„Es ist im Islam verboten …“

19. Februar 2016 von QUERDENKEN-REDAKTION
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Über 120 orthodoxe, sunnitische Immame und Gelehrte auf der ganzen Welt haben gemeinsam ein islamisches Rechtsgutachten, eine so genannte Fatwa, verfaßt. Dieses Gutachten aus berufenem Munde verurteilte schon 2014 die Lehren Grausamkeiten des „Islamischen Staates“ aufs Schärfste. Dies ist eine offizielle Stellungnahme höchster islamischer Theologen gegen die Ideologie des selbst ernannten Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi und den „Islamischen Staat“.

Offenbar wollten einige hochstehende Muslimische damit Gelehrte aufzeigen, daß der IS und seine Ideologen ein grausamer, fanatisch verblendeter Auswuchs sind und nicht „den Islam“ verkörpern. Ähnlich entartet gebärdete sich das Christentum in Zeiten der Inquisition im inneren der christlichen Völkerschaften Europas. Man schätzt, daß damals Millionen Unschuldige als angebliche Hexen, Zauberer, Ketzer und Häretiker grausam hingerichtet wurden. Aber auch IS-ähnliche Überfälle auf andere, nicht-christliche Völker – zu Zwecken der Bekehrung der „Heiden“ – sind von Europa ausgegangen, man erinnere sich an die Kreuzzüge und die Missionen nach Südamerika. Die „Ungläubigen“ mußten sich damals entweder taufen lassen und dem Kreuz unterwerfen oder wurden massenhaft getötet. Der IS kann als die islamische Variante davon gesehen werden.

Die Wandbilder des Künstlers Diego Rivera im Präsidentenpalast in Mexiko illustrieren recht deutlich, daß die spanischen Invasoren im Land der Azteken mit ähnlicher Bestialität wüteten, wie heute der IS im nahen Osten:

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Die Gefolterten mit den weißen Spitzhüten links werden noch mit frommen Gebeten ins Feuer begleitet, am Bildrand links unten ist dargestellt, wie die Invasoren – von ihren religiösen Anführern ermutigt -, die Frauen der Indios massenhaft vergewaltigten, um den Stolz des Volkes zu brechen und den „Genpool“ auszulöschen.

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Es sind die ewig gleichen Unmenschlichkeiten, die von verrohten Eroberern ausgeübt werden, vollkommen gleichgültig, in welcher religiösen Mission.

Umso mehr sollte die Stimme der Menschlichkeit und Vernunft, die aus dieser Fatwa klingt, in der Welt gehört werden.

Die Unterzeichner der hier wiedergegebenen Fatwa aus dem September 2014 gehören zur sunnitischen Orthodoxie. Viele von ihnen sind einflußreiche ägyptische Theologen, darunter Großmufti Scheich Shawqi Allam. Ebenfalls in der Liste der Unterzeichner finden sich hochrangige Hochschullehrer der angesehenen Al-Azhar-Universität. Weiterhin unterschrieb auch der Mufti für Jerusalem und Palästina die Fatwa. Imame und Theologen aus den Arabischen Emiraten sind genauso vertreten wie Gelehrte aus Indonesien und Indien, Marokko, Tschad, Tunesien, Pakistan, dem Irak und dem Sudan als auch Theologen und Gelehrte aus der westlichen Welt. Selbst in Saudi-Arabien, das bekanntermaßen den IS unterstützt, hatte ein islamischer Theologe den Mut, die Fatwa zu unterzeichnen. Das Religions-Rechtsgutachten geht im Einzelnen auf die Ideologie des IS, auf die Takfiri-Doktrin und die absolutistischen Dogmen der Ideologen des IS ein. Er zitiert die Dogmen der IS-Apologeten und widerlegt diese aus dem Koran heraus und aus der Hadith (Geschichten, Sprüche und Taten des Propheten Mohammed). Das Gutachten ist in arabischer Sprache verfaßt.

Am Ende des Gutachtens gibt es eine Zusammenfassung in 24 Thesen, die hier unten zu lesen ist.  Die Übersetzung stammt vom Verein für islamische Bildung und interkulturellen Dialog. Der gesamte deutsche Text der Fatwa ist unter madrasah.de zu lesen.

