Island: Erst die Bankster hinter Gittern, jetzt Bankengeld für’s Volk

1. November 2015 von QUERDENKEN-REDAKTION
(1 votes, average: 4,00 out of 5)
Loading...

01. November 2015 (aus Island) Island ging 2008 ganz anders mit der Bankenkrise um, als die anderen „westlichen“ Ländern. Statt Bankenrettung auf Kosten der Steuerzahler ließ man nicht nur die Bank pleite gehen, sondern steckte die betrügerischen Bank-Manager nach einem aufsehenerregenden Prozeß ins Gefängnis. Die Isländer selber sind sehr direkt und wirklich demokratisch an der Politik ihres Landes beteiligt, nahmen die Verluste durch die Bankencrashs ungerührt in Kauf, krempelten die Ärmel hoch und kamen erstaunlich schnell wieder aus der roten Zone heraus.

Bjarni Benediktsson, fjármálaráðherra, á fundinum í Hannesarholti í dag.(links: Finanzminister Bjarni Benediktsson, Bild: mbl.is/​Styrm­ir Kári) Nun ist eine der drei landesgrößten Banken, die „Íslandsbanki“ an den Staat verkauft worden und JEDER Isländer bekommt davon einen kleinen Anteil. Nach dem Willen des isländischen Finanzministers Bjarni Benediktsson soll jeder Isländer dreißigtausend Kronen (ca. 220 Kronen) bekommen, nachdem die Regierung Eigentümer der Bank geworden ist. Íslandsbanki läge dann auf Platz zwei der drei größten, isländischen Staatsbanken. Er will nach eigenem Bekunden 5% dieses staatlichen Bankvermögens den Menschen im Land übereignen.

Letztlich besitzen die Isländer sowieso die Bank, die Verhältnisse auf dem kleinen Inselstaat im Norden sind im Gegensatz zum „demokratischen Westen“ wirklich demokratisch. Benediktsson willit dieser Maßnahme das vertrauen derausländischen Anleger stärken und frisches Geld ins Land holen, das mit nicht einmal 300.000 Bürgern dünn besiedelt ist, aber wirtschaftlich erstaunlich effektiv. Island ist das einzige europäishe Land, das sich vollkommen von der 2008er-Finanzkrise erholt hat, keine neue Schulden aufgenommen hat und das Darlehen des IWF vollständig vor dem Fälligkeitstermin zurückgezahlt hat.

Der Vizevorsitzende der Haushaltskommission, Guðlaugur Þór Þórðarson, erklärte, mit dieser Maßnahme könne man dann endlich die Kapitalkontrollen Islands wieder aufheben, nannte aber den Weg der Verstaatlichung der Bank letztendlich nicht die ideale Lösung. Der ehemalige Finanzminister Steingrímur J. Sigfússon schloß sich Þórðarson an, der im Radio sagte „Wir sollten die Banken nicht in die Hände von Idioten fallen lassen“, Island werde davon profitieren, wenn der Zweig des Investment Bankings von den normalen Geschäfts- und Privatkundenbanken streng getrennt würden. Gerade der weit überzogene Investment-Bereich stuerte 2008 das kleine Land in eine verheerende Bankenkrise.

Es gibt zwar noch keinen festen Zeitfahrplan für die staatliche Übernahme der „Íslandsbanki“ und der Auszahlung an die isländischen Bürger, aber Islands höchst ungewöhnlicher, ja revolutinärer Umgang mit der Finanzkrise 2008 macht es mehr als wahrscheinlich, daß auch diesmal das kleine Land unerschrockener Urenkel von Wikingern den Worten Taten folgen läßt.

Erst vor kurzem wurde der sechsundzwanzigste Banker, der damals am chaotischen Bankenzusammenbruch Islands beteiligt war, zu Gefangnisstrafe verurteilt. Insgesamt wurden 74 Jahre Gefängnis verhängt. Während die Bankster auf Island ihre Strafen ohne jedes Pardon und Luxus bis zum letzten Tag absitzen müssen, wurden in den USA die Bankster für ihre gewissenlose Zockerei und Marktmanipulation mit gigantischen Bailoutsummen auf Kosten des Steuerzahlers belohnt. Mehr noch, das hart erarbeitete Geld und die neuen Staatsschulden, für die die Bürger bürgen müssen, spendierten den Verursachern der Finanz- und Bankenkrise die Abzockparty ihres Lebens im globalen Finanzcasino.

Image credit: Investmentwatchblog.com