Bericht aus der Ukraine 23

21. Dezember 2015 von QUERDENKEN-REDAKTION
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21. Dezember 2015 (von unseren Quellen in der Ukraine) Manchmal ist es ein Wunder, daß die Strukturen eines öffentlichen Lebens, des Handels und der einigermaßen normalen Lebensführung in der Ukraine noch aufrecht erhalten werden können. Wir haben hier ein paar Berichte, die das ein wenig illustrieren können.

So besuchte der militärische Anführer im Donbass, Alexander Sachartschenko, einen ganz normalen Wochenmarkt. Hier können Bauern, Kleinbauern und ganz normale Leute, die einen Gemüsegarten haben, ihre Ernte verkaufen, aber auch Kleidung, Hausratgegenstände usw. Um den Menschen das Leben zu erleichtern, die Preise unten zu halten und vor allem, um den Kleinsthändlern einen Stand auf den Märkten zu ermöglichen, hatte Sachartschenko angeordnet, die Standgebühren deutlich zu senken. Doch nicht überall halten sich die Marktleiter daran und stecken sich gern mehr in die Tasche.

So auch der Marktleiter von Solowki. Pech für Ihn, daß Sachartschenko ausgerechnet seinen Markt besuchte und sich umhörte. Der Besuch hatte für den Marktleiter unangenehme Folgen. Es ist bekannt, wer sich den Anordnungen der Führung des Donbass widersetzt und korrupt ist, wird zum Dienst an der Gemeinschaft gegen die „Verbrecher-Armee“, die regulären Truppen Kiews, an die Front eingezogen. Der Marktleiter, der die Anordnung zur Senkung der Standpreise nicht einhielt und sich bereicherte, wurde in die Nähe von Spartak an die Front geschickt. Eigentlich war er zu 3 Monaten ”verdonnert” worden, doch angesichts der Tatsache, daß er eine Frau und zwei Kinder hat, wurde die Strafe auf 30 Tage verkürzt.

Ein Video zeigt, wie sich Sachartschenko mit seinen Leuten  auf einem solchen Markt umschaut. Eine Kundin an einem Gemüsestand beschwert sich bei Sachartschenko und seinen Leuten, daß man nicht wissen kann, ob die Waagen an den Ständen denn das Gewicht richtig anzeigen: „Es gibt nirgendwo eine Kontrollwaage, man kann nicht das genaue Gewicht ermitteln,“ beschwert sie sich. Schwupps, zieht Sachartschenko seine Pistole aus dem Halfter und legt sie auf die Waage. Er weiß, daß diese, aus dem Jahr 1943 stammende Feuerwaffe im vollgeladenen Zustand von 940 g wiegt,  legt die Pistole auf die Waage des Marktstandes: „Sie lügt,“ stellte der Anführer der DVR A. Sachartschenko fest. „Eine Pistole kann nicht mehr wiegen, als sie wiegt, richtig? Schau, um wieviel – um 15 Gramm!“ (Ganz genau betrügt die Waage tatsächlich um 17 g, da die Pistole ”nur” 938 g wiegt.) Auch eine andere Pistole, deren Gewicht dem Besitzer bekannt ist, zeigt dieselbe Diskrepanz:

 

Nach den Vorfällen auf dem Markt in Solowki gibt Sachartschenko ein Interview zu den Bemühungen, trotz bisweilen schwieriger Versorgungslage die ”Preisregulierung” in Donezk für Grundnahrungsmittel durchzusetzen, um den Menschen eine ausreichende Versorugung zu ermöglichen. Uns „Westlern“ mit prall gefüllten Supermärkten mag die Methode seltsam erscheinen und etwas zu sehr an das stalinistische Rußland erinnern, oder an die DDR-Rhetorik. Die Leute dort vor Ort sehen diese Vorgehensweise als eine wirksame Methode, Wucherpreise, Schwarzmarkt und Korruption im Zaum zu halten. (Video mit deutschen Untertiteln)
Krim- Stromkabel-Unterbrechung durch US-Hilfstruppen Durch die Sprengung Anfang Dezember der Hochspannungsmasten für die Stromversorgung der Krim durch US-gesteuerte Tartaren, deren Anführer als Abgordneter in der Kiewer Rada sitzt, und durch Mitglieder der Rechtsradikalen Parteien der Ukraine,  wurde nicht nur die Stromzufuhr auf die Krim unterbrochen, sondern auch der Großteil der Südukraine war lange von der Stromzufuhr abgeschnitten. Die meisten Gebiete dort sind heute noch ohne Strom, ein unglaubliches Eigentor der Kiewer Regierung.