 

„An Dr. Ibrahim Awwad al-Badri alias ,Abu Bakr al-Baghdadi‘. An die Kämpfer und Anhänger des selbst ernannten ,Islamischen Staates‘.

 

27. September 2014 1. Es ist im Islam verboten, ohne die dafür jeweils notwendige Bildung und Kenntnis zu haben, Fatwas (Rechtsurteile) zu sprechen. Sogar diese Fatwas müssen der islamischen Rechtstheorie, wie sie in den klassischen Texten dargelegt wurde, folgen.

Es ist ebenfalls verboten, einen Teil aus dem Koran oder eines Verses zu zitieren, ohne auf den gesamten Rest zu achten, was der Koran und die Hadithe über diese Angelegenheit lehren. Mit anderen Worten gibt es strikt subjektive und objektive Vorbedingungen für Fatwas. Bei der Sprechung einer Fatwa, unter Verwendung des Korans, können nicht ,die Rosinen unter den Versen herausgepickt‘ werden, ohne Berücksichtigung des gesamten Korans und der Hadithe.

2. Es ist im Islam vollkommen verboten, Recht zu sprechen, wenn die arabische Sprache nicht gemeistert wurde.

3. Es ist im Islam verboten, Scharia-Angelegenheiten zu stark zu vereinfachen und festgelegte islamische Wissenschaften zu missachten.

4. Es ist im Islam (den Gelehrten) gestattet, Meinungsverschiedenheiten über bestimmte Angelegenheiten zu haben, außer in all jenen, welche als die Fundamente der Religion gelten, die allen Muslimen bekannt sein müssen.

5. Es ist im Islam verboten, bei der Rechtsprechung die Wirklichkeit der Gegenwart zu missachten.

6. Es ist im Islam verboten, Unschuldige zu töten.

7 .Es ist im Islam verboten, Sendboten, Botschafter und Diplomaten zu töten; somit ist es auch verboten, Journalisten und Entwicklungshelfer zu töten.

8. Dschihad ist im Islam ein Verteidigungskrieg. Er ist ohne die rechten Gründe, die rechten Ziele und ohne das rechte Benehmen verboten.

9. Es ist im Islam verboten, Menschen als Nichtmuslime zu bezeichnen, außer sie haben offenkundig den Unglauben kundgetan.

10. Es ist im Islam verboten, Christen und allen „Schriftbesitzern“ – in jeder erdenklichen Art – zu schaden oder sie zu missbrauchen.

11. Es ist eine Pflicht, die Jesiden als Schriftbesitzer zu erachten.

12. Die Wiedereinführung der Sklaverei ist im Islam verboten. Sie wurde durch universellen Konsens aufgehoben.

13. Es ist im Islam verboten, die Menschen zur Konvertierung zu zwingen.

14. Es ist im Islam verboten, Frauen ihre Rechte zu verwehren.

15. Es ist im Islam verboten, Kindern ihre Rechte zu verwehren.

16. Es ist im Islam verboten, rechtliche Bestrafungen sowie Körperstrafen ohne das korrekte Prozedere, welches Gerechtigkeit und Barmherzigkeit versichert, auszuführen.

17. Es ist im Islam verboten, Menschen zu foltern.

18. Es ist im Islam verboten, Tote zu entstellen.

19. Es ist im Islam verboten, Gott – erhaben und makel-los ist Er – böse Taten zuzuschreiben.

20. Es ist im Islam verboten, die Gräber und Gedenkstätten der Propheten zu zerstören.

21. Bewaffneter Aufstand ist im Islam in jeglicher Hinsicht verboten, außer bei offenkundigem Unglauben des Herrschers und bei Verbot des Gebets.

22. Es ist im Islam verboten, ohne den Konsens aller Muslime ein Kalifat zu behaupten.

23. Loyalität zur eigenen Nation ist im Islam gestattet.

24. Nach dem Tod des Propheten – Frieden und Segen seien auf ihm – verpflichtet der Islam niemanden, irgendwohin auszuwandern.

Im Namen Gottes, des Allbarmherzigen, des Allgütigen. Preis sei Gott, dem Herrn der Welten. Frieden und Segen seien auf dem Siegel der Propheten und Gesandten.“