Putsch um 16:00 Uhr in Griechenland – demnächst in Berlin

16. Juli 2015 von Niki Vogt
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16. Juli 2015  (von Niki Vogt) Es kommt genauso, wie wir das bereits angekündigt haben. Die Regierung Tsipras wird weggefegt. Hübsch, wie das der Westen so macht, wird das Ganze als „Regierungsumbildung“ verkauft. Tsipras wird jetzt die Minister austauschen (müssen), die sich den mörderischen Vorschlägen der EU nicht unterwerfen wollen. Und die sich dem Votum des Volkes verpflichtet fühlen. Das tödliche Sparprogramm wurde auch nur mithilfe der Opposition durchgepeitscht. Jetzt wird dem Willen der EU gehorcht und die gewählte Regierung einfach ausgetauscht mit EU-gehorsamen Politikern. Sowas nennt man einen Putsch. Und möglicherweise bleibt es nicht bei einer „Regierungsumbildung“.

BILD preschte heute mit der Meldung heraus: „Kabinettsbeben in Athen – Große Regierungsumbildung geplant ++ Tsipras will mehrere Minister austauschen“.

Um das mal ganz klar zu sagen: Das griechische Volk hat unzweifelhaft und klar die Regierung Tsipras gewählt, WEIL diese versprochen hatte, die Knechtung und Aushungerung der Griechen und der griechischen Volkswirtschaft zu beenden. Und sie haben diesen Willen in der Volksabtimmung mit einer fast Zweidrittelmehrheit unmißverständlich bekräftigt. Wenn etwas demokratisch lupenrein zustande gekommen ist in dieser, unserer EU, so ist das dieser Auftrag des griechischen Volkes an die Regierung Tsipras. Ende der Durchsage.

Als die Verhandler der Regierung Tsipras (die im Übrigen den katastrophalen Zustand des Landes nicht herbeigeführt, sondern geerbt hat!) von der berüchtigten Troika aus EU, IWF und EZB das Messer an die Kehle gesetzt bekommen hat, stellte sich heraus, daß Tsipras und Varoufakis den Kardinalfehler begangen haben, keinen Plan B in der Tasche zu haben.

Sie haben einfach nicht damit gerechnet, daß es eine ziemlich mächtige Gruppierung inder EU gibt, angeführt von Schäuble, die tatsächlich einen Grexit will. Sie haben sich darauf verlassen, daß die USA auf keinen Fall möchte, daß  Griechenland aus dem Euro, aus der EU und aus der NATO herausfällt. Aus geostrategischen Überlegungen. Sie haben die Putin-Karte gezückt, aber die hat nicht wirklich gestochen. Putin hält sich vorsichtigerweise heraus.

Ein Plan B wäre gewesen, wirklich die neue Drachme zur Ausgabe vorzubereiten. Verträge abzuschließen, mit denen Geld ins Land kommt, wie Exploration der riesigen Öl- und Gasvorkommen vor den griechischen Küsten, Durchleitungstantiemen für die russische Gasleitung durch Griechenland, ein gutes Förderprogramm für den Tourismus, der prosperiert hätte, wenn durch die Drachme wieder billiger Urlaub im Inselparadies möglich wird.

Ich persönlich mag Schäuble und seine Politik nicht. Überhaupt nicht. Aber sein Plan, die Griechen aus dem Euro zu entlassen, wäre für Griechenland kurzfristig hart, mittel- und langfristig jedoch besser. Für Europa auch. Es wäre Schadensbegrenzung für Europa und ein Neustart für Griechenland. Die USA und das globale Bankensystem wollen genau das nicht. Hätte die Regierung Tsipras einen Grexit gut vorbereitet, wären die kurzfristigen Auswirkungen schmerzhaft, aber wahrscheinlich zu bewältigen gewesen. Doch es war kein Plan B vorbereitet, Tsipras steht mit dem Rücken an der Wand und muß zu Kreuze kriechen.

Eine der Züchtigungsmaßnahmen und Maßnahmen zur Sicherstellung der Kontrolle der EU/USA über Griechenland ist es, die Regierung so „umzubilden“ – im Klartext zu wechseln – daß die Widerspenstigen rausfliegen und durch Willfährige ersetzt werden.

Tsipras bleibt als Feigenblatt. Nichts anderes.

Das scheint aber nicht der einzige Putsch zu werden.