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Was noch bedenklicher ist: Insgesamt stehen in der Ukraine 16 Atomkraftwerke aus Zeiten der Sowjetunion. Seit dem vom Westen vollzogenen „Regime-Change“ in der Ukraine 2014 werden die Atomkraftwerke nicht mehr von der Russischen Förderation gewartet, da Kiew alle Wartungsverträge gekündigt hat. Es werden keine Wartungen mehr an den Atomkraftwerksanlagen durchgeführt, sondern es wird nur noch repariert. Für die Wartung der Atommeiler fehlt das Geld. Brennstäbe werden seit der „Maidan-Umsturzzeit“ von einer amerikanischen Firma geliefert. Die Brennstäbe sind allerdings mit der russischen Atomtechnik nicht kompatibel und so kommt es laufend zu Störungen. Das Ganze ist ständig ein Ritt über den Bodensee und kann jeden Tag schiefgehen. Dem „demokratischen Westen“ ist diese Tatsache bekannt. Aber man finanziert lieber den Genozid in der Ostukraine, als die Kiewer US-Statthalter zu zwingen, für die Sicherheit der Atommeiler zu sorgen.
Gestern, 20. Dezember 2015: Kämpfer ukrainischer nationalistischer Gruppierungen haben am Abend den Beschuß von Spartak, des Gebiets um das Volvo-Zentrum und des Territoriums des ehemaligen Donezker Flughafens wieder aufgenommen. Dies teilte heute eine Quelle aus den bewaffneten Einrichtungen der DVR mit. „Gegen 21:00 haben ukrainische Truppen das Feuer auf Spartak, den Flughafen und das Volvo-Zentrum“ eröffnet“, sagte der Gesprächspartner der Agentur und erklärte, daß der Gegner von den Positionen in Peski und Opytnoje unter Anwendung von Granatwerfern des Kalibers 82mm, kleineren Granatwerfern und Schußwaffen angreift.
Lug-info.com/rusvesna.su: „Pressekonferenz des stellvertretenden Leiters des Stabs der Volksmiliz der LVR Oberst Igor Jaschtschenko (Zusammenfassung mehrerer Meldungen) „Um 23:50 am 19. Dezember wurden auf die Positionen der Volksmiliz im Gebiet von Weselogorowka aus Richtung Troizkoje durch die Kiewer Truppen 25 Granatgeschosse mit 120m-Granatwerfern abgeschossen. In den letzten 24 Stunden ist dies schon der zweite Granatbeschuss auf unsere Positionen bei Troizkoje“, sagte er. Jaschtschenko sagte, dass „die Situation im Verantwortungsbereich der Volksmiliz sich nicht wesentlich geändert hat und als stabil angespannt bezeichnet werden kann“. „Die rechtsradikale Organisation „Rechter Sektor“ übt weiterhin Druck auf die Regierung der Ukraine aus. Ihre Vertreter rufen offen in den ukrainischen Massenmedien zur Wiederaufnahme der Kämpfe auf dem Territorium des Donbass auf, zur Wiederherstellung der Kontrolle über die ukrainische Grenzen und zur militärischen Lösung des Konflikts“, teilte Jaschtschenko mit. „Unsere Kräfte befinden sich in ständiger Bereitschaft zur Abwehr möglich Versuche der Destabilisierung der Lage durch die ukrainische Seite, unabhängig davon, wer sie unternehmen wird – nationalistische Formationen oder reguläre Einheiten und Truppenteile der ukrainischen Streitkräfte. Wir werden unsere Republik gegen eine mögliche Aggression verteidigen“, versicherte er.“
donbas-ripZu den faschistischen Bataillonen: Seit September ist eines der berüchtigsten, faschistischen Strafbataillone der Ukraine im Dienste der Kiewer Regierung, das Bataillon „Donbass“ nicht mehr existent. Mit ungefähr 340 Kämpfern versuchte dieses, als besonders grausam verschriene, Bataillon am 19. August, die Stadt Ilowajsk zu erstürmen. Die Einheiten verschanzten sich in der Stadt. Sie gerieten auf diese Weise in eine Falle, die dann als der erste der berühmten “Kessel” in den aufständischen Gebieten bekannt wurde. In eine solche Umzingelung gerieten damals eine große Zahl an Soldaten des regulären ukrainischen Militärs, ausländische (westliche) Söldner und und diverse, der Kiewer Regierung zugehörigen, meist faschistischen Strafkorps.

Die letzten bekannten Aufnahmen des Bataillons stammen aus der Schule von Ilowajsk. Kurz darauf wurde diese Schule von den Milizen der Volksrepublik Donezk eingenommen. Von 340 Mann des „Strafbataillons Donbass“ (Emblem links) haben sich im September die Überlebenden – 20 Mann – den Volksrepublik-Milizen ergeben. Der Kommandeur des Bataillons, Semjon Semjontschenko, hatte genug Schneid, sich aus dem Krankenhaus (wo er nach einer Verletzung behandelt wurde, die er sich am 19.08. in Ilowajsk zuzog) wieder zurück nach Ilowajsk zu begeben, um dort das Ende seines Bataillons mit dem Rest seiner Männer zu erleben. Sein Stellvertreter vor Ort und ein paar weitere Angehörige des Bataillons flohen.

Semjontschenko und seine Anhänger beschuldigen indirekt Poroschenko, er habe das Bataillon (und einige mehr, die in den Kesseln eingeschlossen waren) bewußt verbluten lassen. Die Kiewer Regierung hatte nämlich trotz mehrfacher Ankündigung nicht einmal versucht, die eingekesselten Militärs zu versorgen, und war offensichtlich auch nicht an einer Freilassung oder Verhandlungen darüber mit der Volksrepublik interessiert. Das geschah nicht ohne Grund: Die Freiwilligenbataillone werden mehr oder weniger alle von Kolomojski finanziert und ausgerüstet. Poroschenko sieht den Oligarchen Kolomojski als seinen schärfsten Konkurrenten und hat großes Interesse daran, dessen Milizen aus dem Weg zu schaffen. Daß Poroschenko und Kolomojski zum Beispiel um Odessa und andere wirtschaftlich interessante Regionen und Unternehmen der Ukraine gegeneinander einen verdeckten Krieg führen, ist ein offenes Geheimnis.

Hier das letzte Video des Bataillon Donbass in der Schule von Ilowajsk: