Der Dritte Weltkrieg – die Schachfiguren purzeln durcheinander

25. November 2015 von Niki Vogt
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Der Abschuß des russischen Jets und die Folgen

25. November 2015 (Kommentar von Niki Vogt) Als die Nachricht von dem Abschuß des russischen Kampfjets durch türkische Jagdflieger kam, hielt die Welt den Atem an. Selbst die selig schnarchenden Schlafschafe hoben erschreckt die Köpfchen und rissen die Augen auf: Was passiert denn jetzt? Daß die äußerst fragile Lage um Syrien ein Pulverfaß ist, das schon durch einen Funken zur Explosion gebracht werden kann, merken selbst die Narkoleptiker unter den Politikdarstellern und Bürgern. Aber wer hat hier welche Interessen und wem nützte dieser verantwortungslose Anschlag?

Blamage hoch drei für die NATO

Die erste Reaktion des „Westens“: Man schaltete gar nicht erst das Hirn ein, hielt sich auch nicht unnötig mit Tatsachenüberprüfungen auf und bestätigte sofort, daß der russische Jet über der Türkei abgeschossen worden sei und daß man fest auf der Seite des NATO-MITGLIEDS Türkei stehe. Putins Reaktion war gefaßt und kontrolliert, wenngleich ihm auch der unterdrückte Zorn bei seiner Stellungnahme anzusehen war.

Heute muß die USA kleinlaut zugeben: Die türkische Regierung hatte gelogen und der russische Jet war nicht über türkischem, sondern über syrischem Territorium abgschossen worden. Er hat – wenn über haupt, nur sekundenlang türkischen Luftraum berührt. Es gab keine Sekunde eine Bedrohung der Türkei. Die mit einem Fallschirm abspringenden Piloten wurden noch in der Luft beschossen. Ein Pilot wurde erschossen. Das ist ein Kriegsverbrechen.

Ebenfalls heute legt der russische Präsident eine Glanzvorführung in politischem Aikido hin:

Zuerst beklagte gestern ein Sprecher der russischen Regierung, daß man nicht damit gerechnet habe, im Einsatz gegen den IS von der Nato behindert zu werden. Dann schlägt Putin einen gemeinsamen Generalstab der USA, Rußlands und der Türkei vor. Das ist ein Angebot, das der Westen nicht ablehnen KANN. Es ist so offen großmütig, daß Putin damit den Westen beschämt. Er kann nun nicht mehr Rußland als Aggressor bezichtigen. Die Welt bekommt vorgeführt, daß Putin an Frieden interessiert ist, einen hinterhältigen, verlogenen Angriff eines NATO-Mitglieds nicht mit gleichen Mitteln beantwortet. Sondern nur das tut, was er sagt: Den IS bekämpfen, was der Westen stets vorgab zu tun, aber „nicht geschafft“ hat. Schachmatt für den Westen – insbesondere der Türkei –  in dieser Angelegenheit. Erdogan mußte offenbar auch noch eine Vergatterung allererster Güte von Obama einstecken.

Der türkische Regierungschef steht nicht nur als Meuchelmörder, Kriegstreiber und Lügner da. Rußland bezichtigte die Türkei unverblümt, Komplize des Terrorismus zu sein. Das hehre „westliche Bündnis“ hat jetzt zum ersten Mal offiziell und handfest den Vorwurf „Terrorismusunterstützung“ auf dem Tisch. Die Frage, wer hier eigentlich die Schurkenstaaten sind, geht immer deutlicher zu Lasten der NATO unter Führung der USA aus.

Rußland hat nun die Rechtfertigung, den Zerstörer „Moskva“ vor der syrischen Küste zu stationieren, und weitere Angriffe auf die russische Luftwaffe wirksam zu verhindern. Ein Zerstörer bedeutet im Prinzip samt aller Begleitfahrzeuge eine kleine Kriegsflotte. Weiterhin wird jede Operation fürderhin von Kampfflugzeugen begleitet.

 

Das „Westliche Bündnis“ im Notmodus

Auch hier spielt die Zeit für Rußland und seine Verbündeten. Das seltsame Agieren der NATO ist ein Indikator dafür, daß das einst mächtige Atlantische Bündnis als Ganzes und in seinen Teilen im Notmodus agiert, und daß die einzelnen Mitglieder völlig entgegengesetzte Interessen haben, die umso krasser zutage treten, je angespannter die Lage wird.

