Stühle, Tische und Lampen – frisch vom Feld

9. Februar 2016 von QUERDENKEN-REDAKTION
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Das Geld wächst nicht auf den Bäumen, sagt ein Sprichwort, aber aus Bäumen können Einrichtungsgegenstände wachsen – und damit kann man wohl ziemlich gut Geld verdienen. Das macht jedenfalls ein britischer Designer. Seine Stühle, Tische und Lampen läßt er aus Bäumen wachsen. Nun ja, die Briten sind für ihre Spleenigkeit bekannt. Die gewachsenen Designermöbel sind jedenfalls sehr interessant und als Alterantive zum Abholzen, Sägewerken und Möbelfabriken durchaus faszinierend.

Der britische Designer Gavin Munro jedenfalls wollte das übliche Vorgehen des zerteilen von Baumstämmen in Bretter und konventionelle Möbelschreinern durchbrechen. Er setzt junge Bäume und formt sie im Wachstum – ähnlich wie bei Bonsais – zu Möbeln. Wenn die Gewünschte Form erreicht ist, wird das fertige Möbelstück “ geerntet. Dabei wird an dem Möbel nichts mehr gesägt, geschnitten oder geschraubt. Es ist so gewachsen.

Munro begegnete als Kind einem Bonsai-Baum, den ein Witzbold in die Form eines Stuhls getrimmt hatte. Das beeindruckte den kleinen Kerl tief. Nach seiner Lehre als Möbelschreiner und einem anschließenden Kunststudium als Möbel-Designer, entdeckte er die Möglichkeiten, aus Treibholz ausgefallene Möbelstücke anzufertigen.

Die Firma von Gavin Munro trägt den Namen „Full grown“ – „Ausgewachsen“, und der Name gibt das Prinzip wieder. Munro will sein Konzept als ein neues Überdenken unserer Beziehung zu Bäumen und zur Zeit verstanden wissen. Er möchte der umweltschädlichen Praxis von Massenproduktion und flächendeckendem Abholzen ganzer Wälder eine andere Denke entgegensetzen. Der Prozeß, gleich Möbel wachsen zu lassen ist weniger aufwendig und umweltschädlich, zumal ein Baum, dessen erzeugtes Möbelstück „geerntet“ wurde, wieder ausschlagen kann und nach dem Rückschnitt verjüngt, ein neues Möbel produzieren kann – oder einfach frei wachsen.

„Wozu Bäume 80 Jahre lang wachsen lassen, um sie dann abzuholzen und in kleine Stücke zu zerteilen, um Möbel zu machen?“ fragt er. Nach Berechnungen von „Full Grown“ brauchen seine gewachsenen Stühle nur ein Viertel der Energie, die bei der Herstellung von konventionellen Stühlen benötigt wird. Außerdem werden eben nicht ganze Wälder gerodet und das mit viel Energieaufwand in Bretter gesägte Holz muß danach mit noch mehr Energieaufwand in Trockenkammern zur Lagerung und Weiterverarbeitung fertig gemacht werden.

Dazu kommt noch, daß jedes Stück ein Unikat ist. Jeder Stuhl wächst auf eine eigene Art heran, keiner ist dem anderen genau gleich.

Was die selbstwachsenden Möbel denn so kosten, will der Munro noch nicht verraten. Bisher werden die Möbel frisch vom Feld eher Kunstobjekte gesehen und gekauft denn als Gebrauchsgegenstände. Die Preise bewegen sich, so gibt er zu, auch noch eher im Kunstgegenstand-Bereich. Das soll sich aber bald ändern. Eines Tages würden diese Möbel eine bezahlbare Alternative zu industriellen Erzeugnissen, meint der Designer und Baumbieger.