Unabhängig leben: Jetzt Gemüsepflänzchen ziehen (2)

17. März 2017 von Niki Vogt
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17. März 2017 (Wiederholung vom 07. März 2016,Niki Vogt und Stefan Doliwa) In den Gärtnereien und Gartenmärkten gibt es bald die Steigen mit den vorgezogenen Gemüsepflänzchen zu kaufen. Zwischen einem und fünf Euro bezahlt man, je nach Sorte und Anbieter für die Pflanzenkinder, die dann meistens schon so weit vorgezogen sind, daß sie in milderen Regionen ins Freiland gesetzt werden können, sobald sicher ist, daß keine Nachtfröste den zarten Blättern und Stängeln den Garaus machen können. Es gibt aber gute Gründe, sein Gemüse selber aus dem Samen vorzuziehen. Die meisten gekauften Gemüsepflänzchen sind so genannte F1-Hybriden. Das sind Kreuzungen aus zwei verwandten Pflanzensorten, deren Nachkommen in erster Generation sehr ertragreich und kräftig sind. Sie haben möglicherweise viele Vorteile, aber – absichtlich herbeigeführt – einen ganz entscheidenden Nachteil: Die Samen dieser Pflanzen können nicht keimen oder bilden nur sehr schwächliche Pflanzen mit schlechten oder gar keinen Erträgen aus. So muß jedes Jahr neu nachgekauft werden, und genau das widerspricht dem Gedanken der Krisenvorsorge. Das ist ähnlich, wie bei Maultieren. Sie sind eine Kreuzung aus Pferd und Esel. Die Tiere sind geduldig, stark, ausdauernd, genügsam und geländegängig – und unfruchtbar. Daher sollte man nachfragen oder auf dem Schildchen nachschauen, ob da irgendwo „F1-Hybride“ steht. Diese Kreuzungen haben nichts mit Gentechnik zu tun. Das Gemüse ist auch nicht ungesund. Es ist aber so, daß man aus dem Samen der Früchte keine brauchbaren, neuen Pflanzen ziehen kann.

Pflanzen, aus deren Samen man kräftige, fruchtbare, neue Pflänzchen ziehen kann, nennt man „samenfeste Sorten“. Diese Nachkommen haben dieselben Eigenschaften und denselben Wuchs wie die Mutterpflanzen. Sie können auf ganz natürliche Weise vermehrt werden, indem man einige Pflanzen stehen und Samen ausbilden läßt. Oder, wenn es um die Früchte geht, manche Früchte bis zum Schluß dranläßt und erst nach der Vollreife, die Samenkörner „erntet“.

Bei Kohlarten sind es die Blütenstände, die den Samen liefern. Brokkoli zum Beispiel bildet einen Puschel kleiner gelber Blüten aus, wenn man die knubbeligen, grünen Knospenstände stehen läßt, die man normalerweise kocht und verzehrt. Kopfsalat „schießt“ in die Höhe, es wächst ein langer Stengel empor mit kleinen Blüten, aus denen die Samen heranreifen. Bei Tomaten, Paprika, Gurken und Zucchini dagegen entstehen die Samenkörner in der Frucht selbst.

Natürlich können auch passende Einkreuzungen die Ertragsfähigkeit oder Robustheit der Pflanzenart verbessern. Die Nachkommen dieser Pflanzen begründen dann eine neue Sorte, und müssen züchterisch durch Auslese und weitere Einkreuzungen bearbeitet werden, bis die Sorte ihre vorteilhaften Merkmale einheitlich in jeder weiteren Generation zuverlässig zeigt.

Samenfeste Sorten, besonders alte, regionale Sorten, haben viele Vorteile: Sie sind meist optimal auf den Standort angepasst, sowohl was die Bodenbeschaffenheit, das Klima und auch die Pflege betrifft. Weil sie nicht so anfällig sind wie moderne, auf Leistung gezüchtete Sorten, braucht man in der Regel wesentlich weniger mit chemischen Mitteln gegen Erkrankungen und Schädlingsbefall zu kämpfen, oder Kunstdünger einzusetzen. Dadurch erhält man gesündere Lebensmittel. Die Erhaltung und Weiterverbreitung von alten, samenfesten Sorten erhält die Biodiversität. Man ist unabhängig von Saatgutherstellern. Gerade in der Krise ist alles mühsam erworbene gärtnerische Können vergebens, wenn es keine Samen zur Anzucht gibt. Samenfeste Sorten wachsen meistens langsamer und bilden kleinere Früchte aus. Sie sind nicht auf Mengenertrag gezüchtet. Dafür schmeckt das Gemüse oft intensiver und aromatischer. Das Gemüsegartenprojekt Rheinland Pfalz zum Beispiel bietet solche regionalen, alten Sorten.

Wer sich also die hübsch und appetitlich bedruckten Saatgut-Tütchen oder Jungpflanzen in Töpfchen in den Geschäften und Gärtnereien für seine gärtnerischen Pläne aussucht, sollte unbedingt darauf achten, ob da irgendwo die Bezeichnung „F1-Hybride“ oder „Hybridsorte“ steht. Das ist im Prinzip ein im Erbgut schon eingebauter Sortenschutz, und  man kann ziemlich sicher sein, daß es sich um nicht vermehrungsfähige Pflanzen handelt oder die Nachkommenschaft keine brauchbaren Erträge erzielt.

