Schäuble/Rogoff: Pat und Patachon des Finanzsystems

10. Februar 2016 von Gastautor: Jean Taulier
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(von Jean Taulier)  Am 21. 09.2013 berichtete der Spiegel, dass unser Bundesminister der Finanzen, Wolfgang Schäuble, sein Wissen über Staatsschulden, Sparpolitik und die Abschaffung des Bargeldes von Kenneth Rogoff, einem amerikanischen Volkswirt, bezieht. Im Folgenden sind zwei verheerende Tatsachen zu attestieren. Erstens, der von Finanzsystemen ahnungslose Jurist Schäuble hat die Weisheiten Rogoffs eins zu eins umgesetzt. Zweitens, Rogoffs wissenschaftliche Ergebnisse beruhen auf elementaren Rechenfehlern. Ein Student konnte dem „exzellenten Wissenschaftler und Schachprofi“ glasklar nachweisen, dass seine Studienergebnisse auf Annahmen beruhen, die allesamt haltlos sind.

Diese grundlegenden Fehler in seinen Excel-Tabellen musste Rogoff zwar einräumen, was aber keineswegs dazu führte, dass er seine These überprüfte oder revidierte, doch dazu mehr im Weiteren.

Alldessen vollkommen ungeachtet stellte Schäuble den Haushalt des Deutschen Bundestages ausdrücklich auf Grund dieser nachweislich unhaltbaren Behauptungen von Rogoff völlig falsch und zum Nachteil des Volkes auf. Das so geschaffene Steuersystem sieht die übermäßige Belastung der unteren Einkommen zugunsten der oberen Einkommen vor. Auch die Kosten der illegalen Einwanderung werden so auf die Schultern der unteren Einkommen gelegt.

Totalversagen auch bei der erzwungenen Sparpolitik Griechenlands, die zum Ausverkauf des Tafelsilbers des Staates Griechenland führte und die Bevölkerung Griechenlands in die Verarmung trieb. Gelernt hat Schäuble nichts. Er will nun die zweite Wahnidee Rogoffs umsetzen, nämlich die Abschaffung des Bargeldes. Er übernimmt die Argumentation Rogoffs, dass Steuerflucht und Geldwäsche unmöglich gemacht werden.

Das ist natürlich Unfug.

Die Bargeldabschaffung und die Begrenzung der Barzahlungsobergrenze auf zukünftig 5000 Euro findet ihren Grund in dem beklagenswerten Zustand des Finanzsystems, das nur noch durch immer niedrigere Zinsen und immer mehr billiges Luftgeld daran gehindert werden kann zusammenzubrechen. Die ersten Banken führen schon Negativzinsen ein. In der Schweiz sind Negativzinsen bereits Usus. Das Resultat liess nicht auf sich warten. Pensionsfonds und grosse Firmen haben ihr gesamtes Kapital in Bar von den Banken abgehoben, um die Kosten der Negativzinsen zu vermeiden und riesige Bargeldbestände in ihren Tresoren eingelagert. Der Zahlungsverkehr unter diesen großen Fonds und Firmen findet zum Teil über Geldboten statt. Die Privatkunden der Banken mit Negativzinsen gehen ebenfalls dazu über, ihre Vermögen in bar abzuheben und zu Hause zu lagern. Dies ist fraglos ein gravierendes Problem für die Banken. Nicht nur, dass sie das Kapital ihrer Einleger nicht mehr zur Verfügung haben, sie erleiden dadurch auch eine drastische Kürzung ihrer Kreditvergabemöglichkeiten.

Mit der Bargeldabschaffung und der Barzahlungsobergrenze geht es also lediglich darum, dass die Banken gerettet werden, die über maximal 6 % Eigenkapital (bisher) verfügen. Heben die Kunden das Bargeld ab, wird die Eigenkapitaldecke der Banken papierdünn, was die Insolvenz nach den geltenden Bilanzrichtlinien zur Folge haben wird. Darum geht es, sonst nichts.

Betrachten wir einmal den „brillanten Wissenschaftler“ Rogoff, dessen Thesen und Behauptungen Grundlage dieser Finanzpolitik sind. Kenneth Rogoff

Rogoff erhielt seinen Bachelor und Master an der Yale University summa cum laude und der Auszeichnung Honors in Economics. 1980 verlieh ihm das Massachusetts Institute of Technology den Grad eines Ph.D. Sein Dissertationsthema lautete „Essays on Expectations and Exchange Rate Volatility“.

Von 1980 bis 1983 arbeitete er als Volkswirt beim Board of Governors des Federal Reserve System. Von 1982 bis 1983 war er im Research Department des Internationalen Währungsfonds. Von 1985 bis 1988 war er Associate Professor an der University of Wisconsin–Madison. Seine erste Professur erhielt er 1989 an der University of California at Berkeley. 1992 wechselte er an die Princeton University, an der er für sieben Jahre den Lehrstuhl für Außenwirtschaft leitete. 1999 wechselte Rogoff an die Harvard University, an der er seitdem eine Professur für Public Policy innehat. 2001 bis 2003 war er zusätzlich Chefökonom und Wissenschaftlicher Direktor des IWF.

