Wird die Ukraine im Spätsommer aufgeteilt?

8. Februar 2016 von Niki Vogt
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 Aus der Ukraine, genauer aus den Kreisen des Geheimdienstes der Donezker und Luhansker Volksrepubliken, gibt es Informationen, daß die Situation so nicht mehr haltbar ist. Es scheint immer deutlicher zu werden, daß man die Volksrepubliken, die gegen Kiew erbitterten Widerstand leisten nicht besiegen oder zerschlagen kann, daß Putin sich einfach nicht zu einem Angriff hinreißen lassen wird, man aber auch nicht einfach die Sache beilegen kann, und daß die Opfer und die Kosten für eine Fortsetzung des Krieges kaum noch zu leisten sind. Es muß aber ein Ergebnis her. Was also wäre der Plan B?

Nach einem Bericht auf der gut informierten Seite DONINews planen die USA im April/Mai, die Ukraine vollkommen „umzukrempeln“. Dabei haben sie nicht nur einen Wechsel der Regierung in Kiew auf der Agenda (was uns auch von unseren ukrainischen Kontakten so gesehen und bestätigt wird), sondern auch offenbar eine Zerteilung des Landes. Hier unsere Zusammenfassung dieses sehr interessanten Berichtes.

Das neue Konzept hat ganz einfache Gründe. Während des Kalten Krieges antizipierte die Militärdoktrin der USA, daß man in Zukunft einen großen und zwei lokale Kriege werde führen müssen. Beim Untergang der Sowjetunion und dem Abspalten einiger ehemaliger Sowjetrepubliken, waren die Amerikaner gezwungen, ihre Doktrin den neuen Verhältnissen anzupassen. Man werde wohl von nun an sich darauf einstellen müssen, drei lokale Konflikte gleichzeitig beherrschen zu können. Die Erfahrungen bis zum Jahr 2000 mit all den Umstürzen, die bis dahin erfolgreich absolviert wurden, ließen die USA davon ausgehen, daß sie nur noch zwei lokale Konflikte beherrschen müsse. Diese Vorstellung war falsch.

Zur Zeit müssen die USA vier lokale Konflikte managen: den Mittleren Osten, den Konflikt im südchinesischen Meer, die Ukraine und Europa.

Die Ukraine und Europa sind eine große Belastung. Es gilt, in Europa (EU) die TIPP-Vereinbarung mit allen Mitteln durchzusetzen, um die Völker Europas in die Sklaverei und Ausbeutung für die USA zu zwingen, doch die Völker erweisen sich als ungeahnt störrisch. In der Ukraine läuft es auch nicht so, wie das beabsichtigt war. Genau die Gebiete mit Erdgas und Kohle und Öl – und direkt vor der Grenze zu Rußland konnten die USA nicht einfach einnehmen und ausbeuten. Dieser kräfte- und nervenzehrende Konflikt geht ins dritte Jahr und macht den Eindruck, als könnte es noch lange dauern. Auch die beabsichtigte Provokation Putins zum Einmarsch in die Ukraine funktioniert nicht.

Also stellt sich die Frage, wie aus dem Dilemma herauszukommen ist. Hier gibt es zwei widerstreitenden Interessengruppen.

Das eine sind die Interessen der großen transnationalen Konzerne (in dem Artikel Transcons genannt), das andere die US-amerikanische, nationalen Elite, genauer: Der Militärisch-Industrielle Komplex.

Die Transcons haben keinerlei emotionale oder geschichtliche Bindung an Amerika. Die USA sind für sie einfach ein Gebilde, das ihren Interessen zur Zeit (noch) dienlich ist und sie benutzen zur Durchsetzung ihrer Interessen und Profitsuche gern die US-Army und die Waffen. Sie sind aber nicht an die USA gebunden. Ihre Firmensitze, Personal, und das Kapital ist auf der ganzen Welt an den günstigsten Punkten disloziert. Den „Transcons“ ist es gleichgültig, ob die USA und der Dollar untergeht oder sogar vollkommen verschwindet.

Für die natioale Elite (im Artikel ‚Patrioten‘) steht die USA an erster Stelle. NIcht nur, daß für den Militärisch-Industriellen Komplex eine gut ausgestattete Army und Sicherheitskräfte im Land die Existenz bedeutet. Im Gegensatz zu den Transcons sind alle ihre Firmen, Produktionsmittel und -stätten in den USA. Für diese Gruppe, einschließlich des amerikanischen Militärs ist die Stärke und Größe der USA das Wichtigste.

Die Ukraine hat einen tiefen Graben zwischen die beiden mächtigen Gruppen gezogen: So kann es nicht weitergehen, die Lage ist für beide Gruppen auf Dauer unhaltbar. Die einzige Gemeinsamkeit, die sie noch haben ist, daß man die Ukraine nicht so lassen kann, wie sie ist. Zuallererst, heißt es, werde man Anfang Frühling eine neue Aufruhr-Situation in der Ukraine schaffen, die in der Absetzung der Regierung münden soll. In der Tat sieht man bereits, daß es in Kiew Verwerfungen gibt. Die Stimmung muß also angeheizt werden. Dazu drücken die USA in Kiew die Annahme eines neuen Staatshaushaltes 2016 durch, der im Volk auf jeden Fall für Aufruhr sorgen wird, soviel kann man jetzt schon sehen. Das Volk wird diese neuen Schikanen nicht mehr hinnehmen, weil es keinerlei Reseven mehr hat und jetzt schon Not leidet.

