Unabhängig leben: Anzucht von Gemüsepflanzen (3)

20. März 2017 von Niki Vogt
(2 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...

20. März 2017 (Wiederholung vom 24. März 2016, von Niki Vogt und Stefan Doliwa) Oft genug gibt es im April ein paar frühlingshafte Tage, nach denen noch einmal kurz der Winter Einzug hält. Wie gut, wenn man seine zukünftigen Gemüsebeetbewohner im Haus geschützt und umhegt heranziehen kann, und sich nicht vor einem Totalausfall sieht. Heftige Wetterumschwünge wie „die kalte Sophie“, die „Eisheiligen“ oder die „Schafskälte“ würden sonst alle Mühen umsonst gewesen sein lassen.

Für diese kühlen, bisweilen sogar frostigen Wetterumschwünge im Frühjahr gibt es verschiedene Namen. Was verbirgt sich hinter welcher Bezeichnung? In welchem Zeitraum ist damit zu rechnen?

Die Bezeichnung „Eisheilige“ steht für eine oft erstaunlich kühle und frostige Zeit im späteren Frühjahr. Mit den „Eisheiligen“ meint man im Norden Deutschlands die Tage vom 11. bis 13. Mai. Das sind die Namenstage der drei Heiligen Mamertus, Pankratius und Servatius. In Süddeutschland verschiebt sich diese „Eisheiligenzeit“ einen Tag nach hinten, vom 12. bis 14. Mai. Dort ist neben Pankratius und Servatius der heiligen Bonifatius mit in der Liste. Regional bezieht man auch noch den 15. Mai mit ein. Das ist der Namenstag der heiligen Sophie. Kälte am 15. Mai wird daher „die kalte Sophie“ genannt.

Ein eher seltener, doch durchaus spürbarer Kälteeinbruch zwischen dem 4. und 11. Juni entsteht durch Tiefdruckgebiete über Nord- und Osteuropa. Die treiben kühle Luftströme aus der Arktis nach Mitteleuropa. Dadurch kann es selbst im Juni noch zu Temperaturen von unter 10 °C tagsüber und nachts sogar zu Bodenfrost kommen.

So einen frühsommerlichen Kälteeinbruch nennt der Volksmund „Schafskälte“. In Gebieten in Mitteldeutschland, die für diese kalten Tiefdruckgebiete anfällig sind, hat man daher die Schafe traditionell erst Mitte Juni geschoren, denn die frostigen Nachttemperaturen konnten den Tieren ohne ihren warmen Pelzmantel ziemlich gefährlich werden.

Bis zur Mitte Juni sollte man empfindliche Pflanzen am besten in Töpfen halten, um sie bei einem Kälteeinbruch in Sicherheit zu bringen.

 

Was bedeutet das für den Gärtner?

Junge Gemüsepflanzen sollten ab Mitte April (wenn es nicht ungewöhnlich kalt ist) an das Leben draußen gewöhnt werden. Was die Abhärtung von Jungpflanzen betrifft, bitte unseren Artikel hierzu nachlesen. Eingedenk der Eisheiligen sollte man etwas empfindlichere Pflanzen wie Salate, Paprika, Tomaten und Auberginen nicht vor Mitte/Ende Mai ungeschützt im Freiland einpflanzen. In mit Glas abgedeckten Frühanzuchtkästen sollte es keine Probleme geben. Wer aber keine Glaskästen oder Gewächshäuser oder Folienhauben für die empfindlichen Pflanzen hat, tut gut daran, die Gemüsekinder in Töpfen zu halten, die bei Kälteeinbrüchen nachts in die Garage gestellt werden oder einfach ins Haus geholt.

 

Wenn man solche Anzuchtkästen, die man auch selbst bauen kann, mit Glas (alten Fenstern) abdeckt, können auch späte Fröste keinen Schaden stiften.

 

Zur Zeit der Schafskälte sollten die Pflanzen schon abgehärtet genug sein, um niedrige Temperaturen zu überstehen. Sind Bodenfröste angesagt, kann man mit Stroh oder Jutesäcken oder Folienhauben schützen.

