Pillen, hat der Hersteller verschwiegen. In Österreich sind 38 ähnliche Fälle offiziell bei der österreichischen Agentur für Gesundheit gemeldet. In den USA haben bereits 11.000 Frauen Entschädigungszahlungen von rund einer Milliarde Dollar erstritten. Doch nicht nur Yasminelle, sondern auch Yaz und Yasmine werden weiter vertrieben.

Kritisches Mittel zur Blutverdünnung: Auch Xarelto, ein Mittel zur Blutverdünnung, das zur Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen massiv beworben wird, ist in Kritik geraten. Es führt gelegentlich zu schweren Blutungen, die kaum beherrschbar sind. Kritisches Mittel zur Blutverdünnung „Das Problem dieser Blutungen ist, dass es kein Gegenmittel gibt“, sagt Professor Hans Gombotz, Intensivmediziner am Linzer AKH. „Warum die zugelassen werden, ohne dass es ein entsprechendes Gegenmittel gibt, kann ich auch nicht sagen. Wir wissen nur, dass wir dadurch zum Teil enorme Probleme bekommen.“

Studie über Antidepressiva: Univ. Prof. Gerald Gartlehner, Leiter der Abteilung für evidenzbasierte Medizin der Donauuniversität Krems, berichtet über seine Analyse der Studienergebnisse von Antidepressiva: „Antidepressiva sind keine gut wirksamen Medikamente. Fast jeder zweite Patient spricht überhaupt nicht auf die erste Therapie an, sehr viele Patienten haben sehr starke Nebenwirkungen, die gehen von Übelkeit, Erbrechen über sexuelle Störungen bis zu ganz tragischen Nebenwirkungen wie Selbstmord.“

Jahrelang hat die Industrie negative Ergebnisse von Studien unter Verschluss gehalten. Immer noch werden jedem/r zehnten Österreicher/in solche Mittel verordnet, weil sie von der Industrie nahestehenden „Experten“, entgegen den wissenschaftlichen Erkenntnissen, befürwortet werden. Interessenskonflikte in der Ärztebranche

Langbein, der vor kurzem mit dem renommierten Axel-Corti-Preis ausgezeichnet wurde, thematisiert auch die Interessenkonflikte in der Ärztebranche. Manche Mediziner/innen, die in den Fachärztegremien für die Erstellung von Behandlungsleitlinien verantwortlich sind, stehen auch auf der Payroll der Pharmaindustrie. Insider enthüllen in der Dokumentation die Aufgaben von bezahlten Ghostwritern der Arzneimittelhersteller. Die Firmenmanager jedoch zeigen sich gegenüber den enthüllten Praktiken nur wenig auskunftsfreudig.