Der US-Finanzminister Jacob Lew trifft heute in Berlin ein. Er wird ganz offensichtlich alle Register ziehen, um die Bundesregierung davon abzuhalten, den Grexit-Kurs weiter zu fahren. Er wird auf Schuldenschnitt drängen. Was die Lebensversicherungen und die Rentenkassen in der EU niederreißen wird. Und den Verbleib Griechenlands im Euro und der EU und vor allem der NATO durchdrücken. Man kann es kaum glauben, aber es scheint tatsächlich so zu sein, daß die bisher US-hörige deutsche Regierung es wagt, den Anordnungen der USA zu trotzen:

„Seit Monaten drängt die Obama-Regierung Deutschland und seine europäischen Gefolgschaftsstaaten, Athen einen tragbaren Kompromiss anzubieten. Mal mit, mal ohne IWF-Begleitung warnte das US-Finanzministerium Anfang Juli, „ein Zusammenbruch Griechenlands würde weltweit wirtschaftliche Schäden in Höhe von hunderten Milliarden Dollar verursachen“. Der US-Präsident trug diese Sorge mehrmals telefonisch der deutschen Bundeskanzlerin vor, erhielt jedoch keine präzisen Zusagen. Zeitgleich mit der Stellungnahme des US-Finanzministeriums vom 8. Juli appellierte IWF-Direktorin Christine Lagarde „implizit an Deutschland“, die Opposition gegen Schuldenerleichterungen zu beenden. Lagarde blieb ebenfalls ohne eindeutige Antworten. Bei einer Rede in Washington wurde der US-Finanzminister daraufhin noch deutlicher: Mute man dem griechischen Ministerpräsidenten weitere Belastungen der Bevölkerung zu ohne realistische Aussicht auf einen erträglichen Schuldenabtrag, könnten nicht nur die weltweiten Wirtschaftsbeziehungen Schaden nehmen – „ich denke, es wäre auch geopolitisch ein Fehler“, sagte Lew und spielte auf die Rolle Griechenlands in der NATO an.

[…]

CDU/CSU und SPD hatten mit dem Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro gespielt und sowohl weltwirtschaftliche wie auch geopolitische Folgen zu Lasten der USA in Kauf genommen; Athen war erniedrigt worden, so dass eine Radikalisierung nicht nur der griechischen Innenpolitik, sondern ebenso der europakritischen Öffentlichkeit in mehreren Ländern des Kontinents die Folge sein könnte. Die ungeheure Brutalität, die dem deutschen Vorgehen weltweit bescheinigt wird, kündigt die Entschlossenheit der Bundesregierung an, ihr Wirtschaftsmodell wenn nötig mit Zwang durchzusetzen, um „Kerneuropa“ zu errichten – ein Alptraum sowohl liberaler wie konservativer Kreise im US-Senat.

Denn auch für Berlin kündigen die USA eine Regierungsumbildung an. Diverse US-Senatoren sprechen sich für den Rücktritt von Schäuble und Gabriel aus:

„Die am heutigen Donnerstag stattfindenden Gespräche zwischen US-Finanzminister Jacob Lew und seinem Amtskollegen Schäuble stellen einen neuen Versuch dar, den sich radikalisierenden Weg nach „Kerneuropa“ zumindest zu verlangsamen und Berlin eine teilweise Rückabwicklung der Brüsseler Vereinbarungen abzuringen. Die US-Außenpolitik ist sich im Unklaren, ob das deutsche Vorgehen gegen Griechenland systematischer Natur ist oder durch einen transatlantischen Umbau der gegenwärtigen deutschen Regierung gemäßigt werden kann. Eine pragmatische Variante, die von Republikanern und Demokraten im US-Senat an die Presse gestreut wird, legt den Rücktritt des deutschen Finanzministers (CDU) sowie des deutschen Vizekanzlers (SPD) nahe. Beide gelten als Komplizen bei der gegen Griechenland gerichteten Ausschluss-Drohung, die das Bundeskanzleramt voll unterstützte.“ Quelle: German Foreign Policy

Der „transatlantische Umbau der gegenwärtigen deutschen Regierung“ heißt nichts anderes, als daß Washington die Regierung der BRD genau wie in Kiew oder Athen mit ihren Leuten besetzt, um in Europa nach Gutdünken ihre Interessen durchsetzen zu können. Aber haben wir nicht all die Jahre eine folgsame, US-hörige Regierung gehabt? Wenn unsere bisher braven Vasallen US-amerikanischer Politik offen gegen die Befehle aus Washington Widerstand leisten, und man aus Washington rigoros in ganz Europa durchgreifen will (Herr Jacob Lew reist auch zu Präsident Hollande), und Regierungen „umbesetzt“, dann muß die Hütte wirklich brennen.

Das ganze Kasperltheater, was wir auf der Weltbühne aufgeführt sehen ist nur die Show der Gladiatoren für die Öffentlichkeit. Hinter den Kulissen geht es jetzt offenbar um die ganz großen Dinge. Wenn sich die wirklich Mächtigen schon auf der Bühne zeigen müssen, um in die Show einzugreifen, dann ist es ernst.