Die Jungpflänzchen in ihrer Kinderstube im Hochbeet. Hier kann man sie auch im Falle eines Kälteeinbruchs leicht mit Folie schützen.

Welche Pflanzbehälter, Minigewächshäuser und Samen geeignet sind, um eine gute und sichere Ernte zu erzielen, haben wir in den letzten zwei Artikeln zur eigenen Gemüsezucht beschrieben. Heute soll es um die Anzuchterde gehen und ein paar allgemeine Pflegetipps. Dann sollte das Gärtnerglück doch ziemlich sicher winken und bald die ersten Erfolge sichtbar werden.

Welche Erde? Die Baby-Wiege für unsere Pflänzchen Die Erde – oder das „Substrat“, in dem man die Samen zum Keimen bringt und anwachsen lässt, ist nicht unwichtig. Reine Gartenerde ist hier nicht zu empfehlen. Sie speichert nicht genügend Wasser und wird beim Trocknen meistens sehr hart und luftundurchlässig. Für die zarten Keimlinge ist das sehr ungünstig. Außerdem ist die bloße Gartenenerde oft zu fett und nährstoffreich.

Die Anzuchterde oder Aussaaterde aus den Gartenmärkten ist, was Nährstoffe und Beschaffenheit betrifft, ideal für Keimlinge. Sie ist besonders rein, enthält im Gegensatz zur Gartenerde keine Schädlinge und keine Unkrautsamen. Durch ihre leichte Konsistenz speichert diese Spezialerde sehr gut und gleichmäßig das Wasser und bleibt dennoch weich und luftdurchlässig. Auch Kokossubstrat hat sich für die Anzucht sehr bewährt.

Andererseits wird man in Krisenzeiten nicht so einfach an solche Spezialerden kommen, oder sie sind sehr teuer, weil kaum zu bekommen. Man sollte sich lieber Kenntnisse aneignen, selbst gute Anzuchterde herzustellen. Das wäre im Krisenfall auch noch ein gutes Tauschmittel. In solchen Zeiten kommt man auch nicht so ohne weiteres an Gemüsesamen. Wer also einen grünen Daumen hat, kann sich in Zeiten des Mangels ein Zubrot verdienen, indem er guten Samen produziert, Töpfchen und Anzuchterde oder gleich Jungpflänzchen herstellt und verkauft. Über samenfestes Saatgut haben wir hier berichtet. Die Liste der Bezugsquellen hängen wir noch einmal unten an den Artikel dran.

Anzuchterde selber machen Hier ist eine Anleitung, mit dem man sehr gute Aussaaterde und gute Ergebnisse bei der Vorzucht der Pflänzchen erhält:

Ein Gemisch aus reifem, gesiebten Kompost, Sand und Torf hat sich bewährt. Die Hälfte des Substrats sollte aus Torf bestehen, die andere Hälfte zum größeren Teil aus dem gesiebten Kompost und einem kleinen Teil Sand. Der Kompost stellt die Nährstoffe zur Verfügung, der Torf speichert die Feuchtigkeit sehr gut und der Sand hält die Mischung  locker. Sollte man in unruhigen Zeiten keinen Torf bekommen, kann man notfalls feines, getrocknetes Heu kleinschnipseln und unter den gesiebten Kompost und den Sand mischen. Auch weiche, krümelige Walderde von Laub-und Mischwäldern funktioniert ganz gut. (Aber nicht Walderde aus reinen Nadelwäldern!)

Nun ist es wichtig, die Anzuchterde vor dem Gebrauch zu sterilisieren. Sonst erlebt man leicht eine Überraschung, was sich so alles an Unkrautsamen, Schneckeneiern und anderen Schädlingslarven in der Mischung befindet. Es ist bitter, die ersten zarten, mühsam gehätschelten Blättchen voller Stolz zu betrachten, um dann am nächsten Morgen festzustellen, dass ein paar winzige Jungschnecken einige kostbare Pflänzchen kurz und klein geraspelt haben oder die Blättchen sich durch Schädlingsbefall zusammenrollen und absterben. Man findet die Übeltäter kaum, sie verkriechen sich ins Erdreich und fressen die Keimlinge schneller, als die wachsen können. Schädlingsbekämpfungsmittel tötet die zarten Pflänzchen gleich mit – und ist genau das, was wir ja nicht wollen.

