Worum es im Irak (mal wieder) wirklich geht

30. Juni 2014 von QUERDENKEN-REDAKTION
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30. Juni 2014 Der Vormarsch der ISIS/ISIL-Truppen im Irak löst weltweite Betroffenheit aus. Die USA, die erst die Voraussetzungen für die Ausbreitung der massakrierenden Banden geschaffen haben, geben sich entsetzt und entsenden ein Schiff, das Luftschläge gegen die militärischen Verbände der Sunniten ausführen KÖNNTE. Und angeblich geht es um einen Konflikt zwischen dem „unglücklich“ agierenden Al-Maliki und den sunnitischen Terroristen, die die einseitig schiitische Al-Maliki-Regierung erst auf den Plan gerufen habe. Doch so einfach ist das natürlich wieder mal nicht.

Die neue Terrorgruppe nennt sich selbst „Islamic State of Iraq and al-Sham“/ „Islamic State of Iraq and Syria“ (ISIS) oder auch Islamic State of Iraq and the Levant“ (ISIL). Mal taucht das eine, mal das andere Kürzel auf.

Der Eindruck, der in den Medien erweckt wird, daß es sich hier um einen konfessionellen Bürgerkrieg zwischen Schiiten und Sunniten geht, ist nur teilweise richtig. Der Journalist und Nahostexperte Aymenn Jawad Al-Tamimi schreibt hierzu auf dem MERIA-Journal (Middle East Review of International Affairs) über die Hintergründe der Tragödie, die zur Zeit die Menschen im Irak in Angst und Schrecken versetzt. Er beschreibt den Aufstieg des Al-Qaeda-Ablegers ISIS seit seiner Gründung im April 2013, den militärischen Operationen dieser Gruppe und die Verbindungen zu anderen „Aufständischen“ Gruppen der Region. Wenn gleich die Arbeit Al-Tamimis aus dem September des letzten Jahres stammt, ist sie doch äußerst aufschlußreich.

Daß die Geburtsstunde der Al-Qaeda der Krieg in Afghanistan war und eine von der CIA gesponserte Hilfstruppe „für’s Grobe“, ist mittlerweile dokumentiert und bewiesen. Sogar das Online-Lexikon „Wikipedia“ erwähnt das ganz selbstverständlich:

Zusammen mit Osama bin Laden eröffnete Abdallah Azzam 1984 in Peschawar ein Dienstleistungsbüro, um die aus den verschiedenen arabischen Ländern kommenden jungen Männer aufnehmen, betreuen und organisieren zu können, die nach Afghanistan in den Dschihad gehen wollten. Unterstützung erhielten die beiden vom amerikanischen Auslandsnachrichtendienst CIA im Rahmen der Operation Cyclone und aus mit den USA befreundeten islamischen Ländern, insbesondere durch den pakistanischen Nachrichtendienst ISI.“

Ursprünglich war die ganze Sache dazu gedacht, die Glaubenskrieger in Afghanistan gegen die Rote Armee zu instrumentalisieren, aber – wie das so ist – hat man erst einmal eine Truppe, die vor keiner Schandtat zurückschreckt, finden sich wundersamerweise immer wieder Gelegenheiten, wo sie unentbehrliche Dienste leistet.

Nun gibt es ja mittlerweile einige dieser Terrortruppen, wie die syrische Al-Nusra (die von den USA gegen Assad in Stellung gebracht, bewaffnet, bezahlt und ausgerüstet wurde) und als weitere Tochterfirma die ISIS/ISIL, die als Hilfstruppen der US-Geheimdienste und im Namen der globalen Ziele der USA massakrieren und destabilisieren. Die Kämpfer werden in geheimen Ausbildungslagern zu paramilitärischen Kämpfern ausgebildet.

Nun haben wir also wieder ein neues Produkt des US-World-Terror-Konzerns aus dem Hause Al-Qaeda: Die ISIS.

Die Gründung dieser neuen Firma fand im April 2013 statt, und wurde sowohl in Syrien als auch im Irak eingesetzt, um die geopolitischen Interessen der USA in der Region durchzusetzen. Die Gründung der ISIS wurde notwendig, weil der bunte Haufen bezahlter Aufständischer nicht in der Lage war, Präsident Assad in Syrien zur Strecke zu bringen und das Land für die USA pflückreif zu machen. Also beschloß Washington, eine neue Brigade in den Kampf zu schicken. So konnte die verdeckte Unterstützung logistisch besser bewerkstelligt werden und vom Irak aus nach Syrien hinein operiert werden.

