Leben ganz ohne Geld

18. Mai 2015 von QUERDENKEN-REDAKTION
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18. Mai 2015 Das kommende Bargeldverbot stürzt viele Menschen in Panik. Die Absicht dahinter, totale Kontrolle über alle Bürger auszuüben, ihnen die Freiheit zu nehmen oder sogar im schlimmsten Fall mit einem einzigen Befehl das Konto zu sperren ängstigt viele. In einer Welt ohne Bargeld steht man, wenn das Girokonto gesperrt ist, sehr schnell tatsächlich vor dem Verhungern, wenn man keine Ausweichstrategien entwickelt hat. Heidemarie Schwermer hat so eine Strategie zur Perfektion entwickelt. Seit 15 Jahren lebt die 69jährige ganz ohne Geld. Sie ist glücklicher als zuvor und es funktioniert.

 

Die fast unglaubliche Geschichte von Heidemarie fing vor mehr als 20 Jahren an. Nach einer schwierigen Scheidung zog die Lehrerin mit ihren zwei Kindern nach Dortmund in den Ruhrpott. Das leben in der großen Stadt war neu für sie, und es fiel ihr auf, wieviele Obdachlose in der Stadt leben. Sie warschockiert und betroffen – und beschloß, etwas für diese Menschen zu tun. Sie ging aber zu keinem Zeitpunkt davon aus, daß die Lebenssituation der Obdachlosen einfach durch große Geldsummen in Ordnung gebracht werden könnte. Irgendwie wußte sie von Anfang an, daß Geld keine Lösung war. Sie mußten einen Weg zurück in die Gesellschaft finden, und der war durch Geldzuwendungen nicht zu schaffen. Heidemarie verstand, daß diese Leute sich selbst wieder in die Lage bringen mußten, Mitglieder der GEsellschaft zu sein, eine sinnvolle Aufgabe zu übernehmen. Heidemarie kam auf die Idee einen Tauschring mit dem Namen „Gib und Nimm“ zu gründen.

Sie brachte das kleine Unternehmen zum Leben. Es erforderte nur einen recht kleinen Raum, wo jeder hinkommen konnte und Gegenstände, aber auch Fertigkeiten, Arbeit und Dienstleistungen einbringen konnte, und etwas anderes im Gegenzug dafür erhalten, was er brauchte. Ohne jedes Geld. Gut erhaltene Kleidung gegen Rasenmähen, gebrauchte Möbel oder Küchengeräte gegen Reparaturen im Haushalt, Autowaschen gegen Lebensmittel, Haarschnitt gegen Straßenkehren, ständige Gartenarbeit und Kleinreparaturen gegen eine Unterkunft. Damit erreichte sie allerdings nur sehr wenige Obdachlose. Die wollten sich meistens nicht wirklich von einer bürgerlichen, gebildete Frau in ihr Leben „reinreden“ lassen und sagten ihr klar, daß sie keine Ahnung habe, wer und was ein „Penner“ sei.

Aber viele Arbeitslose, Aufstocker, Niedriglohnarbeiter, Rentner, Hartz4ler, Überschuldete, Kleinunternehmer, die Pech hatten, Kreditopfer und Menschen aus wirtschaftlich angeschlagenen Familien rannten ihr fast „die Bude“ ein. Für erstaunlich viele war dieser Tauschring eine rettende Möglichkeit, sich aus dem Würgegriff der Geldnot, der ewigen Zankerei mit der „Agentur für Arbeit“ oder den Forderungen der Gläubiger zu entziehen. „Gib und Nimm“ schlug ein, wie eine Bombe.

Die Erfahrung, die Heidemarie aus den Lebensgeschichten und Umständen dieser „Systemopfer“ bekam führten dazu, daß sie anfing, grundsätzlich über ihr Leben und das Leben der Menschen in diesem Geldsystem nachzudenken.