Sterilisieren ist einfach Man gibt das fertige Anzuchterden-Gemisch in einen feuerfesten Behälter (Gansbräter, großen Stahlkochtopf, Tontopf) und erhitzt die Erde im Backofen bei 180 °C eine Dreiviertelstunde lang im Backofen. Das macht allem den Garaus, was den Pflänzchen Übles antun könnte. Auch die Unkrautsamen werden dadurch abgetötet.

Dann läßt man die Erde gut auskühlen. Sie darf wirklich überhaupt nicht mehr warm sein. Das wäre für die Gemüsesamen nicht gut. In der erkaltete Erde kann man aber ohne Bedenken Samen, Stecklinge oder Jungpflanzen kultivieren.

Man sollte wirklich keine Blumenerde verwenden oder gar Dünger. Das beflügelt nicht das Wachstum, sondern führt oft dazu, daß schon die Samenkörner faulen, und die Jungpflänzchen eingehen. Der Dünger verbrennt die feinen Würzelchen.

Hell oder dunkel? Auf den Samenpackungen ist angegeben, ob das Saatgut abgedeckt werden muss (mit einer Schicht Erde), ob es richtig in die Erde hineingesteckt wird oder ob es Licht vertragen kann. Als Faustregel gilt, dass die kleinen Samen meistens Licht vertragen oder brauchen, und die größeren Samenkörner in die Erde müssen. Sobald die ersten grünen Triebe erscheinen, brauchen die Pflänzchen allerdings auf jeden Fall Licht. Sollte es zu dunkel sein wegen schlechten Wetters und Regentagen, kann man – wie ich bereits im ersten Teil beschrieben haben, mit Spiegeln oder Alufolien die Lichtausbeute verstärken.

Beschriften nicht vergessen! Wer nicht gerade ein versierter Gärtner ist, sollte kleine Schildchen oder Aufkleber an den Pflänzchen oder den Pflanzentöpfen anbringen, was man dort gesät oder gepflanzt hat. Sonst sieht man zwar nachher erfreut die ersten Blätter, weiß aber nicht mehr, was denn da gerade heranwächst.

 

Die Artikelserie „Unabhängig leben“  wird unterstützt von www.Vorgesorgt.info

 

Empfehlenswerte Quellen für samenfestes Saatgut: Saatgut:

http://www.gruenertiger.de/

http://www.saatgutkampagne.org/

http://www.bingenheimersaatgut.de/content/de/Ueber-uns.html

http://www.schrotundkorn.de/2011/201102p01.php

http://www.immergruen-naturkost.de/samenfest.html

http://www.scharf-links.de/42.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=26963&cHash=037da6fc2f

http://www.kultursaat.org/pdf/burger11.pdf

http://www.demeter.de/verbraucher/aktuell/veranstaltungen/bnn-seminar-einzelh%C3%A4ndler-samenfestes-saatgut

http://www.gartenwelt.de/artikel/4277/neu-entdecken-gemuese-aus-grossmutters-garten/ Und hier noch eine Saatgutliste, die die keltisch-druidischen Glaubensgemeinschaft zusammenrecherchiert hat:

Deutschland: www.biogartenversand.de www.biogartenladen.de www.dreschflegel-saatgut.de www.bingenheimer-saatgut.de www.vern.de www.nutzpflanzenvielfalt.de www.raritätengärtnereimanfredhans.de www.bio-saatgut.de www.culinaris-saatgut.de/home www.waldhof.steiner-institut.de/vertrieb.html www.garten-des-lebens.de/gemuese-und-saatgut www.gruenertiger.de www.irinas-tomaten.de www.kraeuter-und-duftpflanzen.de

www.freie-saaten.org

www.saatgut-vielfalt.de (nicht bio zertifiziert, allerdings ziehen sie ihr Saatgut selbst und haben haufenweise tolle Heil- und Wildkräuter) sehr empfehlenswert!!

Schweiz: www.prospecierara.ch www.zollinger-samen.ch/de

Österreich www.arche-noah.at www.reinsaat.co.at www.samenfest.at www.bioseeds.bplaced.net/Shop