Die auf Betreiben der USA in Angriff genommene Reform der Polizei erweist sich ebenfalls als äußerst destruktiv. Ausgebildete, erfahrene Polizisten werden entlassen. Stattdessen werden vollkommen unausgebildete und unfähige Leute in die Polizei aufgenommen. Das Volk vermutet jetzt schon eine Polizei unfähiger Regimegünstlinge. Das Kalkül dahinter ist aber ein anderes: Sobald die nächsten Maidan-Aufstände einsetzen, werden diese inkompetenten Greenhorns aus der neuen Polizeiakademie vollkommen versagen, wenn sie nicht gleich die Flucht ergreifen. Der neue Maidan wird so gelenkt, daß die USA eine neue Regierung einsetzt, und damit den Weg frei hat, die Ukraine nach den Interessen der großen amerikanischen Machtgruppen „umzugestalten“. http://www.politaia.org/wp-content/uploads/2016/01/ukraine_nachher.jpegDer Militärisch-Industrielle Komplex und die Transcons sollen angeblich zur Zeit verschiedene Modelle diskutieren, wie mit der Ukraine nach einem erneuten Umsturz zu verfahren sei. Es soll sich das folgende Szenario als das Wahrscheinlichste herauskristallisiert haben:

In einer Zentralukraine, einem Rumpfstaat, übernimmt die faschistische Rechte, Asow-Bataillon, Swoboda, Samopomosch etc. die Regierung. Die Führung würde übertragen an Biletsky, der Gründer des ASOW-Bataillons und Parlamentsabgeordneter und/oder Nalyvaychenko oder Sadovoy, der Bürgermeister von Lemberg und Führer der Partei Samopomosch übernehmen.

Der ukrainische Südosten, also der Donbass mit den Donezker und Luhansker Volksrepubliken, soll eine Art Protektorat Rußlands werden. Aus diesem Grund, so berichtet DoniNEWS, komme Kerry des öfteren in die Ukraine. Dabei wird die USA darauf pochen, daß die Donbass-Republiken nicht direkt an Rußland angeschlossen werden, sondern einen ähnlichen Status erhalten, wie beispielsweise Abchasien und Südossetien. Ob diese Lösung allerdings halten wird, ist eine große Frage. Wer will verhindern, daß nach bereits kurzer Zeit die Leute dort mit russischen Fahnen auf die Straße gehen, um sich Rußland anzuschließen? Andrey Knyazev, der Interviewpartner dieses Gespräches, bezweifelt, daß das „Drehbuch“ der Amerikaner so aufgeht und erinnert daran, daß die USA damals durch den Übertritt der Krim zu Rußland eine schwere Schlappe einstecken mußten. Sie hatte vorgehabt, die Krim als amerikanische Militärbasis direkt an Rußlands Flanke aufzubauen. Seiner Einschätzung nach werden die Amerikaner daher ein sehr wachsames Auge auf Odessa haben. Sie werden unter allen Umständen verhindern, daß Odessa in den Einflußbereich Rußlands gerät. Es sei, so Knyazev, der einzige Ort, an dem die Amerikaner eine große Marinebasis direkt vor Rußland aufbauen können. „Sie werden um Odessa bis zum Tode kämpfen“ prognostiziert er.

Weitere Gebiete am Rande der Ukraine sollen nach den Informationen von DoniNEWS an die Nachbarstaaten angeschlossen werden: die Bukowina an Rumänien, Transkarpatien soll an Ungarn fallen und Galizien soll an Polen angegliedert werden. In diesen Regionen sollen schon jetzt amerikanische Gesandte und  verschiedene politische Gruppierungen vorbereitend aktiv sein. Auch private Söldnergruppen sollen in den Vorbereitungen eingesetzt werden.

Die Amerikaner haben dabei aus den Erfahrung von der Krim gelernt. Sobald die Pläne in die Tat umgesetzt werden, wird man nicht lange den Dingen ihren Lauf lassen, sondern plakativ und mit viel Pathos den „Willen des Volkes“ umsetzen und auf einer Woge der Zustimmung polnische, ungarische und rumänische Fahnen in den jeweiligen Gebieten hissen. Die Zustimmung der Krimbewohner, an der es nichts zu deuteln gab, machte es damals für die USA unmöglich, überzeugend von einer brutalen Annexion durch Rußland zu sprechen. Das simple Gegenargument ‚Die Menschen haben es doch so gewollt‘, war nicht auszuhebeln und setzte Rußland schon moralisch ins Recht. So etwas strebt man in der USA offenbar als Handlungs-Blaupause für die Neuaufteilung der Ukraine an. Bis zum Spätsommer 2016 soll der Plan vollkommen umgesetzt sein. Die beginnenden Präsidentschaftswahlen in den USA sollen von diesen Dingen nicht beeinflußt werden. Ein neuer Präsident darf nicht mit dem unschönen Erbe des Ukraine-Desasters belastet werden.

Es ist also in sehr naher Zukunft mit einem Maidan 2.0 zu rechnen, mit ernsthaften Unruhen, ungezügelter Gewalt und vielen Toten. Um so einen schwerwiegenden Schritt, wie die Zerteilung eines Landes durchzuziehen, muß schon etwas Großes aufgeführt werden. Das Volk wird wieder sehr leiden müssen.