Al-Tamimi erläutert hierzu:

April 2013 then saw the unexpected development of the announcement by ISI leader Baghdadi of a merger between ISI and JN to form ISIS. In the speech released on April 8, 2013, by ISI’s official outlet al-Furqan Media, Baghdadi described Jawlani as „one of our soldiers“ and stated that Jawlani had established his organization „from our sons.“Baghdadi went on to explain that while there had been no explicit statement of the links between ISI and JN, the time had now come to declare that JN was simply an „extension“ of ISI „and a part of it.“Thus, Baghdadi announced the „cancellation of the name Islamic State of Iraq and the cancellation of the name Jabhat al-Nusra, and the joining of the two under one name: the „Islamic State of Iraq and al-Sham.“

Übersetzung: „Der April 2013 sah dann die unerwartete Entwicklung, daß der ISI-Führer Baghdadi (Anm. d. R.: Abu Bakr al-Baghdadi) die Verschmelzung zwischen der ISI und der JN (Anm. d. R.: Jabhat al-Nusra) zur ISIS ankündigte. In der am 8. April 2013 veröffentlichten Ansprache der offiziellen Sprachrohrs der ISI, al-Furquan Media, bezeichnete Baghdadi Jawlani als „einen unserer Soldaten“ (Anm. d. R.: Abu Muhammad al-Jawlani war Anführer der al-Nusra) und stellte fest, Jawlani habe seine Organisation aus der Reine „unserer Söhne“ aufgestellt. Weiterhin führte Baghdadi aus, obwohl es keine ausdrückliche Bestätigung der Verbindung zwischen ISI und JN gegeben habe, sei nun die Zeit gekommen zu erklären, daß die JN nur ein verlängerter Arm der ISI und ein Teil von ihr sei. Auf diese Weise verkündete Baghdadi die Ungültigkeit des Namens „Islamic State of Iraq“ und die Ungültigkeit des Namens Jabhat al-Nusra und die Vereinigung der beiden unter dem Namen der „Islamische Staat des Irak und al-Sham“.

Doch – was hat die USA davon?

Das erklärte Ziel der ISIS ist ein strenges, sunnitisches Kalifat ist ganz im Interesse der USA. So können der Irak, Syrien und ein Teil der Türkei in drei Staatsgebilde zerteilt werden: Eine schiitische, arabische Republik, eine Republik Kurdistan, die sofort die Kurden im Grenzgebiet der Türkei „heimholen“ würde, und ein sunnitisches Kalifat.

Damit ist für ständigen Zunder in der Region gesorgt, in der die Instabilität kaum zu beherrschen wäre – und die USA die Regierungen gegeneinander ausspielen und nach momentaner Interessenslage unterstützen und gegeneinander hetzen könnte – immer mit einträglichen Waffenlieferungen und dem Zugriff auf’s Öl verbunden.

Schon jetzt hackt die USA zwar auf dem irakischen Präsidenten Maliki herum, versorgt ihre Marionette in Bagdad aber genauso mit modernsten Waffensystemen wie die ISIS. Fighter-Jets vom Typ F-16 ( Lockheed Martin) werden an die irakische Armee geliefert, und die Waffen zum Abschießen derselben an die ISIS. So hetzt man beide Seiten aufeinander, und hinter beiden steht die USA und ihre Geheimdienste (und die NATO). Neben einem ausgezeichneten Testfeld für US-Waffensysteme und deren Hersteller gibt es dann schon mal ein paar Ausrutscher, wie Massaker an 1700 irakischen Zivilisten. Aber – was soll’s, das sind ja nur Kollateralschäden. Wen interessieren hier schon Menschenleben?

Mittlerweile ist ja auch bekannt, daß Die USA sich fleißig mit um die Ausbildung und Rekrutierung der Kämpfer bemüht, die ganze Sache kräftig finanziert und via Geheimdienste die militärischen Operationen auch dirigiert. Auch Söldner aus dem Westen sind mit von der Partie. Aus den Emiraten, die ohne die Unterstützung des großen Bruders USA nicht mehr lange existieren würden kommt ebenfalls finanzielle Unterstützung und Sachleistungen.

