Popanz Staatsschulden – die Schulden des Einen sind die Guthaben des Anderen

18. Dezember 2013 von Michael Friedrich Vogt
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Bild: Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft/pixelio.de  Andreas Popp im Gespräch mit Michael Friedrich Vogt Rico Albrecht von der Wissensmanufaktur schreibt in seinem richtungsweisenden Beitrag „Staatsentschuldung. Perspektive oder Illusion?“: „Für 92 % der Deutschen ist der Abbau der Staatsverschuldung die wichtigste politische Aufgabe, ergab eine Umfrage der ARD im September 2013. Aktuell liegt die Staatsverschuldung in Deutschland bei rund 2,1 Billionen Euro.

Nur in den USA (mit umgerechnet rund 12,4 Billionen Euro) und in Japan (mit umgerechnet rund 8,1 Billionen Euro) ist die Staatsverschuldung noch höher. Zusammen verursachen die USA, Japan und Deutschland rund zwei Drittel der „Weltverschuldung“, also der Summe aller Staatsschulden der Erde. Diese liegt aktuell bei umgerechnet rund 36 Billionen Euro.

Da wir offensichtlich weder bei anderen Generationen noch außerhalb der Erde verschuldet sind, muß das „Wir“ feiner aufgeschlüsselt werden. Dabei stellt man leicht fest, daß zwar einerseits die Staaten immer tiefer verschuldet werden, auf der anderen Seite aber auch die privaten Vermögen – wenn auch nicht gleichmäßig verteilt – immer weiter anwachsen. Die Aussage, wir seien verschuldet, ergibt ebensowenig Sinn wie die Aussage, ein Dorf sei verschuldet, weil sich der Bäcker vom Goldschmied eine Münze geliehen hat.

 

Bild: Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft/pixelio.de

Die Frage, bei wem eine gesamte Generation nun eigentlich verschuldet sein soll, ist damit klar beantwortet: Sie ist nicht verschuldet! Die Schulden des Einen sind die Guthaben des Anderen. Wollte man heute wirklich 2,1 Billionen Euro Staatsschulden abbauen, müßte man im selben Moment auch 2,1 Billionen Euro Vermögen abbauen. Wer also ernsthaft vom Abbau der Staatsverschuldung spricht, muß auch offen erklären, wessen Vermögen er hierfür verringern möchte. Alles andere ist entweder nicht ernst gemeint oder beweist nur mangelndes Verständnis der volkswirtschaftlichen Zusammenhänge von Guthaben und Schulden. Beides bedingt sich gegenseitig. Das Eine existiert nicht ohne das Andere. Deutschland als Ganzes hat Schulden bei sich selbst – bezahlt deshalb Zinsen an sich selbst – und kassiert dafür Steuern von sich selbst. Dieses Nullsummenspiel gilt nicht nur für Steuern und Zinsen, sondern auch für Rückzahlungen.

In Deutschland haben die Steuerzahler seit der Gründung der Bundesrepublik insgesamt rund zwei Billionen Euro Zinsen auf Staatsschulden bezahlt. Ohne diese regelmäßigen Abgaben nach oben wäre der Staat heute praktisch schuldenfrei. Mit ca. 40 Milliarden Euro pro Jahr sind Zinszahlungen mittlerweile die zweitgrößte Position im Bundeshaushalt. Da die oberen Zehntausend wohl fürchten, ohne diese Transferleistung bald zum Mittelstand zu gehören oder gar bald zu denjenigen Transferempfängern, die einer Bedürftigkeitsprüfung unterliegen, kann man nur vermuten, daß sie ihre Medienbeteiligungen und Parteispenden sehr sorgsam einsetzen, damit im demokratischen Kapitalismus niemand auf der politischen Bühne beliebt wird, der ernsthaft eine Staatsentschuldung durchführen würde.“

Website: www.wissensmanufaktur.net