Indianische Kultur und Tradition in der kanadischen Gesellschaft

11. September 2013 von Michael Friedrich Vogt
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Der Künstler David Brooks im Interview mit Michael Vogt Kunst ist ein Lebensgefühl für David Brooks. Er kann sich gar kein Leben vorstellen – ohne Malerei und Kunst. Der Maler, Bildhauer, Fotograf und Holzschnitzer ist glücklich, Mitglied der Initiative „Friends United“ zu sein. Sie ermöglichte ihm den Anfang, und auch heute noch stattet die Initiative ihn – wie viele andere indianische Künstler – mit Materialien aus und unterstützt sie durch Ausstellungen, Aufträge und den Verkauf von Kunstdrucken.

Diese Hilfe ermöglicht es David, auch neue Wege, neue Techniken und Materialien auszuprobieren. Seine Inspiration bezieht David aber immer aus den alten Traditionen, der indianischen Kultur und den alten Weisheiten.

Zusammen mit Michael Vogt spricht er über seine Bilder und die grundlegenden Überzeugungen, die sein Leben bestimmen: Die Familie, Freundschaft und an erster Stelle die Kinder: Sie sind die Zukunft. Die Familie, die er als Zentrum eines Sterns malt, ist symbolisch in diesen Stern der vier Jahreszeiten eingebettet. Sie ist Teil der Natur.

Davids große Begabung liegt darin, in sehr einfacher, traditioneller und authentischer Formensprache diese tiefen Weisheiten und Werte als Botschaften aus der alten Welt der Indianer ins heute zu senden. Seine kraftvolle, bodenständige Linienführung und die klaren Farben sind so unprätentiös und sicher, daß sie uralt und doch hochmodern scheinen.

So erkennt er auch die einfachen, aber faszinierenden Wahrheiten, wenn sie ihm zufällig begegnen. Als seine kleine Tochter mit farbverschmierten Kinderhänden einen Abdruck auf einer seiner Leinwände neben einem Kreis hinterließ, erkannte er ein Gleichnis – und änderte Sein Bild sofort: Die Kinderhände wurden die Strahlen der Sonne. Ihre unverbrauchte Energie ist die Zukunft, die uns alle am Leben erhält.

In kleinen Details zeigt er in seinen Bildern, wie jedes Ding, jedes Wesen seinen eigenen Geist, seinen eigenen Manitou besitzt. So auch das Tipi, in dem ein Paar sitzt. Der beschützende und wärmende Geist des Tipi umschließt das Paar, ein „Dreamcatcher“ hält schlechte Träume von ihnen fern.

Diese Freiheit, ihre Weltsicht, ihre Religion und Mythologie zu leben und auszudrücken, haben die Ureinwohner Kanadas noch nicht lange. Und so ist Davids Sympathie für das Christentum nicht allzu groß. Diese Religion sei seinem Volk aufgezwungen worden. Erst jetzt entdecken die Mi’kmaqks ihre alten Wurzeln wieder. Unter dem Diktat der weißen Christen konnte die alte Religion nur im Verborgenen überleben. Auch die Sprache der  Mi’kmaqks war vom Aussterben bedroht. Unter der Herrschaft der Weißen war sie verboten, den Kindern wurde in der Schule der Mund mit Seife ausgewaschen, wenn sie es doch wagten, untereinander die „dreckige“ Sprache der „ungläubigen Wilden“ zu benutzen.

David erzählt, wie sie als Kinder ein altes, indianisches Spiel mit Würfeln und kleinen Stöckchen spielten. Drei der Stöckchen standen für die drei weisen, alten Frauen, alle anderen für Männer. Wer alle drei „Weisen Frauen“ zusammenbekam, hatte gewonnen. Auch dieses Spiel war strengstens verboten, und die Kinder wurden bestraft, erwischten die weißen Lehrer sie doch dabei. Heute wird die alte, indianische Kultur anders gesehen und so kommen die alten Spiele wieder zu Ehren, und das geradezu in letzter Minute – denn einige dieser alten Traditionen wären sonst mit den alten Indianern ausgestorben, auch die gesamte Sprache. Die Wiederbelebung der alten Indianischen Kultur ist die Vision und das Ziel von „Friends United“, und so ist David eines der engagiertesten Mitglieder in diesem Kulturzentrum.

 

Webseite: www.friends-united.ca