Die Türkei hat überhaupt kein Interesse daran, daß Rußland in Syrien den IS/ISIL wegfegt und die „moderaten Terroristen“ gleich mit. Denn die Türkei unterstützt mehr oder minder heimlich die islamistischen Terrorgruppen gegen Assad. Das ist mittlerweile bekannt. Erdogan will Assad genauso wegfegen wie die Neocons in Washington, den Konkurrenten Syrien auschalten und zur stärksten, islamistischen Regionalmacht aufsteigen. Dadurch könnte die Türkei unangefochten und gnadenlos die seit Langem schwelenden Konflikte mit den Kurden gewaltsam beenden und sich noch Teile Syriens einverleiben.

Westeuropa hat wiederum größtes Interesse daran, daß in Syrien und der gesamten Region Frieden einkehrt und die Völkerwanderungen an Flüchtlingen gestoppt werden, ja, daß die geplagten Menschen wieder sicher in ihre Heimat zurückkehren. Dafür wäre Rußland der ideale Verbündete, das darf Europa aber nicht, weil das nicht im Interesse Washingtons ist.

Denn der massenhafte Wegzug von Syrern, insbesondere der jungen Männer, schwächt die syrische Armee und die Widerstandskraft Assads und stärkt die von Erdogan und Washington eingerichtete und hochgepäppelte IS/ISIL-Schlächtertruppe, die ihrerseits offenbar nicht wirklich versteht, wessen Handlanger sie ist. Die Flutung Europas mit Flüchtlingen destabilisiert den gesamten Kontinent, was ebenfalls ein Teil des großen Plans der Globalisten in Washington ist.

Und was Erdogan zupaß kommt. Nicht nur, daß er drei Milliarden dafür bekommt, durchziehende Flüchtlinge in der Türkei abzufangen und in Lagern zu behalten. Nicht nur, daß er so die EU, namentlich Deutschland, dazu erpressen und nötigen kann, der Türkei einen EU-Beitritt nicht länger zu verwehren. Damit kann er anschließend auch noch den massenhaften Zuzug von Türken nach Deutschland in Gang setzen und den türkischen Einfluß hier noch enorm verstärken – und gleichzeitig hofft er, an die Fleischtöpfe der EU zu kommen.

 

Die Luft wird dünn

Gelingt es jedoch Rußland, den weltweit erklärten Krieg gegen den IS zu gewinnen, den Terror tatsächlich zu beenden und den Flüchtlingen eine Heimkehr in ein befriedetes Land zu ermöglichen, haben die NATO und Erdogan ein handfestes Problem. Erdogan kann seine hochfliegenden Pläne beerdigen, und die USA würden bis auf die Knochen blamiert und bloßgestellt.

Denn ein schneller, klarer Sieg Rußlands gegen den IS/ISIL und den gesamten terroristischen Rand würde unmißverständlich klar machen, daß der angebliche Kampf der USA gegen die Terrortruppe nichts als ein Theater war. Schon heute weiß jeder, der bis drei zählen kann, daß der IS eine US-Söldnertruppe ist. Syrien könnte der Brandbeschleuniger für den Niedergang der USA sein. Rußland hat schon angekündigt, die Finanziers und Förderer des IS bloßzustellen und den ganzen, üblen Sumpf der wahren Hintermänner des Terrors aufzudecken. Es werden kaum Überraschungen dabei sein. Mehr und mehr erfährt auch jetzt schon die bisher noch gutgläubige Öffentlichkeit weltweit, welch schmutziges Spiel die USA & Co mit ihren selbst aufgebauten Terrororganisationen treiben und wie sie ein Land nach dem andern umstürzen und in Chaos und Elend treiben. Den Betreibern des grausigen Spiels wird die Maske vom Gesicht gerissen. 

Selstsamerweise ist das aber etwas, was den Verbrechern in den höchsten Etagen irgendwie doch zu unangenehm ist. Man versucht verzweifelt, den Schein zu wahren. Doch es ist nicht zu übersehen, daß für die NATO und die Geheimdienste der USA (und der Türkei) die Luft verdammt dünn wird.

Die große Überraschung bei dem ganzen Spiel ist Obama. Er handelt erstaunlicherweise seit einiger Zeit beherzt und entschieden gegen die Kriegstreiberfraktion der Neocons, spricht mit Putin auf Augenhöhe, bemüht sich um Deeskalation und will offensichtlich aus dem schrecklichen Gemetzel um Syrien aussteigen. Das gefällt bestimmten Kreisen in Washington garantiert überhaupt nicht. Obama wäre nicht der erste Präsident, der – natürlich aus heiterem Himmel – von einem wahnsinnigen, bösen Rassisten ermordet wird.