Heidemarie hat eine sehr umfangreiche Webseite, auf der sie ihre Geschichte und ihre Gedanken – sehr kluge Gedanken – darlegt und ihr Leben und die Methoden, ohne Geld zu leben, beschreibt:

Für viele Menschen ist mein jetziges Lebensmodell nicht zu verstehen und sie glauben, dass ich ein abhängiges, umständliches, kompliziertes Leben führe. Das Gegenteil ist der Fall! Damit Sie mich verstehehn, möchte ich Ihnen die Philosophie vorstellen, die hinter meinem Handeln steht:

Ein ganzheitliches Sein

 

 

1. Der politische Aspekt

 

Für mich ist unumgänglich, dass es in Zukunft u.a. darum gehen muss, dass sich jeder Mensch auch als politisch empfindet, wobei ich nicht an die Parteipolitik denke sondern mehr an verantwortliche Bürger, die über ihren eigenen Tellerrand hinaussehen und an einer Veränderung der Welt mitarbeiten wollen.

Die Gründung der Gib und Nimm Zentrale war für mich ein politischer Akt, weil dadurch neue Voraussetzungen für ein würdevolles Leben geschaffen wird. Die Diskrepanz zwischen Arm und Reich wird verringert, weil sich nun jeder alles leisten kann. Arbeitslose müssen sich nicht mehr nutzlos fühlen, weil sie sich mit ihren Fähigkeiten einbringen können. Nachbarschaftshilfe wird gepflegt, Vorurteile gegen Fremde abgebaut, Freundschaften geknüpft und Isolation aufgehoben.

 

 

2. Der philosophische Aspekt: Um etwas verändern zu können in der Welt, ist es notwendig, dass jeder Einzelne für sich herausfindet, was er wirklich möchte, was er wirklich braucht und welchen Sinn sein Leben hat. Statt wie bisher überwiegend im Aussen zu leben, geht es nun darum, auch den Weg nach Innen zu entdecken und ihn bewusst zu beschreiten. Wir entwickeln unser vorhandenes inneres Potential, werden selbstverantwortlich, eigeninitiativ und können dadurch massgeblich in der Gesellschaft mitwirken .

 

 

3. Der psychologische Aspekt

: Die meisten Probleme in unserer Gesellschaft haben damit zu tun, dass wir nicht wissen, wie wir miteinander umgehen sollen, dass wir uns gegenseitig nicht achten und uns bekämpfen statt zu unterstützen. Krieg, Gewalttätigkeiten, Missbrauch, Respektlosigkeiten, Konkurrenzverhalten u.a. lassen sich beseitigen, wenn wir uns einlassen können. Menschen, die uns missfallen, dienen uns als Spiegel. Unsere Empörung über jemanden, der ein bestimmtes Verhalten präsentiert, das wir ganz und gar nicht aushalten können, kann uns an unsere eigenen Wurzeln führen. Die Frage „Warum rege ich mich so auf, was hat das mit mir zu tun?“ bringt mich in eine neue Sichtweise. Statt den anderen zu verurteilen, forsche ich bei mir weiter. Alles, was ich tue, hat einen Grund, den ich nun herausfinde und dabei anfange, mich damit zu akzeptieren. Wenn mir mein Verhalten als Fehler erscheint, kann ich daran arbeiten, ihn aufzugeben, nachdem ich ihn akzeptiert habe. Mit meiner eigenen Annahme gelingt es, auch den anderen zu akzeptieren. So können Feindbilder abgebaut werden und ein Wachstum in Liebe entstehen.

 

 

4. Der spirituelle Aspekt

: Durch viele Begebenheiten in meinem Leben in den letzten Jahren weiss ich, dass es neben unserer materiellen Welt auch eine geistige gibt, die die meisten von uns nicht sehen können. Immer deutlicher wird mir aufgezeigt, dass wir alle miteinander verbunden sind und alle aus derselben göttlichen Quelle stammen. Arbeitet jemand an seinen eigenen Störungen, tut er es gleichzeitig für alle. Das geistige Wachstum des Einzelnen hat einen wichtigen Stellenwert .Wir alle sollten uns bei dieser Arbeit gegenseitig unterstützen. Durch dieses Wissen kann jeder Mensch Konkurrenz- und andere negative Gefühle dem anderen gegenüber aufgeben und jeden als Mitspieler betrachten.

Ich überprüfe diese vier Aspekte regelmässig, korrigiere, wenn es mir nötig erscheint und bin dadurch im Lebensfluss, der viel mit dem Geben und Nehmen zu tun hat.

 

Heidemarie ist unterwegs