Der Krieg im Jemen geht weiter – USA unterstützen Saudis mit Waffenlieferungen

28. März 2017 von Niki Vogt
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29. März 2017 (von Niki Vogt, Beitragsbild: die alte Stadt Shibam, Jemen. Bildlizenz: Wikimedia Commons, Creative Commons 2.0) Gestern versammelten sich in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa Hunderttausende, um gegen den Krieg, der seit zwei Jahren das Land heimsucht, zu protestieren. Wie wir bereits berichteten, nimmt der völkerrechtswidrige Krieg, den Saudi-Arabien mit voller Unterstützung der USA und Großbritanniens im Jemen führt, die Ausmaße eines Völkermordes an. Das saudische Militär fliegt mörderische Luftangriffe, bei denen viele Zivilisten sterben.

Das bitterarme Land leidet furchtbar unter der Geißel des aufgezwungenen Krieges. Die Luftangriffe zerstören auch noch die schmale Lebensgrundlage der Jemeniten. Millionen Menschen sind vom Hunger bedroht. Und wieder hilft die „Westliche Wertegemeinschaft“, ein Land dermaßen zu zerstören, daß hunderttausende Wütende, Verzweifelte und Hungrige den Fluchtweg nach Europa antreten werden. Denn der Jemen hat Pech. Da in allen Ecken und Enden der Welt Kriege und Revolutionen, Massaker und Regime-Changes toben, nimmt kaum jemand den kleinen, armen und „unbedeutenden“ Jemen wirklich wahr. Die USA hatten im Dezember 2016 die Waffenlieferungen an Saudi-Arabien gestoppt, weil die zivilen Opfer in keinem Verhältnis mehr zu den angeblichen Zwecken der Waffengänge der Saudis standen. Beerdigungen, Schulen und Krankenhäuser wurden bombardiert, und die USA befürchteten, die Massaker könnten möglicherweise nicht im Einklang mit den „Zielen und Werten ihrer Außenpolitik“ stehen.

Erst der Präsidentenwechsel im Weißen Haus brachte das Thema „Krieg im Jemen“ ins Bewußtsein der die „Tagesschau“ konsumierenden Bundesbürger. Hatte man bisher den schmutzigen Krieg unter Barack Obama mit geballter Waffentechnologie gegen ein armes Völkchen erfolgreich weggeschwiegen, wurde er nun, mit Donald Trump als Präsident, plötzlich zur Moralkeule. Präsident Trump, der eine Einmischung in die Angelegenheiten anderer Länder mehr als einmal kategorisch abgelehnt hatte und die ständigen Kriege der USA in allen Ecken der Welt kritisierte, genehmigte dennoch am 14. März neue Waffenlieferungen an Saudi Arabien. Es geht im Jemen gegen die schiitischen Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden. Dabei handelt es sich nicht nur um die Rivalitäten zwischen den sunnitischen Saudis, die letztendlich den schiitischen Iran als Konkurrenz ausschalten wollen. Auch die USA haben ein starkes Interesse daran, den Iran zu schwächen und auszuschalten, da er im Verbund mit China und Rußland ein Dreh- und Angelpunkt für die geplante „Neue Seidenstraße“ sein wird, rein schon aufgrund seiner geopolitischen Lage.  Da Rußland und China – und im Gefolge der Iran – konsequent daran arbeiten, den Dollar als Petrodollar und Weltleitwährung auszuschalten und damit die Weltmacht USA ernsthaft herausfordern, kämpft die USA in Nahost um ihre Zukunft. Der Jemen erleidet daher zur Zeit in etwa das gleiche Schicksal, wie der Donbass. Hier stehen sich Rebellen und Truppen der im Hintergrund miteinander ringenden Mächte auf dem Territorium eines Staates gegenüber, der einfach das Pech hat, an diesem Ort zu sein und als Experimentierfeld dienen zu müssen. Das menschliche Elend wird dabei als Kollateralschaden eingepreist. Nur wenn die Ruchlosigkeit gar zu offensichtlich wird, betreibt man ein wenig Waffen-Lieferstop-Kosmetik, um das Image nicht gar zu sehr zu ramponieren.

Auch die ARD mit der Tagesschau entdeckt plötzlich Moral und Gewissen. War bisher der illegale Krieg im Jemen keine Meldung wert, wurde er unter Trump zum Anliegen, auf die menschenrechtlich katastrophale Situation hinzuweisen. 

Wie die empfehlenswerte Seite „Propagandaschau“ bemerkt, taucht plötzlich in einem Bericht über die Luftangriffe im Jemen als Verantwortlicher Präsident Trump auf: „Susanne Daubner: „Bei einem von Präsident Trump authorisierten US-Militär­einsatz im Jemen sind nach Pentagon-Angaben mindesten 14 al-Kaida-Kämpfer und ein US-Soldat getötet worden. Örtliche Behörden berichten, dass bei dem Angriff in der zentraljemenistischen Provinz Al-Baida auch mehrere Frauen und Kinder ums Leben gekommen seien. Die US-Regierung betrachtet die im Jemen angesiedelte Extremistengruppe seit längerem als den gefährlichsten Ableger des Terrornetzwerks.““

Zu Recht bemerkt „Propagandaschau“ im Beitrag: „Den Satz: „Bei einem von Präsident Obama authorisierten US-Militär­einsatz …“ wird man im Archiv der tagesschau dennoch nicht finden.

Mehr hierzu: http://quer-denken.tv/stoppt-den-voelkermord-im-jemen-frieden-durch-entwicklung/