Caliban und die Hexe – zur „Alchemie“ der Moderne. Patriarchatskritik der kapitalistischen Gesellschaft

26. September 2015 von Michael Friedrich Vogt
(3 votes, average: 3,33 out of 5)
Loading...

Prof. Dr. Claudia von Werlhof im Gespräch mit Michael Friedrich Vogt. Wir leben heute (beginnend vor mehreren Jahrtausenden) in einer weitgehend patriarchal organisierten Welt oder Zivilisation, relativ unabhängig von Nationalitäten, Kulturen und Religionen. Die moderne Form dieses Patriarchats ist das „kapitalistische Patriarchat“. Es knüpft an die schon im Altertum formulierte „alchemistische“ Utopie an, durch eine technische Transformation, ja Überwindung und Ersetzung der Natur und Menschen, insbesondere der Frauen als Mütter, zu einer nur von Männern geschaffenen Zivilisation des „pater arché“, am Anfang des Lebens bzw. der Materie jeweils ein Herr bzw. „Vater“, zu gelangen.

Alternative dazu wäre eine matriarchale zivilisatorische Regelung, die nichts mit einer „Frauenherrschaft“ zu tun hat, sondern an der Kooperation und nicht Beherrschung oder gar Eliminierung bzw. Ersetzung von Natur und Müttern, also an dem „mater arché“ orientiert ist, wie es das Erdenleben kennzeichnet.

Obwohl die matriarchalische Zivilisation die ältere und ursprüngliche ist, hat sie sich gegen die gewalttätige, kriegerische Patriarchalisierung der Kontinente bis auf einige noch immer lebende Matriarchate nicht halten können. Sie beruht auf Herrschaftsfreiheit, Gemeinsinn, Gerechtigkeit, Gewaltfreiheit, Respekt und Achtung vor dem Leben. Demgegenüber steht die patriarchalische Zivilisation, die genau umgekehrt geregelt ist, eben weil sie die irdischen, quasi „mütterlichen“, Bedingungen nicht akzeptiert und ihnen ihr alchemistisches Umwandlungsverfahren auf allen Ebenen und in allen Bereichen entgegensetzt. Dies führt zu einer buchstäblichen Verkehrung der Welt, die gerade in der Neuzeit und Moderne mithilfe moderner Maschinentechnik erst wirklich Gestalt angenommen hat. Ja, die Maschine ist sozusagen die Inkarnation des Naturersatzes, was aber wegen des historischen Scheiterns alchemistischer Verfahren nicht zugegeben wird.
Diesen Fragen geht Prof. Dr. Claudia von Werlhof (emeritierte Professorin für Politikwissenschaft und Frauenforschung am Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck) als einer der Mitbegründerinnen der Frauenbewegung auf den Grund. Sie zieht dafür die Linie von den Anfängen der Frauenforschung über das Buch „Caliban und die Hexe“ und die Auseinandersetzung mit dem Marxismus bis zur sog. Kritischen Patriarchatstheorie heute nach. 2007 gründete sie dazu den Verein FIPAZ (Forschungsinstitut für Patriarchatskritik und alternative Zivilisationen).
Sie kommt zu dem Ergebnis, daß die moderne Zivilisation im Zusammenhang mit dem Patriarchat vom Nanobereich bis hin zum Planeten Erde so zerstörerisch geworden ist, daß sie aufgegeben und re-matriarchalisiert werden sollte. Die kapitalistische Gesellschaft ist dabei der historische „Höhepunkt“ der patriarchalen Zivilisation. Dies sei der Grund für die Zivilisations- und Kapitalismuskrise der Moderne.

Website: www.fipaz.at

Kontakt: Forschungsinstitut für Patriarchatskritik und alternative Zivilisationen FIPAZ e.V. Obfrau: Prof. Dr. Claudia von Werlhof Birkenweg 3 6176 Völs Österreich Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Publikation: Silvia Federici, Caliban und die Hexe – Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation Silvia Federici, Krieg, Globalisierung und Reproduktion, in: Claudia von Werlhof, Veronika BUMERANG – Zeitschrift für Patriarchatskritik, Nr. 0, Febr. 2015, www.fipaz.at Bennholdt-Thomsen, Nicols Faraclas (Hrsg.), Subsistenz und Widerstand Bennholdt-Thomsen, Nicols Faraclas, Feminism and the Politics oft he Commons, in: Mathias Behmann, Theresa Frick Ursula Scheiber, Simone Wörer (Hrsg.): Verantwortung – Anteilnahme – Dissidenz… Festschrift zum 70. Geburtstag von Claudia von Werlhof Renate Genth, Über Maschinisierung und Mimesis, Beiträge zu Dissidenz, 10 Maija Gimbutas, Göttinnen und Götter im alten Europa Heide Göttner-Abendroth, Das Matriarchat I Carolyn Merchant, Der Tod der Natur Maria Mies, Patriarchat und Kapital Maria Mies, Claudia von Werlhof, Lizenz zum Plündern Lewis Mumford, Mythos der Maschine Claudia Opitz-Belakhal, Das Universum des Jean Bodin Claudia von Werlhof (Hrsg.), Projektgruppe „Zivilisationspolitik“ (Hrsg.): Kann es eine „neue Erde“ geben? Beiträge zur Dissidenz, Nr. 27 Hans Werner Schütt, Auf der Suche nach dem Stein der Weisen Claudia von Werlhof, Veronika Bennholdt-Thomsen, Nicols Faraclas, Subsistenz und Widerstand Claudia von Werlhof, Veronika Bennholdt Thomsen, Maria Mies, Frauen, die letzte Kolonie Claudia von Werlhof, Wenn die Bauern wiederkommen Claudia von Werlhof, Was haben die Hühner mit dem Dollar zu tun? München 1991, Frauenoffensive Claudia von Werlhof, Mutter-Los Claudia von Werlhof, West-End Claudia von Werlhof, Vom Diesseits der Utopie zum Jenseits der Gewalt Claudia von Werlhof, Die Verkehrung Claudia von Werlhof, Der unerkannte Kern der Krise Claudia von Werlhof, Vorlesung Patriarchat, Tagung „Das Patriarchat und Ich“ 2013, www.fipaz.at Claudia von Werlhof, Nell´Etàt del Boomerang

Download als pdf: Claudia von Werlhof – Silvia Federici, Caliban und die Hexe. Zur ‚Alchemie‘ der Moderne