Deutschland als Lebensader Europas

30. März 2016 von Gastautor: Jean Taulier
(No Ratings Yet)
Loading...

24. März 2016 (von Jean Taulier) Verschiedene Gespräche, die ich mit Politikern, Freunden und Bekannten in letzter Zeit führen konnte, hatten die wirtschaftliche Stärke Deutschlands zu Gegenstand. Die Gesprächspartner führten die wunderbare Infrastruktur Deutschlands als Grundlage der Wirtschaftsstärke in die Diskussion ein. Unser Schienen- und Autobahnnetz, sowie die großen internationalen Flughäfen in Frankfurt und München. Auch sei der sprichwörtliche Fleiß und die gute Ausbildung unserer Facharbeiter und Ingenieure ausschlaggebend.

Die Frage, weshalb Deutschland eine wirtschaftliche Schlüsselposition in Europa hat, lässt sich an Hand dieser Faktoren allein nicht erklären, weil andere Länder in Europa auch Autobahnen, Schienennetze, Flughäfen und gut ausgebildete Ingenieure und Facharbeiter haben.

Folglich muss noch ein weiterer Grund hinzukommen, der die herausragende wirtschaftliche Stellung Deutschlands begründet. Es fragt sich, was hat Deutschland, was den anderen Staaten Europas fehlt. Die Antwort ist ebenso simpel wie einleuchtend.

Fangen wir an mit den großen Deutschen Flüssen. Industriemäßig hergestellte Güter müssen transportiert werden. Über 80 % der deutschen Produktion werden über den Rhein, seine Nebenflüsse, in Richtung Süd/Nord über den Hafen Rotterdam zur Nordsee transportiert. Der Rhein ist ab Basel schiffbar, was die starke Industrieansiedlung der Schweiz an eben diesem Ort erklärt. Kaum jemand ist sich bewusst, dass diese naturgegebene Infrastruktur entscheidend für eine industrielle Entwicklung ist.

Betrachten wir die Donau, die in Ost/West Richtung die Infrastruktur, auch über den Main–Donau-Kanal, gemeinsam mit dem Inn und seinen Nebenflüssen liefert, wird klar, weshalb Deutschland wegen seiner geographischen Besonderheiten beste Voraussetzungen für eine effektive, industrialisierte Gesellschaft bietet. Entscheidend ist zudem die Elbe, ohne die der Hamburger Hafen nicht denkbar wäre.

Die Verbindung über die wichtigste Verkehrsstraße Europas, den Nord-Ostsee-Kanal, macht Hamburg zu lebenswichtigsten Hafen für Russland. Russland importiert und exportiert seine Güter über den Hafen Hamburg. Über die Ostsee von St. Petersburg gelangen fast 70 % der Güter von und nach Russland. Der Nord-Ostsee-Kanal ist in seiner weltwirtschaftlichen Bedeutung weit vor dem Suezkanal zu nennen. Dagegen ist der Panamakanal ein Rinnsal. Einzige Alternative für Russland über das Mittelmeer in den Atlantik oder in die Nordsee zu gelangen, ist die Route von der Krim über das Schwarze Meer, durch das Nadelöhr Bosporus ins Mittelmeer. Russland und Deutschland verbinden lebensnotwendige Interessen, dazu gehört auch die Gaspipeline quer über die Nordsee.

Weder Frankreich, noch Großbritannien verfügen über eine vergleichbare Infrastruktur. Die Themse ist erst ab Landon interessant, weshalb dort die wirtschaftlich stärkste Region ausgemacht werden kann, sonst gibt es nur kleine Kanäle, die ineffektiv und ungeeignet sind, große Mengen an Industriegütern zu bewegen. Eisenbahnen und Flugzeuge sind ebenso überfordert.

In Frankreich gibt es die Seine, die 100 Km westlich bei Le Havre in den Atlantik mündet, die nicht schiffbare Loire, und die wenig effektive Rhone, die die Industrieregion Lyon mit dem Mittelmeer verbindet. Bleibt noch die Industrieregion Bordeaux, die von der Gironde am Leben gehalten wird, in dem diese durch den Medoc verläuft und bei Royan in den Atlantik mündet. In Italien fehlen solche Ströme völlig.

Folglich hat Deutschland allen Grund „hochzustapeln“. Dieser Begriff geht auf das vom Deutschen Kaiser verliehene Stapelrecht zurück, wie es Städte  Köln oder Düsseldorf hatten. Dieses Recht begründete den Reichtum dieser Städte entlang des Rheines. Alle Schiffe die diese Städte passieren wollten, mussten ihre Ladung in den entsprechenden Häfen aufstapeln und erst den Bewohnern dieser Städte zum Kauf anbieten, bevor sie mit ihren übrigen Ladungen weiterziehen durften.

Einige Kaufleute hielten, aus welchen Gründen auch immer, ihre Ladung zurück, was tiefstapeln genannt wurde, andere wiederum erweckten den Eindruck mehr Waren anbieten zu können als sie tatsächlich hatten, was zu dem Ausdruck hochstapeln führte.

Aus diesen Gründen braucht Deutschland keine Sorge um eine wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit zu haben. An uns kommt man in Ost/West Richtung und Nord/Süd Richtung schlecht bis gar nicht vorbei. Wir brauchen weder den Euro noch Brüssel. Seien wir selbstbewusst und leisten uns eine Regierung, die unsere Stärken zu unserem Vorteil, das heißt zum Vorteil des Volkes, gerecht nutzt.

Keine Bange, Deutschland ist stark.

Containerschiff auf der Elbe. So ein Frachtschiff transportiert die Ladung von 1000 bis 2000 LKWs.