Rogoff gilt als Ökonom mit einer marktfreundlichen Denkrichtung. Er publiziert seit Anfang der 1980er Jahre in großem Umfang zu Fragen der Wirtschaftspolitik und des internationalen Finanzwesens. Seine Schwerpunkte hierbei sind Wechselkurse, internationale Verschuldung und internationale Geldpolitik. Sein 1983 herausgegebene Schrift zu Wechselkursen, in der er nachwies, dass Ökonomische Modelle nicht fähig sind, den Wechselkurs genauer als das Random Walk Modell nachzubilden, gilt bis heute als bahnbrechend.

2001/2002 geriet Rogoff in eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz, einem früheren Chefökonom der Weltbank. Die Auseinandersetzung wurde getragen von Stiglitz‘ Kritik an der Politik des IWF. Als Antwort auf die Vorwürfe Stiglitz‘ schrieb Rogoff einen offenen Brief.

Rogoff beurteilt die Erholung der US-Wirtschaft kritisch, so prognostizierte er im August 2008 zur Entwicklung „das Schlimmste kommt noch“ und den Kollaps großer US-Banken. Er hat zudem die Geschichte von Finanzkrisen untersucht und über sie ein Buch geschrieben.

Kontrovers diskutiert wird seit 2013 sein zusammen mit Carmen Reinhart veröffentlichter Essay „Growth in a Time of Debt“. Dieser im Mai 2010 erschienene Beitrag kommt zu dem Schluss, dass das Wirtschaftswachstum einer Volkswirtschaft sich dann stark verringere, wenn die Verschuldung auf mehr als 90 Prozent des Bruttoinlandsproduktes steige. Rogoff war zu dieser Aussage gekommen, nachdem er Wirtschaftsdaten der vergangenen 800 Jahre aus insgesamt 66 Ländern analysiert hatte. Dieser Beitrag wurde von vielen Politikern aufgegriffen, um Austeritätsmaßnahmen zu begründen.

Thomas Herndon, Volkswirtschaftler und Doktorand an der Universität Massachusetts, analysierte die mit Microsoft Excel verarbeiteten Daten und kam zu dem Ergebnis, dass die Excel-Tabelle von Rogoff und Reinhart Fehler enthielt. So bemerkte er, dass Rogoff und Reinhart einige Daten in ihrer Studie sehr merkwürdig gewichtet und einzelne Länder, die trotz hoher Schulden kräftig gewachsen waren (v.a. Neuseeland), ausgeklammert hatten. Auch wurden aufgrund eines Fehlers in den Excel-Formeln einige Daten in der Berechnung nicht berücksichtigt. Nach der Berechnung von Herndon brach das Wirtschaftswachstum auch bei einer Verschuldung ab 90 Prozent des Bruttoinlandsproduktes nicht ein.

Kritik an der Arbeit von Rogoff kam unter anderem vom Nobelpreisträger Paul Krugman. Es wurde u.a. angemerkt, dass die Kausalität umgekehrt sei, Länder hätten deshalb eine hohe Staatsverschuldung, weil sie ernsthafte wirtschaftliche Probleme haben. Rogoff wurde vorgehalten, dass er mit seinen Excel-Fehlern Austeritätspolitik unterstützt und so hohe Arbeitslosigkeit verursacht habe.

Rogoff entgegnete, dass sein Fehler zwar peinlich sei, an den zentralen Forschungsergebnissen allerdings nichts ändere. Eine hohe Staatsverschuldung könne sich negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken. Problematisch an der Diskussion sei auch, dass die Studie von einigen Politikern und politischen Aktivisten verschiedener Lager übertrieben dargestellt worden sei. So sei der Eindruck entstanden, als hätten sie einen einfachen Zusammenhang zwischen Staatsschulden und Wirtschaftswachstum behauptet und sich generell und undifferenziert für Austeritätsmaßnahmen ausgesprochen. Die Frage, ob hohe Staatsverschuldung von geringeren Steuereinnahmen und langsameren Wirtschaftswachstum herrührt, oder ob hohe Staatsverschuldung Wirtschaftswachstum verlangsamt könne nicht pauschal beantwortet werden. Er glaubt, dass die Kausalität grundsätzlich in beide Richtungen gehen kann, ohne dass man da eine allgemeingültige Aussage treffen könne.

Barry Eichengreen ist der Ansicht, dass Reinhart und Rogoff in ihrer ursprünglichen Analyse nuanciert und vorsichtig gewesen seien. Die daraus abgeleiteten politischen Schlüsse von Olli Rehn und Paul Ryan seien aber fahrlässig gewesen, hier hätten Reinhart und Rogoff widersprechen müssen.

2014 schlug Rogoff die Abschaffung des Bargeldes vor und pries die Vorteile einer bargeldlosen Wirtschaft an. Bargeld, so Rogoff, würde die Kriminalität begünstigen. Zentralbanken könnten leichter negative Zinsen durchsetzen, Steuerflüchtige und andere Kriminelle hätten es bei bargeldlosem Geldverkehr schwerer. Dieser Vorschlag wird neuerdings auch in Deutschland diskutiert – v.a. Landes-Datenschutzbeauftragte und Verbraucherschützer beginnen sich seither mit dem Thema zu befassen.

Sehr interessant ist auch ein Beleuchten des Hintergrundes von Herrn Professor Rogoff, seinen Förderern und Auftraggebern. Darüber werde ich den geneigten Leser in folgenden Artikel informieren.

 

Quellen: https://de.wikipedia.org/wiki/Kenneth_S._Rogoff http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-113750764.html

 

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