Der seltsame Fall um Lisa F.

26. Januar 2016 von Niki Vogt
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26. Januar 2016 (Redaktion) Der Fall der 13jährigen, deutschrussischen Schülerin Lisa F. aus Berlin zieht immer weitere Kreise. Das Mädchen war auf dem Weg zur Schule verschwunden und wurde 30 Stunden später auf der Straße wieder aufgegriffen. Die Familie ist geschockt und sagt, das Mädchen sei von drei Ausländern entführt und vergewaltigt worden. Die Polizei sagt, es habe weder eine Entführung noch eine Vergewaltigung gegeben, allenfalls einvernehmlichen Sex. Nun hat sich der russische Außenminister Lawrow in den Fall eingeschaltet und sehr unverblümt gesagt, daß er der Darstellung der Polizei nicht glaube und daß er einen besseren Schutz der Frauen und Mädchen der russisch-deutschen Bürger einfordert. Das russische Fernsehen brachte einen Beitrag.

 

Welche Darstellung nun stimmt, können wir nicht beurteilen.

Es ist zwar nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich, daß:

  • eine 13jährige einfach so für 30 Stunden für ein wildes Sexabenteuer verschwindet,
  • und dann eine solche Räuberpistole erzählt,
  • daß die ganze Familie und Verwandschaft die blauen Flecken und Spuren von Mißhandlungen erfindet,
  • Daß die gesamte Verwandschaft lügt, wenn sie sagt, daß das Kind ohne Beisein der Eltern oder Verteter des Jugendamtes stundenlang von der Polizei verhört wurde, das ist ja nachprüfbar und muß im Protokoll stehen. War das Kind allein, wäre das ein schwerer Fehler der Polizei

Das Mädchen soll drei Stunden verhört worden sein, bis sie angeblich ihre Aussage zurückgezogen und zugegeben hat, es sei einvernehmlicher Sex gewesen. Ein so junges Mädchen ist verhörenden Polizisten nicht gewachsen. Sie hätte vo einer einfühlsamen Spezialistin für Kindesmißbrauch befragt werden müssen.

Es soll durch einen Arzt festgestellt worden sein, daß ein Sexualakt stattgefunden hat

Aber auch dann, wenn es keine Entführung und Vergewaltigung durch drei fremde Männer war, sondern das junge Ding verführt wurde, ist ein Sexualakt mit einer 13jährigen immer noch Kindesmißbrauch. Das ist strafbar. Wird dem nachgegangen? Gibt es eine Anzeige?

Am 11. Januar verschwand das Mädchen. Heute, zwei Wochen später am 26. Januar, nachdem der russische Außenminister Lawrow sich einschaltet, wird gemeldet, daß die Staatsanwaltschaft sich der Sache angenommen hat. Mußte es erst Proteste, Demonstrationen und diplomatische Nachfragen von höchster Stelle dazu geben, damit die Sache überhaupt in Gang kommt?

Warum widmen mehrere russische Sender dem Thema soviel Aufmerksamkeit, besonders in Verknüpfung mit der Flüchtlingsproblematik? Heute im MDR-Radio gab es dazu einen sehr beleidigten Kommentar, ein Beitrag zu dem Fall im russischen Fernsehen habe die Situation in Deutschland fälschlicherweise so dargestellt, als wäre keine Frau und kein Mädchen mehr sicher auf Deutschlands Straßen. Überall seien zugewanderte, Sexual-Triebtäter. Der Bericht im russischen Sender habe Bilder zusammengeschnitten, die so nicht zusammengehören und das Ganze mit tragischer Musik unterlegt.

Zwar ist es schon sehr seltsam, daß gerade die deutschen Medien weinerlich über eine unfaire, emotionalisierte und nicht ganz saubere Darstellung deutscher Verhältnisse jammern, wo sie doch selbst tagtäglich mit diesen Mitteln arbeiten, wenn es darum geht, Mißliebige(s) zu diffamieren. Und das machen sie hierzulande noch weitaus skrupelloser. Wenn andere das machen, wird gegreint.

Aber die Absicht dahinter ist interessant. Will man die russische Bevölkerung dafür sensibilisieren, was auf sie zukommt, wenn man zu viele Flüchtlinge ins Land läßt? Will man durch solche Beiträge sie Zustimmung zum russischen Syrien-Einsatz verstärken? Bereitet man die russische Gesellschaft darauf vor, daß Rußland möglicherweise in Europa eingreift, um die Völker Europas wieder zu stabilisieren, weil man keine radikal-muslimische Umzingelung Rußlands haben will? Weil ein destabilisiertes, zerstörtes Europa beim Projekt „Neue Seidenstraße“ ausfiele? Weil diese offensichtliche Schwäche des deutschen Merkel-Staates eine Möglichkeit für Rußland bietet, EInfluß zu gewinnen?

Auch der Umstand, daß Außenminister Lawrow persönlich sich einschaltet spricht dafür, daß hinter dem Spielen dieses Themas noch eine ganz andere Absicht liegt. Lawrow bemängelte, dass die Nachricht über Lisas Verschwinden aus „irgendwelchen Gründen zurückgehalten“ worden sei. Er sagte: „Es ist absolut klar, dass das Mädchen nicht freiwillig für 30 Stunden verschwand. Hier müssen die Freiheit und Gerechtigkeit herrschen. Ich hoffe sehr, dass die Migrationsprobleme nicht zum Versuch führen, die Realität wegen ‚political correctness‘ und innenpolitischer Zwecke zu beschönigen.“

Lisa Fisenko

 

 

Zum Thema:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/berlin-lawrow-zu-angeblicher-vergewaltigung-von-13-jaehriger-a-1073933.html

http://www.tagesschau.de/ausland/lawrow-angebliche-vergewaltigung-101.html

http://de.sputniknews.com/politik/20160126/307367527/mutmaliche-vergewaltigung-lawrow-fordert-gerechtigkeit.html