Der Britische „Express“ schreibt hierzu:

„They had money and arms supplied by Qatar and Saudi Arabia. Critically they also had volunteers flooding in from across the planet with the drive and passion of the radicalised Islamist that is now so familiar. Syria became not only a cause in itself for these fighters but also a training ground for them to learn their craft: terrorism. And in the battle between extremists the most extreme and ruthless is always likely to win. Which leaves us with Isis, now the biggest and most dangerous terrorist group in the region.“

Übersetzung: „Sie hatten Geld und Waffen von Katar und Saudi Arabien bekommen. Üblerweise hatten sie aber auch Freiwillige die quer über den ganzen Erdball hereinströmten – mit dem Ansporn und der Leidenschaft der radikalisierten Islamisten, die wir heute so gut kennen. Syrien wurde nicht zur ganz eigenen „Sache“ für diese Kämpfer, sondern auch ein Trainingslager, in dem sie ihre Fähigkeiten erlernten: Terrorismus. Und in einer Schlacht zwischen Extremisten hat derjenige die besten Chancen auf den Sieg, der am extremsten und skrupellosesten agiert. Und da sind wir wieder bei ISIS, die jetzt die größte und gefährlichste Terroristengruppe der Region ist.“

Ebenso der „Daily Telegraph“:

„… mainly through allies such as Saudi Arabia and Qatar, the West supported militant rebel groups which have since mutated into Isis and other al Qaeda connected militias.“

Übersetzung: „… hauptsächlich durch Verbündete wie Saudi Arabien und Katar unterstützte der Westen militante Rebellengruppen, welche seitdem zu ISIS und anderen, der Al-Qaeda angeschlossenen Milizen mutierten.“

Der religiöse Bürgerkrieg im Irak ist hinter der Kulisse ein heimlicher, verdeckt geführter Angriffskrieg der USA, um den Irak und seine Wirtschaft, seine Ordnungsmacht, seine Infrastrukturen zu zerschlagen. Vom verwüsteten Irak aus kann der Plan „labile Regionalmächte in der Hand des Strippenziehers USA“ in die Tat umgesetzt werden. Um der Weltöffentlichkeit Sand in die Augen zu streuen, und auch im eigenen Staat keine Proteste hochkommen zu lassen, führt die USA der Welt einen religiösen Bürgerkrieg vor. Die nötige Lufthoheit in den westlichen Medien hat die USA bekanntermaßen. Darin werden dann auch die scheinheiligen Alibi-Hilfeleistungen der USA für die bedrängte Bevölkerung eingefordert und gelobt. Maliki hat versagt, weil er als Schiit die Sunniten benachteiligte und wird öffentlichkeitswirksam von der US-Regierung gerüffelt.

Ein abgefeimtes Schauspiel. Sie hetzen die Seiten aufeinander, verkaufen jeder Seite die Waffen gegen die jeweils andere und benutzen den „Ruf der Welt“ nach humanitärer Intervention, um nach Belieben die Situation aufzuheizen und dann zu „intervenieren“, wobei – ganz nebenbei – die US-Interessen in der Region verfolgt werden und die Ergebnisse zementiert.

Das Vorgehen ist erprobt und findet dauernd statt. Auch Libyen, der Jemen, Nigeria, Somalien, Mali, Pakistan und die Republik Zentralafrika wurden nach diesem Muster aufgemischt. Zur Zeit findet das in der Ukraine statt. Souveräne Nationalstaaten werden ins Chaos gestürzt, um das Einfallstor für westliche „Investoren“ aufzustoßen, oder Militärbasen der USA „erforderlich“ zu machen, die zufällig auch ins geostrategische Konzept passen. Das bedeutet nichts anderes, als daß diese Investoren sich im Tumult das Tafelsilber der Wirtschaft unter den Nagel reißen, und die staatlichen Ölgesellschaften, Goldminen, Rohstoffvorkommen, Kulturgüter etc. plötzlich amerikanischen (oder französischen / englischen) Konzernen gehören.

Und jedesmal sind es vom Westen ausgebildete und finanzierte „Terrorirsten“, die den Grund für die westlichen Interventionen liefern. So, wie zur Zeit auch in der Ukraine. Nur hier sind die faschistischen Terroristen plötzlich die „Guten“.