Besondere Vorsicht ist bei der Bezeichnung CMS-Hybriden geboten. Dahinter verbirgt sich letztendlich gentechnisch verändertes Saatgut oder Jungpflanzen. (Die Abkürzung CMS bedeutet „cytoplasmatische männliche Sterilität). Bei diesem Verfahren werden Pflanzen durch Zellfusion gekreuzt, also nicht durch normale Befruchtung. CMS-Hybrid-Pflanzen sind männlicherseits vollkommen steril. Im Bio-Anbau ist die Verwendung dieses Saatgutes verboten.

Der Mangel an samenfesten Saatgut bei Gemüse ist nach Ansicht der Fachleute in der Bio-Branche schon zu einem Problem geworden. Michael Fleck, der Geschäftsführer des Vereins Kultursaat e. V., der sich dem Erhalt solcher, meist traditioneller, bäuerlicher Sorten verschrieben hat, sieht den Handlungsbedarf bei den Gemüsepflanzen sehr unterschiedlich.

Besonders bei Kohlarten liegt der Anteil der Hybridsorten üblicherweise fast bei 100%. Auch Gemüse wie Paprika, Zucchini und Tomaten sind hauptsächlich Hybriden. Salat und Kürbis sind selbst bei konventionellen Anbauern und Züchtern noch samenfeste Sorten. Bei Möhren, Spinat und roter Beete liegt der Prozentsatz der vermehrungsfähigen Pflanzen immerhin noch bei 20 %.

Es gibt diverse Anbieter, die samenfestes Saatgut anbieten, zum Teil auch Seminare und Lehrgänge hierzu, wie man aus den Gemüsepflanzen im Garten die Samen für das nächste Jahr gewinnt. Züchter wie „Bingenheimer Saatgut“, „samenfest“ oder „Bantam“ verkaufen solches Saatgut, aber auch die Bioläden. Dann gibt es noch Saatgutfonds wie die Zukunftsstiftung Landwirtschaft „GLS Treuhand“.

Wer sich mit den alten und regionalen Gemüsesorten einmal etwas näher beschäftigt, stellt fest, dass es sehr viel mehr Gemüsearten gibt, als heute in den Supermärkten angeboten wird: Pastinaken und Portulak, Steckrüben, Mangold, Eiskraut, Navetten, Butterrüben und Wurzelpetersilie bieten vollkommen neue Geschmackserfahrungen, die sich lohnen zu entdecken!

Im nächsten Artikel werde ich das Thema Anzuchterde und Pflege behandeln, damit aus den guten Samenkörnern auch kräftige Pflänzchen werden!

Kohlpflänzchen Sämling

 

http://www.gartenbauvereine-landkreis-kelheim.de/Kreisverband_T3/index.php?id=27#c425

http://magazin.gartenzeitung.com/Gartenwissen/gemuese-blumen-samen.html

http://www.meinkleinergarten.de/Samen-richtig-Saeen-3.html

http://www.wallstreet-online.de/ratgeber/haus-und-immobilien/aussenbereich/anzuchtkaesten-zum-vorziehen-der-saat-vor-der-saison

http://www.garten-in.de/blumen-pflanzen/pflanzen-ziehen-im-fruehling-anzuchtkaesten/

http://www.hausgarten.net/gartenforum/obst-und-gemuesegarten/54024-kostenloser-anzuchtkasten.html

Saatgut:

http://www.gruenertiger.de/

http://www.saatgutkampagne.org/

http://www.bingenheimersaatgut.de/content/de/Ueber-uns.html

http://www.schrotundkorn.de/2011/201102p01.php

http://www.immergruen-naturkost.de/samenfest.html

http://www.scharf-links.de/42.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=26963&cHash=037da6fc2f

http://www.kultursaat.org/pdf/burger11.pdf

http://www.demeter.de/verbraucher/aktuell/veranstaltungen/bnn-seminar-einzelh%C3%A4ndler-samenfestes-saatgut

http://www.gartenwelt.de/artikel/4277/neu-entdecken-gemuese-aus-grossmutters-garten/

 

Deutschland: www.biogartenversand.de www.biogartenladen.de www.dreschflegel-saatgut.de www.bingenheimer-saatgut.de www.vern.de www.nutzpflanzenvielfalt.de www.raritätengärtnereimanfredhans.de www.bio-saatgut.de www.culinaris-saatgut.de/home www.waldhof.steiner-institut.de/vertrieb.html www.garten-des-lebens.de/gemuese-und-saatgut www.gruenertiger.de www.irinas-tomaten.de www.kraeuter-und-duftpflanzen.de

www.freie-saaten.org

www.saatgut-vielfalt.de (nicht bio zertifiziert, allerdings ziehen sie ihr Saatgut selbst und haben haufenweise tolle Heil- und Wildkräuter) sehr empfehlenswert!!

Schweiz: www.prospecierara.ch www.zollinger-samen.ch/de

Österreich www.arche-noah.at www.reinsaat.co.at www.samenfest.at www.bioseeds.bplaced.net/Shop